Steuertricks in den USA: Microsoft spart 30 Milliarden Dollar Steuern

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Steuertricks in den USA: Microsoft spart 30 Milliarden Dollar Steuern

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Der Software-Konzern Microsoft ist international präsent. Seine Niederlassungen in Irland, Singapur, Bermuda und Puerto Rico nutzt er, um Unternehmenssteuern in Höhen von fast 30 Milliarden Dollar zu sparen.

von Andreas Toller

Apple tut es, Starbucks und Amazon ebenfalls - aber in Sachen Steuersparen ist vor allem Microsoft unschlagbar: Der Software-Riese spart in den USA fast 30 Milliarden Dollar Steuern.

Zunächst interessierte es kaum jemanden. Aber weil immer mehr US-amerikanische Unternehmen die legale Steuerflucht ins Ausland praktizieren, schauen jetzt viele Beobachter genauer hin. Und sie sind fündig geworden.

Im Jahresabschluss-Bericht von Microsoft, den der Software-Gigant bereits Ende Juli der US-Börsenaufsicht SEC vorlegte, findet sich zur Steuerbelastung des Unternehmens ein brisanter Absatz. Darin steht, dass Microsoft nach den dort gültigen Bilanzierungsvorschriften 29,6 Milliarden Dollar an Unternehmenssteuern hätte zahlen und im Jahresabschluss ausweisen müssen - wenn es sich nicht um Einkünfte und Vermögen außerhalb der USA gehandelt hätte.

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Oder anders formuliert: Hätte der Konzern aus Redmond im US-Staat Washington seine außerhalb der USA gehorteten Einnahmen von 92,9 Milliarden Dollar in die USA überführt, wären Unternehmenssteuern in dieser Größenordnung fällig gewesen. So aber zahlte Microsoft im abgelaufenen Geschäftsjahr in den USA lediglich 5,5 Milliarden Dollar Einkommensteuer. Zur Steuervermeidung nutzt Microsoft Niederlassungen in Irland, Singapur, Bermuda und Puerto Rico.

Übernahmen mit Steuerersparnis

  • Chiquita

    Der Bananenhändler Chiquita will seinen irischen Konkurrenten Fyffes übernehmen. Die Unternehmen planen, den Deal noch bis Ende des Jahres abzuschließen.

  • AbbVie

    Der Pharmahersteller AbbVie aus den USA produziert unter anderem das Arthritis-Medikament Humira. Mitte Juli erklärte das Unternehmen, für 55 Milliarden Dollar den britischen Konkurrenten Shire kaufen zu wollen.

  • Medtronic

    Medtronic, ein Hersteller medizinischer Geräte aus Minneapolis, übernimmt für 42,9 Milliarden Dollar seinen Rivalen Covidien. Dieser hat seinen Hauptsitz zwar in Massachusetts, ist aber in Irland registriert.

  • Perrigo

    Auch der US-Pharmahersteller Perrigo verlegte nach dem Kauf des irischen Rivalen Elan seinen Firmensitz nach Irland.

  • Walgreen

    Die US-Drogeriekette Walgreen übernimmt für 15,3 Milliarden Dollar die fehlenden 55 Prozent am Konkurrenten Alliance Boots. Allerdings will das Unternehmen den Firmensitz nicht in die steuerlich günstigere Schweiz verlegen. Es heißt, Walgreen habe einen Tax Inversion-Deal geprüft, ihn dann aber verworfen.

  • Pfitzer

    Der Deal des Viagra-Herstellers Pfitzer ist dagegen gescheitert. Der US-Konzern hatte zuletzt 117 Milliarden Dollar für seinen britischen Rivalen AstraZeneca geboten. Die Briten lehnten das Angebot allerdings ab.

Die Kritik an den Steuervermeidungsstrategien der Unternehmen wird in den USA immer lauter. Denn was einzelne Firmen bereits seit Jahrzehnten praktizieren, kommt dort zunehmend in Mode. Dadurch sind die Einnahmen aus der Unternehmenssteuer dramatisch gesunken.

Kam in den Achtzigerjahren noch ein Drittel aller Steuereinnahmen von Unternehmensseite, sind es heute nur noch zehn Prozent. Amerika, das in den vergangenen Jahren wegen seiner hohen Staatsverschuldung gleich mehrmals nur knapp der - wenn auch politisch herbeigeredeten - Zahlungsunfähigkeit entging, könnte die Milliarden gut gebrauchen. Denn das Geld wird für dringende Investitionen in die Infrastruktur, Bildung und Sicherheit benötigt, von denen auch die Unternehmen profitieren.

Tim-Hortons-Übernahme Burger King plant Steuerflucht nach Kanada

Burger King streckt seine Fühler nach der kanadischen Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons aus. Der Deal brächte dem Burger-Brater vor allem eins: Steuer-Ersparnisse.

Burger King will Tim Hortons kaufen und so Steuern sparen Quelle: AP

Doch Fakt ist nunmal: Das US-Steuersystem erlaubt es den Konzernlenkern, den Haupt- oder Steuersitz ins Ausland zu verlagern - wenn sie dort eine Tochtergesellschaft besitzen. Dafür genügt unter Umständen schon eine Beteiligung von nur 20 Prozent. Immer mehr gut verdienende Firmen betreiben die sogenannte "Inversion", zu deutsch "Umkehrung", indem sie Unternehmen außerhalb der USA aufkaufen und ihren Steuer- oder gleich den Unternehmenssitz nach Irland, in die Niederlande oder andere steuerlich vorteilhafte Länder verlagern. Sofern sie ihre Einnahmen dort dauerhaft reinvestieren, fallen in den USA keine Unternehmenssteuern an.

Allein in diesem Jahr soll es schon 14 dieser "Inversionen" von großen US-Unternehmen gegeben haben, im Vorjahr waren es 19. Der Organisation "Citizens for Tax Justice" (Bürger für Steuergerechtigkeit) zufolge sparen sich allein die 500 erfolgreichsten US-Unternehmen auf diese Weise Steuerzahlungen im Volumen von 550 Milliarden Dollar. Dafür parken sie etwa zwei Billionen Dollar Gewinn jenseits der USA. Mit dem Geld bezahlen sie dann etwa Zukäufe anderer Firmen.

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