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Steuerzahlerbund: "Finanztransaktionssteuer ist Augenwischerei"

von Mark Fehr

Der Finanzexperte Olaf Schulemann vom Bund der Steuerzahler kritisiert, dass eine pauschale Abgabe auf Finanztransaktionen die Falschen trifft.

WirtschaftsWoche: Herr Schulemann, als Interessenvertreter der Steuerzahler stehen Sie neuen Abgaben natürlich zu Recht kritisch gegenüber. Aber wäre eine Steuer auf potenziell schädliche Spekulationen keine gute Sache?

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Schulemann: Die Besteuerung von Finanzgeschäften ist Augenwischerei. Das gern geglaubte Argument mancher Politiker lautet: Gierige Banken haben eine für Arbeitnehmer und Steuerzahler teure Krise verursacht, wofür die Institute nun zur Kasse gebeten werden sollen. Doch in der Praxis funktioniert das nicht.

Warum nicht?

Eine pauschale Abgabe auf Börsenumsätze oder andere Finanzgeschäfte macht keinen Unterschied zwischen erwünschten und unerwünschten Transaktionen. Eine Steuer ist ungeeignet, weil sie nicht weiß, was und wen sie besteuern soll. Sie belastet einfach alles. Das widerspricht dem Ziel der Politik, das Verhalten der Finanzmarktteilnehmer in eine gewünschte Richtung zu lenken. Für die Anleger schädliche Schrottpapiere wird es trotz Transaktionssteuer geben, weil die Abgabe solide Werte in gleichem Maß verteuert.

Wie können Finanzminister die Fehler der Transaktionssteuer beheben?

Der Fiskus kann die Finanzmärkte nicht wirkungsvoll steuern. Es ist der Job der Politik, sinnvolle Regeln aufzustellen, und der Banken- und Börsenaufsicht, diese zu überwachen. Anstatt hier anzusetzen bedienen sich die aktuellen Besteuerungsvorschläge des Prinzips, Sand ins Getriebe der Finanzmärkte zu streuen. Dabei darf man nicht vergessen, dass Börsen volkswirtschaftlich wichtige Aufgaben wahrnehmen, weil sie Preise für Wertpapiere und Waren ermitteln. Wer Sand ins Getriebe streut, darf sich nicht wundern, wenn ihm der Mechanismus um die Ohren fliegt.

Jetzt übertreiben sie aber, wir reden doch über homöopathische Steuersätze. Geschäftsmodelle mit einer so geringen Marge sind doch auch ohne die Steuer anfällig.

Der Steuersatz mag niedrig sein, doch er fällt bei jeder Transaktion an, egal ob diese Gewinn bringt oder Verluste macht. Unter dem Strich ergibt sich dann durchaus eine nennenswerte Belastung.

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Dieser können die Finanzkonzerne aber durch Verlagerung des Geschäfts in Steueroasen entgehen.

Oder sie wälzen die Steuer auf ihre Endkunden über, so dass es letztlich Sparer und Anleger trifft. Das heißt, es werden wieder Privatpersonen mit Abgaben belastet, die schon mit ihren Steuern für die Finanzkrise zahlen müssen. Geben die Besteuerten die Belastung nicht weiter, werden sie womöglich noch größere Risiken eingehen, um ihre selbst gesteckten Renditeziele zu erreichen. Das kann nicht im Sinne der Marktregulierung sein.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.02.2012, 11:06 UhrCloro

    Auch ich kann das FDP-Gesabbel von angeblichen Wirtschaftsexperten, der (Klein-) Anleger und Sparer werde die Rechnung für die Transaktionsteuer am Ende wieder bezahlen, nicht mehr hören. Ich komme hinsichtlich meines nächsten geplanten Aktieninvests in Höhe von 2000 € wegen der 0,1% - das sind 2 € Herr Finzexperte - tatsächlich schon so ins Schwitzen, dass ich mal eben ein Weizenbier trinken muss! - Für 3,60 €!! Liebe Wirtschaftswoche, verschonen Sie uns bitte künftig mit solchen Pseudoexperten, die ihre Expertise per Laufzettel von Bankvorständen und Hedgefondmanagern erhalten, die täglich Milliarden um den Erdball kreisen lassen! Sie beleidigen den Intellekt Ihrer Leserschaft.

    Roland Clos
    Interssengemeinschaft gegen gekauften Dünnpfiff in Wirtschaftskommentaren (IggDiW)

  • 02.02.2012, 10:34 UhrAnonymer Benutzer: Irted

    Mit Verlaub, ich glaube nicht, dass die Masse der "Kleinsparer" in einem Börsenclub organisiert sind. Die meisten lassen sich wohl eher einen Fonds ihrer Hausbank aufschwatzen oder haben Lebensversicherungen oder einen Riester-Vertrag. Und jedes mal, wenn die Bank für ihre Kunden umschichtet (ich hoffe doch, dass das mal passiert) 0,1%, das läppert sich.

  • 01.02.2012, 18:30 UhrAnonymer Benutzer: Sigip

    So ein Blödsinn!
    Ich leite einen Börsenclub, wir sind gerne bereit, für unsere Transaktionen 0,1% zu zahlen. Das belastet uns kaum. Wir fordern aber nicht nur für Aktien 0,1%, sondern für alle gehandelten Produkte. Der Zertifikatenmarkt hat ein Volumen von über 600 Billionen. Das ist das Zehnfache des Weltbruttosozialproduktes und hat das Potenzial, die ganze Welt in den Abgrund zu reißen, wie 1929! Dieser Markt muss ausgetrocknet werden. Hört auf vorzugeben, Euch geht es um die Interessen der Normalanleger.

    Sigurd Perk
    Aktienclub Leer

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