Tauchsieder: Der Nachruf auf die Hoeneß-Woche

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Die Uli-Hoeneß-Woche ist überstanden.

Kolumne von Dieter Schnaas

Uli Hoeneß war gestern. Was bleibt ist: Die Marke "FC Bayern" ist beschädigt. Und die Sympathie für Adidas und Audi vorerst dahin.

Es gibt zwei Gründe, warum ich mich in dieser Woche kurz fassen kann. Erstens: Ich habe gerade mal vor fünf Wochen so ziemlich alles Nötige über Steuermoral und Steuerhinterziehung, über Recht und Gerechtigkeit in der Behandlung der Reichen und der Armen, über unser Freiheits- und Staatsverständnis geschrieben. Der aktuelle Anlass war damals  – wer erinnert sich noch? – das Schweizer Konto von Alice Schwarzer. Wer sich also über die Causa Hoeneß hinaus noch einmal damit beschäftigen möchte, warum wir Steuern zahlen, welche Rechte und Pflichten sich daraus ableiten, warum höhere Kapitalertragsteuern wünschbar sind und die strafbefreiende Selbstanzeige abgeschafft gehört, schließlich: Warum die Politiker aller Parteien endlich damit aufhören sollten, „fiskalische Gründe“ bei Steuerstraftaten auch nur ansatzweise mit zu bedenken, der kann das gerne hier noch einmal tun. Zweitens: Auch zur Causa Hoeneß selbst ist so ziemlich alles gesagt, von jeder Seite, dutzendmal – bliebt also allenfalls ein knappes Resümee, ein knapper Ausblick.

Die schönsten drei Fernsehminuten in der gesamten Hoeneß-Woche hat uns zweifelsohne der Düsseldorfer Strafrechtler Jürgen Wessing am Donnerstagabend im Gespräch mit ZDF-Anchor Claus Kleber beschert. So knapp, so luzide, so trocken wie Wessing hat keiner das Ergebnis des Gerichtsverfahrens bewertet: „Die Strafe geht in Ordnung. Das ist für München ein mittlerer bis unterer Tarif… Man hat Uli Hoeneß eine Menge zugute gehalten…, wenn man davon ausgeht,  dass die Selbstanzeige nicht wirksam war.“

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Und weiter: Zur Frage, ob eine wirksame Selbstanzeige, also eine seriöse Aufarbeitung von 50.000 Geldgeschäften überhaupt möglich gewesen sei, ob das Gesetz der „sauberen Selbstanzeige“ daher nicht vielleicht zu scharf formuliert sei: „Ich denke Nein. Das Gesetz ist ohnehin ein ungewöhnliches Gesetz, weil es das einzige Gesetz in Deutschland ist, was nach einer vollendeten Tat noch in die Straffreiheit führen kann.“ Also hat eine Revision der Verteidigung keine Chance? „Nun, Revisionen haben 3,8 Prozent statistische Chance – und ich glaube nicht, dass die Chance hier deutlich höher sein wird.“ Also Gefängnis? Wie hat man sich den Strafvollzug vorzustellen?

Hoeneß-Urteil Verurteilter Hoeneß tut endlich das Richtige

Wie es beim FC Bayern nach dem Urteil gegen den Uli Hoeneß und dessen Rücktritt von allen Ämtern weitergehen wird.

Uli Hoeneß Quelle: REUTERS

Als Ersttäter komme Hoeneß wohl „in den offenen Vollzug“, was praktisch bedeutet, „dass man nachts in der JVA schläft und seine Zeit dort verbringt, wenn man nicht arbeitet.“ Sprich: Dreieinhalb Jahre Knastmatratze für Hoeneß? „Wohl kaum… Man kann vielfach am Wochenende Zeit bei seiner Familie verbringen… Insgesamt ist zwei Drittel das Maß aller Dinge bei der ersten Freiheitsstrafe, und wenn Herr Hoeneß es besonders gut macht in der Haft, dann er die Chance auf eine so genannte Halbstrafe.“ Im Interview mit der WirtschaftsWoche äußerte sich Wessing ähnlich: "Hoeneß hat eine mögliche noch höhere Haftstrafe abgewendet," sagte er.

Keine Ahnung, ob Uli Hoeneß sich diese drei großen Fernsehminuten irgendwann in der Nacht von Donnerstag zu Freitag angesehen hat. Jedenfalls muss er in jenen Stunden zu dem Schluss gekommen sein, dass die Ausführungen von Wessing rundum stimmig sind. Dass er ziemlich gut weggekommen ist. Dass er von einer Revision besser absieht. Und dass er mit der „guten Führung“ am besten so schnell wie möglich beginnt, um sich die Annehmlichkeiten der Haftverkürzung, des offenen Vollzugs und des Freigangs zu verdienen. Wahrscheinlich noch wichtiger für Hoeneß ist, dass mit dem Verzicht auf eine Revision die ganze Sache jetzt endlich hinter ihm liegt, dass er sie als bereinigt betrachten kann, dass man ihm jetzt keine Reue mehr abverlangen darf. Er muss sich nicht mehr vorwerfen lassen, dass sein „Fehler“ kein „Fehler“ war, sondern jahrelanger, systematischer, kalt berechnender Betrug; dass er nicht nur an der Börse, sondern auch gegen den Staat und seine Justizbehörden gewettet und sich am Ende halt gründlich verzockt hat. Er muss jetzt keine Einsicht mehr zeigen, sich kein moralisches Fehlverhalten mehr vorhalten lassen, muss nicht mehr bereuen, nicht taktieren, nicht weinen, keine Gefühle mehr zeigen oder verbergen.

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