Überflüssige OPs: Vorsicht, Arzt!

KommentarÜberflüssige OPs: Vorsicht, Arzt!

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Innerhalb von vier Jahren stieg die Anzahl von gefährlichen, jedoch vermeidbaren Operationen um 13 Prozent an: Die Kliniken versuchen sich durch die Einnahmen zu sanieren

von Anke Henrich

Aus wirtschaftlichem Druck empfehlen die Kliniken ihren Patienten immer häufiger unnötige und gefährliche Operationen. Eine Studie liefert neue Belege. Warum handelt die Politik nicht endlich?

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) gilt nicht als Lobbytruppe der Krankenkassen. Das Ergebnis, zu dem eine Studie des Instituts soeben kommt, darf als unverdächtig gelten, auch wenn sie von den gesetzlichen Krankenkassen in Auftrag gegeben wurde. Zumal sie auf Zahlenbasis bestätigt, was selbst Ärzte längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand zugeben.

Von 2006 bis 2010 stieg die Zahl der Operationen in Deutschland um 13 Prozent. Aber nur  40 Prozent davon sind mit der alternden und kranker werdenden Gesellschaft zu erklären. Ein großer Teil der Zunahme liege laut RWI vielmehr daran, dass die Kliniken ihre Patienten schneller als früher auf dem Operationstisch liegen sehen wollen.

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Sanierung auf Kosten der Gesundheit

Aus handfesten Gründen: Vielen Kliniken schreiben rote Zahlen, jede fünfte von ihnen gilt als akut gefährdet. Zugleich bezahlen die Kassen einzelne Behandlungen höher als früher. Vor allem im orthopädischen Bereich - etwa an Wirbelsäule, Knien und Hüfte – und bei  kardiologische Fällen ist laut RWI die Zahl der Eingriffe erheblich gestiegen. Ohne, dass die Deutschen plötzlich gebrechlicher  geworden wären und obgleich selbst viele Orthopäden lautstark von den Eingriffen in Millimeterarbeit abraten. Gerade in ihrem Bereich wären manuelle Therapien und Krafttraining häufig erfolgreicher als gefährliche Operationen.

Die Kliniken sanieren sich auf Kosten der Gesundheit ihrer Patienten, nicht nur zu Lasten deren Kassenbeiträgen. Jede Operation birgt ein Risiko, dass Patienten nur akzeptieren sollten, wenn Heilung anders nicht möglich ist. Schon die Arztfehler bei der an sich höchst segensreichen Anästhesie bringen jährlich Menschen ins Grab.

Kaum zu glauben in Anbetracht des Gefahrenpotenzials, dass manche Ärzte von der Klinikleitung dennoch unter Druck gesetzt werden, teure – und manchmal schlicht überdimensionierte -  Operationssäle fleißig zu nutzen.

Zweitmeinung einholen

Kaum zu glauben aber auch, dass viele Patienten, die vor großen Eingriffen stehen, nicht die Möglichkeit nutzen, die ihnen ihre Kasse kostenlos bietet. Bei zeitlich planbaren  Operationen können sie sich von einem anderen Arzt dessen Zweitmeinung einholen. Ist die OP wirklich nötig? Welche Behandlungsalternativen gibt es? Die Recherche gilt erst recht für Privatpatienten, da sie besonders gerne geschröpft werden.

Die Gesundheitsexperten im Bundestag schlagen bei dieser Debatte seit Jahren nur Schaum. Union und FDP wollen Abschläge für Mehrleistungen in den Kliniken von längerer Dauer, als dies bisher schon galt. Wie soll das helfen? Es minimiert nicht die Zahl der Eingriffe, sondern erschwert bei schwierigen Eingriffen und mühsamer Heilung nur zusätzlich die Abrechnung der Kliniken.

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Lizenzen für Krankenhäuser

Der Kassenverband fordert, es müsse den einzelnen Krankenkassen erlaubt werden, direkte Verträge mit einzelnen Kliniken abzuschließen. Oder die Krankenhäuser müssten verstärkt Lizenzen bekommen, die regelten, wie viele Behandlungen sie machen dürften – oder wie sie welche auf andere Häuser übertragen können.

An der Stelle ließe sich auch gleich klären, wie entscheidend eine Vorgabe von jährlichen Fallzahlen einer Operation für deren Qualität ist. Muss jedes Krankenhaus wirklich jeden Eingriff anbieten?  Auch wenn es den Ärzten an Erfahrung und Routine mangelt?

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