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exklusivUmfrage zu Anwälten: Wirtschaftskanzleien sind top – aber zu teuer

von Claudia Tödtmann

Die renommiertesten Top-Kanzleien in Deutschland sind Hengeler, Gleiss, Freshfields, Flick Gocke Schaumburg und Cleary Gottlieb. Das ergibt eine Umfrage der WirtschaftsWoche zusammen mit der Kommunikationsagentur Faktenkontor unter den 1500 größten Unternehmen und 100 größten Banken und Versicherungen.

Rainer Loges von der Kanzlei Gleiss Lutz Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Die Kanzlei Gleiss Lutz ist zusammen mit Hengeler Mueller ganz oben auf der Renommee-Skala. Im Bild Rainer Loges von Gleiss Lutz Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Die Kanzleien, die die Unternehmen im Härtefall beauftragen - wenn gar das Überleben der Firma auf dem Spiel steht, zum Beispiel bei hohen Kartellstrafen, Compliance-Fällen oder feindlichen Übernahmen - sind der Umfrage zufolge Gleiss Lutz, Noerr, Freshfields und Hengeler Mueller. Auffällig: Unter diesen Kanzleien sind drei deutsche Sozietäten, die dem Trend der Fusionitis mit angelsächsischen Top-Kanzleien in den vergangenen Jahren widerstanden haben.

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Gewählt wurden nicht etwa die üblichen Verdächtigen wie die größten oder umsatzstärksten Kanzleien. Mögliche Gründe könnten im Vertrauen liegen.

Mit Kritik sparten die Unternehmen aber nicht, insbesondere wegen der Rechnungen der Law Firms: 58 Prozent der Mandanten ärgern sich über zu hohe Kanzlei-Honorare. 57 Prozent der Unternehmen beanstanden, dass sie die Kosten ihrer Kanzleien nicht vorausplanen können.

39 Prozent können die Abrechnungen ihrer Anwälte nicht einmal nachvollziehen. Und es kommt noch schlimmer: Jeder dritte Klient wirft seinen Anwälten sogar vor, dass sie die Mandate aufblähen - um die eigenen vorherigen Dumping-Angebote auszugleichen, mit denen sie die Kunden ködern. Darüber hinaus stören 16 Prozent der Klienten die Langsamkeit der Top-Kanzleien und zwölf Prozent deren mangelnde Erreichbarkeit.

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Um den Honorar-Forderungen der Kanzleien zu begegnen, sitzen bei etlichen Akquise-Terminen heute die Einkäufer der Firmen mit am Tisch. Konkret: In jedem fünften Unternehmen reden die Einkäufer heute ein Wörtchen mit. Jedes siebte Unternehmen senkt mit Hilfe dieser Experten die Honorarnote um 23 Prozent laut Umfrage der WirtschaftsWoche mit Faktenkontor.

Deutschlands renommierteste Kanzleien
RangRechtsanwaltskanzleiSchulnote*
1Hengeler Mueller 1,7
Gleiss Lutz 1,7
3Freshfields Bruckhaus Deringer 1,9
Flick Gocke Schaumburg 1,9
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton 1,9
6Linklaters 2,0
Clifford Chance 2,0
CMS Hasche Sigle 2,0
9Allen & Overy 2,1
Noerr 2,1
SJ Berwin 2,1
Baker & McKenzie 2,1
Orrick Hölters & Elsing 2,1
14Pluta 2,2
White & Case 2,2
Beiten Burkhardt 2,2
Shearman & Sterling 2,2
18Bird & Bird 2,3
DLA Piper 2,3
Hogan Lovells 2,3
Taylor Wessing 2,3
Latham & Watkins 2,3
23Mayer Brown 2,4
WilmerHale 2,4
Heuking Kühn Lüer Wojtek 2,4
Kapellmann und Partner 2,4
Graf von Westphalen 2,4
28Heisse Kursawe Eversheds 2,5
Osborne Clarke 2,5
Luther 2,5
Schultze & Braun 2,5
Weil Gotshal & Manges 2,5
33Heussen 2,6
FPS Fritze Wicke Seelig 2,6
Ashurst 2,6
Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom 2,6
P+P Pöllath + Partners 2,6
38Jones Day 2,7
Norton Rose 2,7
Görg 2,7
GSK Stockmann + Kollegen 2,7
KPMG Law 2,7
Rödl & Partner 2,7
44CBH Rechtsanwälte 2,8
PricewaterhouseCoopers Legal (PwC)2,8
46SKW Schwarz 2,9
Salans 2,9
48Raupach & Wollert-Elmendorff 3,1
49Buse Heberer Fromm 3,2
Göhmann 3,2
* Umfrage: „Wie beurteilen Sie das Renommee dieser Kanzleien?“ nach Schulnoten (1–6);  Quelle: WirtschaftsWoche/Faktenkontor 2012

Die WirtschaftsWoche-Umfrage über Anwälte ist der erste Teil der Serie "Beratercheck". Die IT-Berater, Headhunter und Werbeagenturen sind die nächsten Branchen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.11.2012, 18:11 UhrScout

    Ich finde die Ausgangsfrage für das Ranking ist falsch gestellt. Wenn, dann zählen doch wohl konkrete Erfahrungen mit den jeweiligen Kanzleien und nicht die Einschätzung des Renommées (also die Einschätzung der Einschätzung durch andere). Mir scheint das auch eine reichlich oberflächliche Vorgehensweise zu sein, um eine "Hitliste" zu erstellen.

  • 18.10.2012, 12:23 UhrGulliver

    Leider etwas oberflächlich recherchierter Artikel, der mit mehr Tiefgang wirklich ein interessantes Thema aufgreift. Völlig außeracht gelassen wird, um nur ein Beispiel zu nennen, etwa die Umbenennung von Nörr Stiefenhofer Lutz in Noerr und der Rechtsformwechsel zur LLP (http://www.juve.de/nachrichten/namenundnachrichten/2009/12/formwechsel-noerr-geht-als-llp-ins-neue-jahr). Ein augenscheinlicher Widerspruch zum vermeindlichen Vertrauensvorteil "deutscher" Kanzleien, oder derer die sich als solche verstehen, weil ihre international Allianz in Scherben liegt und man nun ein anderes Label im Wettbewerb um Top-Mandanten und Top-Absolventen braucht. Da hätte ich mir mehr gewünscht, Frau Tödtmann.

  • 15.10.2012, 12:38 UhrZwischenton

    Glückwunsch, Frau Tödtmann! Eine sehr spannende Studie, der ausführlichere Beitrag dazu in der aktuellen WiWo ist sehr lesenswert! Bei Einigen ist das eher schlechte Abschneiden, bei anderen gar deren Fehlen bemerkenswert, insbesondere in Bezug auf die Auswahl der Top-50 Kanzleien durch den JUVE-Verlag. Milbank oder SZA etwa kommen gar nicht vor. Erfreulich, dass der Fall EnBW Gleiss Lutz doch weniger schadet, als man vermuten könnte. Aber nur bei Hengeler scheinen Anwältinnen auch Top zu sein...

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