Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Erbschaftsteuer

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Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Erbschaftsteuer

, aktualisiert 17. Dezember 2014, 10:13 Uhr
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Formular für eine Erbschaftsteuererklärung

von Konrad Fischer

Die Erbschaftsteuer ist in zentralen Punkten verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Womit Unternehmen und Privatleute rechnen sollten.

Die massiven Steuerprivilegien für Firmenerben verstoßen in ihrer derzeitigen Form gegen das Grundgesetz. Das entschied das Bundesverfassungsgericht am Mittwoch. Die seit 2009 geltende Regelung zur großzügigen Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer wurde für verfassungswidrig erklärt. Sie verstoße gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes. Der Gesetzgeber müsse bis 30. Juni 2016 eine Neuregelung treffen. Bis dahin seien die bisherigen Vorschriften weiter anwendbar. (Az. 1 BvL 21/12).

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Immer wieder musste das Verfassungsgericht über die Regeln verhandeln, immer wieder gab es danach Neuregelungen – die wiederum angegriffen wurden. Bisher störten sich die Verfassungsrichter fast immer an den Ausnahmeregeln im Gesetz, denn die geraten schnell in Konflikt mit dem grundgesetzlichen Gleichheitssatz. So ist es auch diesmal.

Wer muss in Deutschland Erbschaftsteuer zahlen?

Prinzipiell jeder, der durch Erbe oder Schenkung ein Vermögen erhält. Doch das Gesetz sieht eine Reihe von Ausnahmen vor. Zum einen sind kleinere Erbschaften bis zu einer Grenze von 500.000 Euro (für Lebenspartner) oder 400.000 Euro (je Kind) steuerfrei. Grundsätzlich befreit ist zudem selbstgenutzter Wohnraum. Diese Ausnahmen werden vom Bundesverfassungsgericht aber nicht infrage gestellt.

Diese Steuersätze werden im Erbfall fällig

  • Erbe und Schenkungen bis zu 75.000 Euro

    Steuerklasse I: 7 Prozent

    Steuerklasse II: 15 Prozent

    Steuerklasse III: 30 Prozent

    Steuerklasse: Je nach Verwandtschaftsgrad

    Quelle: Erbschaftsteuergesetz

  • Erbe und Schenkungen bis zu 300.000 Euro

    Steuerklasse I: 11 Prozent

    Steuerklasse II: 20 Prozent

    Steuerklasse III: 30 Prozent

  • Erbe und Schenkungen bis zu 600.000 Euro

    Steuerklasse I: 15 Prozent

    Steuerklasse II: 25 Prozent

    Steuerklasse III: 30 Prozent

  • Erbe und Schenkungen bis zu 6.000.000 Euro

    Steuerklasse I: 19 Prozent

    Steuerklasse II: 30 Prozent

    Steuerklasse III: 30 Prozent

  • Erbe und Schenkungen bis zu 13.000.000 Euro

    Steuerklasse I: 23 Prozent

    Steuerklasse II: 35 Prozent

    Steuerklasse III: 50 Prozent

  • Erbe und Schenkungen bis zu 26.000.000 Euro

    Steuerklasse I: 27 Prozent

    Steuerklasse II: 40 Prozent

    Steuerklasse III: 50 Prozent

  • Erbe und Schenkungen über 26.000.000 Euro

    Steuerklasse I: 30 Prozent

    Steuerklasse II: 43 Prozent

    Steuerklasse III: 50 Prozent

Welche Ausnahmen gibt es für Unternehmer?

Vor dem Bundesverfassungsgericht wurden in den vergangenen Monaten die Ausnahmen für Betriebsvermögen geprüft, nachdem diese zuvor vom Bundesfinanzhof gerügt worden waren. Denn für Unternehmen gibt es deutlich weitreichendere Ausnahmen als für Privatleute. Ihnen stehen grundsätzlich zwei Befreiungsvarianten offen. Wenn sie nach dem Erbanfall über fünf Jahre die Zahl der Beschäftigten im Betrieb um höchstens 20 Prozent verringern und zudem das Unternehmen nicht verkaufen, müssen sie nur auf 15 Prozent des Unternehmenswertes Steuern zahlen. Für Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern gilt Art der Befreiung ohne Auflagen. Wenn Unternehmer ihren Betrieb sieben Jahre lang nicht verkaufen und die Zahl der Mitarbeiter dabei sogar konstant halten, entfällt die Erbschaftsteuer ganz.

Fünf goldene Regeln fürs Vererben

  • Nachlass sofort prüfen

    Auch wenn es traurig ist, drängt die Zeit: Die Erben sollten den Nachlass rasch prüfen, denn nach Bekanntwerden des Erbfalls bleiben nur sechs Wochen Zeit. Innerhalb dieser Frist müssen Erben entscheiden, ob sie das Erbe antreten oder ausschlagen. Da gilt es, vorsichtig zu sein, denn im Erbrecht gilt der Grundsatz, dass nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden vererbt werden. Möchte man zum Beispiel ein überschuldetes Erbe ablehnen, muss man dies dem Nachlassgericht erklären.

    Quelle: Postbank

  • Bestattungskosten absetzen

    Traueranzeige, Grabstätte und Sterbeurkunde gehen ins Geld. "Ist das Erbe geringer als die Kosten für die Beerdigung, können diese als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden", erklärt Anja Maultzsch von der Postbank. "Das Finanzamt erkennt Beerdigungskosten bis zu einer angemessenen Höhe von 7.500 Euro an."

  • Erbengemeinschaft: Tipps zur "Auseinandersetzung"

    Zwei oder mehr Erben bilden die sogenannte Erbengemeinschaft. Unter ihren Mitgliedern muss der Nachlass gemäß der jeweiligen Erbquote aufgeteilt werden. Da die Gemeinschaft das Erbe gemeinsam verwaltet und nur gemeinsam über sämtliche Nachlassgegenstände bestimmen kann, birgt dies eine Menge Konfliktpotenzial. Es sollte deshalb möglichst zügig zur Aufteilung des Erbes kommen. Der Fachbegriff hierfür lautet "Auseinandersetzung". "Die Auseinandersetzung sollte schriftlich fixiert und von allen Miterben unterschrieben werden", empfiehlt die Postbank Expertin. "Hier kann zum Beispiel vereinbart werden, dass ein Erbe den gesamten Nachlass erhält und er dafür den anderen Erbberechtigten eine Abfindung zahlt. Handelt es sich bei dem Erbe um ein Grundstück oder GmbH-Anteile, muss der Vertrag notariell beglaubigt werden."

  • Ohne Erbschein geht nichts

    Ein Erbschein wird beim Nachlassgericht beantragt. Er weist einen Erben offiziell als solchen aus und beurkundet sein Recht am Nachlass. Benötigt wird er unter anderem gegenüber Behörden, Grundbuchämtern und Banken. Nur wenn der Erblasser zu Lebzeiten eine Bankvollmacht ausgestellt hat, können die Erben nach seinem Tod ohne Erbschein auf Bankkonten und Sparbücher zugreifen. Dies kann Zeit und Geld sparen, denn der Erbschein ist gebührenpflichtig. Maßgeblich für die Höhe der Kosten ist der Wert des Erbes.

  • Achtung - sonst geht ein unverheirateter Lebenspartner leer aus

    Liegt nach dem Tod des Partners kein Testament oder Erbvertrag vor, greift die gesetzliche Erbfolge. Es erbt, wer im verwandtschaftlichen Verhältnis am nächsten zum Erblasser steht. Unverheiratete stehen im schlimmsten Fall am Ende mit leeren Händen da. Um dies zu verhindern, ist ein Erbvertrag sinnvoll, in dem zum Beispiel der jeweils andere den Partner zum Alleinerben einsetzt. Ein gemeinsames Testament können Unverheiratete aber nicht aufsetzen. Achtung: Bei einer Trennung des Paares wird der Erbvertrag nicht automatisch unwirksam.

Welche Kritik gibt es an der aktuellen Regelung?

Der wichtigste Kritikpunkt ergibt sich aus dem Konflikt mit dem Gleichheitsgrundsatz. Denn die Befreiungsregeln für Unternehmen stellen diese gegenüber allen anderen Bürgern deutlich besser. Zwar gibt es für diese Besserstellung einen gesellschaftlichen Zweck, nämlich den Bestand von Arbeitsplätzen zu sichern. Nach der Ansicht des Bundesfinanzhofs ließe sich dieser jedoch auch mit einer weit weniger weitreichenden Befreiung erreichen.

Kritisiert wird insbesondere, dass Unternehmer in das steuerfreie Vermögen bis zu 50 Prozent „nicht betriebsnotwendiges“ Vermögen, also zum Beispiel Immobilien oder Kunstgegenstände einbringen dürfen. Dadurch führt die Steuerbefreiung für das Betriebsvermögen de facto in vielen Fällen auch zu einer Steuerminderung auf die Privatvermögen der Unternehmer.

Da für Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern der Zwang zum Arbeitsplatzerhalt nicht gilt, wird das angestrebte Ziel aus Sicht des Bundesfinanzhofs zudem mit der aktuellen Regelung gar nicht erreicht. Schließlich liegen mehr als 90 Prozent aller Betriebe unter dieser Grenze.

Die Klausel bietet zudem allen größeren Unternehmen ein Einfallstor, um über Betriebsaufspaltungen die Auflagen des Gesetzes zu umgehen. In der ersten Anhörung im Sommer hat das Bundesverfassungsgericht ähnliche Zweifel anklingen lassen.

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