Europäischer Gerichtshof: Jetzt gibt es Geld vom Apotheker

Urteil des Europäischen Gerichtshofes: Jetzt gibt es Geld vom Apotheker

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DocMorris darf Kunden Boni für rezeptpflichtige Medikamente anbieten

von Jürgen Salz

Branchenschreck DocMorris ist zurück. Die holländische Versandapotheke hat vor Gericht durchgesetzt, dass sie ihren Kunden ab sofort Boni auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren  darf. Nun wollen auch deutsche Apotheker den Patienten Geld zahlen.

Lange war es ruhig um DocMorris. Die holländische Versandapotheke, die einst mit niedrigen Preisen für rezeptfreie Präparate nahezu die gesamte Apothekerschar gegen sich aufgebrachte, hatte in den vergangenen Jahren an Biss verloren. Der charismatische Gründer Ralf Däinghaus zog sich zurück; die stationären DocMorris-Apothekenfilialen schlossen nach und nach wieder.

Doch jetzt ist dem holländischen Pillen-Versender wieder ein großer Coup gelungen: Doc Morris setzte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) durch, ihren Kunden einen Bonus auf rezeptpflichtige Medikamente zahlen zu dürfen. Der Rechtsstreit, der sich bereits seit Jahren hinzieht, ist nun entschieden. Für DocMorris geht es dabei um einen Bonus  von bis zu 12 Euro pro Rezept. Das Urteil gilt zwar nur für ausländische Versandapotheken. Doch auch innerhalb von Deutschland dürfen nun die Kunden auf Geld vom Apotheker hoffen. Viele Pharmazeuten wollen die „Inländerdiskriminierung“ nicht hinnehmen und wollen die bestehende Rechtslage umgehen. Möglicherweise lässt sich das Boni-Verbot in Deutschland auch nicht mehr lange halten.

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Apotheken wollen Kunden Boni zahlen

DocMorris-Chef Olaf Heinrich rechnet bereits vor, wieviel die Patienten künftig sparen können: „Chronisch kranke Menschen mit einem hohen und regelmäßigen Medikamentenbedarf werden so jährlich um mehrere hundert Euro entlastet. Der Patient spart, das Gesundheitssystem wird nicht belastet.“ DocMorris geht von mit steigenden Umsätzen aus.

Besonders die Preise sind im Internet deutlich günstiger als im Geschäft. Doch dauert es in der Regel eine Weile bis die Medikamente aus dem Online-Shop tatsächlich Zuhause ankommen. Es gibt also Vor- und Nachteile.

Das will die Konkurrenz in Deutschland natürlich nicht hinnehmen.  Laut Aposcope, dem Apothekenpanel des Branchendienstes Apotheke Adhoc, will jeder vierte Pharmazeut in Deutschland auf das Urteil reagieren. Einige Apotheker haben bereits angekündigt, künftig auch Boni zahlen zu wollen. Jede Apotheke müsse für sich entscheiden, ob sie die „schmerzhaften Schläge“ der Aufsichtsbehörden aushalten oder sich von den Versendern Umsatz wegnehmen lassen möchte, sagt Morton Douglas, Rechtsanwalt der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen.

Auch die inländischen Versandapotheken trommeln bereits gegen die deutschen Bestimmungen. „Nach diesem Urteil muss der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten“; sagt Christian Buse, Vorsitzender des Branchenverbandes BVDVA, „es kann nicht sein, dass es nach dem EuGH-Urteil zu einer Inländerdiskriminierung kommt. Warum sollten deutsche (Versand-)Apotheken etwas nicht dürfen, was Versender aus andern europäischen Ländern dürfen?“ Seinen Verbandsmitgliedern bietet Buse bereits eine entsprechende Rechtsberatung an.

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Apotheken sollen Verbot des Versandhandels

Verärgert äußerte sich bislang lediglich der Apothekerverband ABDA. „Europas höchste Richter haben den eindeutigen Willen des deutschen Gesetzgebers ausgehebelt und die Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte negiert", sagte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA. „Damit hat der EuGH in ein Politikfeld eingegriffen, das gemäß den Europäischen Verträgen den Mitgliedstaaten vorbehalten ist.“ Wie in alten Zeiten wettern die Apotheker gegen DocMorris. Die Gegner fürchten bereits Preiskämpfe bei wichtigen Medikamenten – schließlich seien Arzneimittel keine Ware wie jede andere. Schmidt forderte die Bundesregierung auf, ihren Handlungsspielraum wiederherzustellen: „Eine denkbare Lösung wäre ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland.“ Den klassischen Apothekern ist die zunehmende Macht des Versandhandels ohnehin ein Dorn im Auge.

DocMorris-Chef Olaf Heinrich gab sich davon in einer Telefonkonferenz erst einmal unbeeindruckt. „Wir werden den Bonus ab heute anbieten“, kündigt er an. Die Patienten erhalten bis zu zwölf Euro pro Rezept – in bar oder als Gutschein. Möglich erscheint auch eine Zusammenarbeit zwischen DocMorris und den Krankenkassen. „Die gesetzlichen Krankenversicherungen und wir sind uns einig, dass die Regelung für Patienten von Vorteil ist“, so Heinrich. Dann wurde der DocMorris-Chef noch ein wenig pathetisch: „Dies ist ein großer Tag. Europa hat gezeigt, dass es den Verbrauchern auch Vorteile bringt.“

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