US-System: Unternehmenssteuer in Amerika niedriger als gedacht

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US-System: Unternehmenssteuer in Amerika niedriger als gedacht

von Andreas Toller

35 Prozent vom Gewinn zahlen US-Unternehmen laut Gesetz an Steuern. Die Unternehmen schimpfen seit Jahren über Wettbewerbsnachteile. Unfug, sagt ein namhafter Experte. Die Unternehmen wollen das so.

Ende Juli schreckte ein Meldung der US-Börsenaufsicht Amazon-Aktionäre auf: Dem Online-Händler drohen hohe Steuernachzahlungen. Konkret hieß es in der Mitteilung, dass die französische Steuerbehörde für die Kalenderjahre 2006 bis 2010 rund 186 Millionen Euro inklusive Zinsen und Strafgebühren zur Begleichung der Steuerschuld verlangt. Erst dann wäre der Streit um die Verrechnung der Amazon-Gewinne in verschiedenen Ländern beendet. "Wir widersprechen diesem Bescheid und beabsichtigen, ihn energisch anzufechten", kündigte Amazon in der Börsenmitteilung an. Darin hieß es weiter: Auch Deutschland, Großbritannien, China, Japan und Indien könnten Steuernachzahlungen fordern.

Seit langem wird Amazon und anderen international agierenden Konzernen wie Apple oder Starbucks vorgeworfen, ihre Niederlassungen im Ausland zu nutzen, um ihre Steuerlast im Heimatland drastisch zu senken. So soll Amazon seine Gewinne nach Luxemburg verlagert haben, weil dort deutlich niedrigere Unternehmenssteuern zu zahlen sind. Die EU-Kommission ermittelt und will die kreative Steuerpraxis der Konzerne eindämmen. Zuletzt bedienten sich US-Konzerne immer öfter einem Trick: Sie kauften einen europäischen Konkurrenten und verlagerten ihren Sitz in Länder wie Irland oder Großbritannien, um von den dort niedrigeren Steuersätzen zu profitieren.

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Diese Praxis ist nicht illegal, sondern nur ungerecht. Denn kleinere, auf ihren Heimatmarkt beschränkte Unternehmen haben nicht die Möglichkeiten einer Gewinnverlagerung ins Ausland. Die Länder mit den niedrigen Steuersätzen freuen sich über Steuereinnahmen, die ihnen im Grunde gar nicht zustehen, die Heimatländer sehen sich um wichtige, ihnen eigentlich zustehende Staatseinnahmen gebracht.

Dennoch ist diese Form der Steuervermeidung gerade unter großen US-Konzernen beliebt. Das Argument: Die Unternehmenssteuern in den USA seien besonders hoch und würden die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz aus anderen Ländern entscheidend schwächen.

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Falsch, sagt nun ein renommierter Steuerexperte der University of South California. Edward D. Kleinbard ist Professor und war früher leitender Mitarbeiter des gemeinsamen Steuerausschusses des Kongresses. Er weist die Forderung der Unternehmen nach einer Reform der Unternehmensbesteuerung energisch zurück.

In einem Aufsatz, aus dem die New York Times berichtet , schreibt er, angesichts der Steuerlast der erfahrenen multinationalen US-Unternehmen würde ausländische Wettbewerber vor Neid erblassen. „Den Rufen der Unternehmensfürsprecher zum Trotz hat die internationale Wettbewerbsfähigkeit nichts mit den Gründen für diese Steuergeschäfte zu tun“, so Kleinbard.

Nominell haben die USA mit 35 Prozent den höchsten Unternehmenssteuersatz in der entwickelten Welt. Länder wie Irland bieten hingegen einen Steuersatz von 12,5 Prozent, Großbritannien 21 Prozent und die Niederlande 25 Prozent. Der Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung (OECD) zufolge liegt der Durchschnitt bei 24,1 Prozent.

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