
Wenn man den zahlreichen Auszeichnungen glauben mag, dürften sich die Kunden der deutschen Banken nicht beschweren. Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW unter 15 Banken zeigt: Kaum ein Institut wirbt nicht mit einem Gütesiegel, wie „Testsieger“, als „fairste Bank“ oder schlicht als „beste Bank der Welt“.
Nicht immer scheinen die Leistungen aber so gut, wie die Testate sie erscheinen lassen. Die Kundenvertreter fanden „hinter vielen der in die Hunderte gehenden Auszeichnungen und Testerfolge irritierende Merkwürdigkeiten, bis hin zur Irreführung“.
Als Beispiel führen die Verbraucherschützer die Reklame zweier Institute für kostenlose Girokonten auf der Internetseite von T-Online an. Die Comdirect warb mit dem Titel „Deutschlands beste Bank, Gesamtsieger 2012“ der Zeitschrift Euro. Die Norisbank schmückte sich mit dem Siegel „Top-Online-Girokonto 2011“ der Zeitschrift Focus Money. „Für beide Girokonten-Verkäufer hat es aber nicht mal zum vierten Platz in der Kategorie "Girokonto" gereicht“, schreiben die Verbraucherschützer.
Die Siegelei ist für viele Testinstitute und Zeitschriften ein gutes Geschäft. Banken geben Beträge im vier- bis fünfstelligem Eurobereich aus, um mit Gütesiegeln werben zu dürfen. Dementsprechend viele Siegel fanden die Verbraucherzentralen, einzelne Institute schmücken sich mit bis zu 56 Auszeichnungen. Allein die Zeitschrift Focus Money soll nach Angaben der VZ NRW beim City Contest 2012 insgesamt 260 Geldinstitute zu Siegern gekürt haben. Die Kreativität bei den Auszeichnungen scheint grenzenlos: „ausgezeichnete Mitarbeiterkommunikation" (Commerzbank) oder „herausragendes Filialdesign“ (Deutsche Bank), der „beste Online-Pressebereich“ (Postbank) oder die „ausgezeichnete Computerisierung“ (Santander Consumer Bank) werden gepriesen. Der Bundesverband deutscher Banken möchte die Untersuchung nicht kommentieren. Auch das Handelsblatt vergibt Gütesiegel, allerdings nach strengen Qualitätskriterien.
Bild: dpaDie Finanzkrise hat das Vertrauen der Finanzanleger negativ beeinflusst. Zu diesem kommt die aktuelle Studie der Nürnberger Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden. Deren deutliche Mehrheit ist inzwischen der Meinung, sich eigenständig über Geldanlagen informieren zu müssen.
Bild: dpa-tmn74 Prozent der Befragten geben an, dass man bei reinem Vertrauen in den Berater ohne eigene zusätzliche Information „selbst Schuld“ bei Verlusten sei. Dies sehen speziell Männer, Ältere und Besserverdienende so.
Bild: FotoliaNur noch 17 Prozent der Befragten vertrauen einzig und allein den Empfehlungen des Beraters. Die deutliche Mehrheit informiert sich zunehmend selbst.
Bild: picture-allianceAuch bei der Frage, welchen Informationsquellen die Bankkunden vertrauen, kommt die Studie zu einem ernüchterndem Ergebnis: Eigentlich keiner so richtig. Aber: „Die persönliche Beratung bei unabhängigen Stellen, wie etwa der Verbraucherberatung, werden von heutigen Kunden noch am ehesten als vertrauenswürdig angesehen,“ fasst Dr. Konrad Weßner, Puls-Geschäftsführer, zusammen.
Bild: dpaGerade mal 17 Prozent der Befragten vertrauen dem persönlichen Berater, 15 Prozent unabhängigen Institutionen.
Bild: dpaDie Weiten des Internets taugen bei der Mehrheit auch nicht für Anlagetipps, sondern als reine Informationsplattform wie etwa zu Aktienkursen.
Bild: dpaDas Beratungsprotokoll findet bei Anlegern mehr Anklang als vermutet: 95 Prozent derjenigen, die ein Protokoll erhalten haben, lesen es durch. Die Hälfte von ihnen ausführlich, die anderen überfliegen es zumindest.
Bild: FotoliaAußerdem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen Beratungsprotokolle ausführlicher studieren als Männer. Am genausten schauen die Über-60-Jährigen hin.
Bild: dapdAuf die Frage, ob ihre Bank kunden- oder provisionsorientiert berate, wurden alle 15 betrachteten Anbieter als eher provisionsorientiert bewertet.
Bild: dpaMarktforscher Weßner erklärt diese Kritik: „Das Image der Banken seit der Finanzkrise ist erschüttert. Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, scheint eine Herkulesaufgabe. Doch wer die meistert, hat eine Riesenchance". Aktuell würden sich Kunden zunehmend selbst informieren. "Aber das birgt auch Gefahren, denn der Finanzsektor ist zu kompliziert, um ihn selbst komplett zu verstehen.“
Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Finanzanleger negativ beeinflusst. Zu diesem kommt die aktuelle Studie der Nürnberger Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden. Deren deutliche Mehrheit ist inzwischen der Meinung, sich eigenständig über Geldanlagen informieren zu müssen.
Die Verbraucherzentralen kritisieren verzerrende Werbung mit Testaten. Laut VZ-NRW soll etwa die Hanseatic Bank mit der Schulnote „1,9“ für ihr Tagesgeldkonto geworben haben, im Vergleich aber nur den elften Platz erreicht haben. Das „Top“-Siegel für einen Gehaltskonto-Check 2011 der Postbank soll einem siebten Platz entsprochen haben.
Laut der Untersuchung soll fast jedes zweite der beworbenen Siegel aus dem Jahr 2010 oder davor stammen. In diesem Zusammenhang mahnten die Verbraucherschützer die Volkswagenbank ab. Das Focus Money-Siegel „Beste Festgeld Bank (Anlagedauer 3 Monate)“ unter den aktuellen Konditionen soll aus dem Jahre 2007 stammen. „Irreführend“, befanden die Verbraucherschützer, weil eine Zeitangabe sowie eine Angabe des Zinses in Höhe von 0,6 Prozent fehlte. Eine Stellungnahme der Volkswagenbank steht noch aus.
Weitere Beispiele: Die Commerzbank warb mit der Auszeichnung „Beste Bank 2011“, die eigentlich an die Direkttochter Comdirect ging. Die Mönchengladbacher Santander Consumer Bank bildete warb mit einem „Beste-Bank-der-Welt“-Siegel, mit dem die spanische Mutter Banco Santander ausgezeichnet wurde.
Das Testat der Verbraucherschützer für die Werbepraxis der Banken fällt weniger euphorisch aus: „Tricky wie überflüssig, auf diese Weise wird der Schmuck für die Kundschaft zur verwirrenden Plage - in fast biblischem Ausmaß“.























