Verfügbares Einkommen: Was 2011 netto übrig bleibt

Verfügbares Einkommen: Was 2011 netto übrig bleibt

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Einkommensteuererklärung

von Bert Losse

Die Abgabenlast der Bundesbürger nimmt 2011 wieder zu. Was sich bei Steuern, Beiträgen und Gebühren jetzt alles ändert und wieviel Singles, Familien und Doppelverdienern tatsächlich unter dem Strich bleibt.

Am 4. Juli 2010 um exakt 7.48 Uhr war es so weit: Von diesem Zeitpunkt des Jahres an arbeiteten die Deutschen allein für ihr eigenes Portemonnaie. Zuvor hatten sie rein rechnerisch ihr komplettes Einkommen an Staat und Sozialkassen abführen müssen, errechnete der Bund der Steuerzahler (BdSt). Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr lag der „Steuerzahlergedenktag“ dank diverser Entlastungen 2010 einige Tage früher.

Ein Erfolg von kurzer Dauer, wie sich jetzt zeigt. 2011 schiebt sich der Gedenktag im Kalender schon wieder nach hinten. „Unter dem Strich nimmt die Abgabenlast in diesem Jahr leicht zu“, sagt BdSt-Ökonom Volker Stern. Wie in den Vorjahren hat Stern für die WirtschaftsWoche anhand von drei Musterhaushalten errechnet, wie sich die Neuerungen im Steuer- und Abgabenrecht, die am 1. Januar in Kraft treten, auf das verfügbare Einkommen auswirken. Dabei berücksichtigte Stern nicht nur direkte Steuern und Sozialabgaben, sondern auch die gezahlte Mehrwertsteuer auf Konsumprodukte, spezielle Verbrauchsteuern (auf Benzin, Zigaretten, Strom und Heizöl) sowie Kommunalabgaben, etwa für Abwasser und Müllabfuhr. Zugrunde gelegt wurden dabei haushaltstypische Verbrauchs- und Konsummengen.

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Das Resultat: Inklusive der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die methodisch den individuellen Lohnkosten zugerechnet werden, überweist ein Doppelverdiener-Ehepaar aus Köln (zwei Kinder, Eigenheim) in diesem Jahr 56,8 Prozent an Staat und Sozialkassen, das sind 0,1 Punkte mehr als im Vorjahr. Bei einem Dresdner Alleinverdiener-Ehepaar (zwei Kinder) steigt die Quote um 0,2 Punkte auf 46,8 Prozent. Ein Singlehaushalt in Göttingen ist mit 61,1 Prozent des Bruttolohns dabei (Vorjahr: 61,0 Prozent). Dies sei „weit über dem, was in den meisten anderen OECD-Ländern für vergleichbare Haushalte üblich ist“, kritisiert Stern.

Die Änderungen im Überblick

Und dies sind die wichtigsten Änderungen im Steuer- und Abgabenrecht 2011:

  Der Beitragssatz in der Arbeitslosenversicherung steigt von 2,8 auf 3,0 Prozent.  Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen klettert um 0,6 Punkte auf 15,5 Prozent. Davon übernehmen die Arbeitgeber 7,3 Prozent, die Arbeitnehmer tragen 8,2 Prozent. Obwohl der Anstieg dem Gesundheitsfonds, der das Geld an die Kassen verteilt, rund sechs Milliarden Euro mehr bringt, verlangen viele Assekuranzen weiterhin Zusatzbeiträge von ihren Kunden. Von den 70 Millionen gesetzlich Versicherten müssen rund zehn Millionen einen Extra-Obolus zahlen, schätzen Branchenkenner.  Verschiebungen gibt es 2011 auch bei der Beitragsbemessungsgrenze. Dies ist der Maximalbetrag des Bruttoeinkommens, bis zu dem Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung verharrt die Bemessungsgrenze im Westen bei 5500 Euro. In den neuen Ländern steigt sie um 150 Euro auf 4800 Euro im Monat. Dies trifft vor allem ostdeutsche Besserverdiener, die aufs Jahr gerechnet rund 200 Euro mehr in die Rentenkasse zahlen müssen. In der Kranken- und Pflegeversicherung hingegen sinkt das versicherungspflichtige Einkommen von 3750 Euro auf 3712,50 Euro – in Ost und West.  Die steuerliche Abzugsfähigkeit bestimmter Ausgaben zur Altersvorsorge steigt um zwei Prozentpunkte auf 72 Prozent. Davon erfasst sind unter anderem Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, an berufsständische Versorgungseinrichtungen oder „Rürup-Verträge“.  Wer mehr als 250.000 Euro versteuert (Verheiratete/Paare: 500.000 Euro), erhält bei Geburt eines Kindes kein Elterngeld mehr. Ab einem Nettoeinkommen von 1200 Euro sinkt das Elterngeld von 67 auf 65 Prozent des letzten Einkommens.  Die Tabaksteuer steigt ab Mai um vier bis acht Cent je Packung. Mehreinnahmen für den Fiskus: rund 200 Millionen Euro.

Kommunen langen zu

Auch für Dienstleistungen der Kommunen müssen viele Bürger 2011 tiefer in die Tasche greifen. Zwar nehmen die Städte und Gemeinden dank des Aufschwungs wieder mehr ein, etwa über die Gewerbesteuer. Allerdings schießen gleichzeitig die Sozialausgaben weiter in die Höhe; das Finanzierungsdefizit der Kommunen lag 2010 vor allem deshalb bei elf Milliarden Euro. Angesichts der Finanznot erfinden einige Kämmerer nicht nur neue Steuern (WirtschaftsWoche 39/2010). Quer durch die Republik steigen auch die Eintrittsgelder für Schwimmbäder, Theater und Museen, die Friedhofsgebühren und Elternbeiträge in Kindertagesstätten. Manche Städte erhöhen die Gewerbesteuerhebesätze, andere langen bei der Grundsteuer zu. Gleichzeitig schrauben viele kommunale und private Energieversorger die Strompreise weiter nach oben.

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