Verkehrsregeln: Tempo 30 in der Stadt, jetzt!

KommentarVerkehrsregeln: Tempo 30 in der Stadt, jetzt!

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In Zukunft könnten Bordcomputer das Tempolimit von Autofahrern überwachen.

von Mark Fehr

Straßenverkehr mit null Toten ist theoretisch möglich. Erstrebenswert ist er allemal. Ein strenges Tempolimit in den Städten, digital überwacht, wäre ein Anfang.

Der Bundestag hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Computern erlaubt, Autos zu steuern – zunächst nur als Assistent des Fahrers. Der Traum vom bequemen und hoffentlich sicheren Fahren rückt scheinbar immer näher, der technische Fortschritt und die Digitalisierung könnten diese Vision vielleicht sogar irgendwann möglich machen: Unbestechliche Algorithmen und vernetzte Fahrzeuge sorgen in der Zukunft für einen nüchternen Fahrstil, bei dem es sehr viel seltener kracht als mit gestressten und frustrierten Menschen am Steuer.

Bis dieser Traum wahr wird, dauert es aber noch. So lange sitzen ganz normale Leute am Steuer, die ihren täglichen Termindruck im Rücken haben, ungeduldig und unaufmerksam sind und vor allem – leider – viel, viel zu schnell fahren. Überhöhte und unangepasste Geschwindigkeit ist nicht nur der Hauptgrund für viele Unfälle, die Raserei verschlimmert zudem die katastrophalen Folgen jedes Aufpralls. Die Wucht wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit. Das heißt: Verdoppelt sich der Tachostand, vervierfacht sich die Energie, oder so ähnlich. Das weiß fast jeder, aber fast alle vergessen die Gesetze der Physik, sobald sie ein Lenkrad in der Hand halten.

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Rücksichtsloses Fahren vernichtet Lebensqualität. Wer zu Fuß ins Büro unterwegs ist oder seine Einkäufe erledigt, ist Freiwild für die Autofahrer. Keiner will das, keiner findet das gut, trotzdem verschwindet unser Verantwortungsbewusstsein, sobald wir uns gegen andere durchsetzen wollen und uns wahlweise benachteiligt oder im Recht fühlen. Und das ist im Straßenverkehr leider dauernd der Fall.

Mehr Tempo-30-Zonen Dobrindt will weniger Tempo vor Schulen und Kitas

Die Bundesregierung will 30er-Zonen deshalb auch jenseits der Wohngebiete leichter ermöglichen - ohne negative Effekte beim Durchgangsverkehr. Eine entsprechende Verordnung wird heute im Kabinett diskutiert.

Ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht Schulkinder" und ein Verkehrszeichen "Beginn einer Tempo-30-Zone". Quelle: dpa

Die groteske Folge: Wer sich ans Tempolimit hält, wird zum belächelten Einzelfall und tut der Verkehrssicherheit zuweilen keinen Gefallen, weil er die gewohnheitsrechtlich Schnelleren ungewollt zu gefährlichen Überholmanövern anstachelt. Wegen dieses Verhaltens bergen isolierte Tempo-30-Zonen vor Bushaltestellen oder Schulen tatsächlich eine Gefahr, wie Autolobbyisten immer wieder vorbringen.

Helfen können nur flächendeckend strenge Geschwindigkeitsregeln, an die sich alle halten. Tempo 30 überall in den Städten und Ortschaften wäre ein Anfang. Tempo 120 auf der Autobahn, strikt? Meinetwegen.

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