_

Vermögen: Die Schweiz schlägt im Steuerstreit zurück

von Daniel Schönwitz

Weil der Schwarzgeld-Zufluss versiegt, buhlt der Alpenstaat jetzt massiv um legales Kapital - mit Steuersenkungen für Unternehmen, Spezialofferten für reiche Zuwanderer und einem umstrittenen Werbefeldzug.

Die Schweiz hat ihr Bankgeheimnis eingebüßt Quelle: PXW - fotolia.com
Die Schweiz hat ihr Bankgeheimnis eingebüßt Quelle: PXW - fotolia.com

Ausländische Anleger verlassen die Schweiz in Scharen: Allein bei Filialen der Großbank UBS haben Privatkunden im dritten Quartal fast vier Milliarden Franken abgezogen – eine der Hauptursachen für den katastrophalen Quartalsverlust von 564 Millionen Franken, den die UBS vor wenigen Tagen verkündete. Laut einer aktuellen Studie der Universität St. Gallen und der Beratungsgesellschaft KPMG drohen Schweizer Privatbanken insgesamt Abflüsse von bis zu 25 Prozent des verwalteten Vermögens.

Anzeige

Aggressives Standortmarketing

Das Problem: Rund 80 Prozent des von Ausländern angelegten Vermögens ist Schwarzgeld. Und bei den Besitzern wächst derzeit die Angst vor der Steuerfahndung, weil der Alpenstaat sein Bankgeheimnis preisgegeben hat und von 2010 an enger mit ausländischen Finanzbehörden zusammenarbeitet. So steht es in neuen Abkommen, die die Schweiz etwa mit Frankreich, Großbritannien und den USA geschlossen hat. Verhandlungen mit Deutschland laufen derzeit und sollen noch 2009 abgeschlossen sein.

Wegen des massiven Schwarzgeld-Abflusses arbeiten die Eidgenossen derzeit mit Hochdruck daran, mehr legales Kapital ins Land zu holen. Die eidgenössische Behörde Osec, verantwortlich für Exportförderung und Standortmarketing, hat dazu einen Werbefeldzug in Deutschland gestartet. In mehreren Großstädten veranstaltet sie derzeit Seminare für deutsche Unternehmer – und scheut dabei weder Kosten noch Mühen. In München erschienen Ende Oktober renommierte Steuerexperten sowie Vertreter von fast allen 26 Kantonen, die in Vorträgen und vertraulichen Einzelgesprächen niedrige Steuern, unbürokratische Behörden und eine Rundum-Betreuung ausländischer Investoren anpriesen.

Lockmittel Niedrigsteuern

Gerade mit steuerlichen Argumenten können die Schweizer punkten: Unternehmen zahlen dort selten mehr als 20 Prozent, in einigen Kantonen ist es sogar deutlich günstiger. Und das Steuerkarussell dreht sich weiter nach unten: Laut „Taxation Index 2009“ des Instituts BAK Basel Economics hat seit 2008 in den Kantonen Schaffhausen, Nidwalden, St. Gallen, Basel, Appenzell, Schwyz und Luzern „nennenswerte Steuersenkungen“ für Unternehmen gegeben.

Wie viel Steuern Unternehmen in den günstigsten Kantonen zahlen, wie die Schweiz um reiche Zuwanderer wirbt, was die Unternehmer auf dem Münchner Seminar erfuhren und warum die deutschen Finanzbehörden den Werbefeldzug misstrauisch beobachten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der WirtschaftsWoche (Ausgabe 46/2009).

20 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.11.2009, 14:17 UhrAnonymer Benutzer: Mr Max

    Gemäss einer Studie von boston Consultancy aus dem WSJ vom 9. November 2009 verwaltet die Schweiz $1.8 billiarden, bzw 28% des weltweiten offshore-Vermögens. Offshore ist aber nicht immer automatisch mit Schwarzeld bzw. nicht-deklariertem Vermögen gleichzustellen, da viele investoren den Standort Schweiz schätzen, aber zu Hause dennoch Steuern zahlen.

    Die tiefen Schweiz Steuern sind insbesondere auch deswegen relativ noch interessanter geworden, da viele EU Staaten wie Grossbritannien oder irland ihre Steuern erhöht haben, während das Potential für Steuersenkungen in Deutschland leider eher bescheiden ist.

  • 11.11.2009, 18:29 UhrAnonymer Benutzer: Mr Max

    Herr Schoenwitz, belegen kann ich das natuerlich auch nicht. Aber machen wir mal die Rechnung: als ehemaliger bankmitarbeiter weiss ich, dass doch ein gewisser Teil der Auslandskunden ihr Geld versteuert. Dann betreuen die banken Schweizer Kunden, die sicherlich kein Schwarzgeld in ihrem Heimatland haben. Der Zufluss aus Osteuropa, Asien und dem Nahen Osten kommt wegen der Sicherheit, denn im Nahen Osten und HongKong zahlt man gar keine Steuern, waehrend fuer Osteuropaer die Steuersaetze in ihrer Heimat sogar tiefer waehren als in der Schweiz. Und fuer die Amerikaner ist die Schweiz nicht so wichtig, viel mehr die Karibik. Dann noch die ganzen Fond und Pensionskassenvermoegen, die sicher nicht schwarz sind. dann koennen es kaum 80 prozent sein. Ausserdem sammelt die Schweiz sehr viel Quellensteuer fuer die auslaendischen Staaten auf nicht deklarierten Vermoegen ein. Damit liesse sich der Anteil von Schwarzgeld hochrechnen. Der Standort Schweiz hat auch andere Aspekte, denn sonst waeren die Zufluesse im ersten Semester jawohl kaum gestiegen. Und die Kampagnen zur Abwerbung deutscher Firmen sind alter Kaffee. Theo Mueller ist ja schon vor einiger Jahren an den Zuerichsee gezogen, nach erfolgreicher Abwerbung...

  • 11.11.2009, 10:29 UhrAnonymer Benutzer: Daniel Schönwitz

    @ Mr. Max

    Die Schätzung stammt aus einer aktuellen Studie der Universität St. Gallen in Kooperation mit KPMG und deckt sich mit anderen seriösen Schätzungen aus der Vergangenheit. Aber wenn Sie ihre behauptung belegen können, dass der Schwarzgeld-Anteil deutlich niedriger ist - sehr gerne!

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.