Vontobel und der frühere Bayern-Präsident: Hoeneß-Banker auf der Flucht

Vontobel und der frühere Bayern-Präsident: Hoeneß-Banker auf der Flucht

, aktualisiert 25. November 2014, 12:26 Uhr
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Uli Hoeneß und Vontobel: Die Beziehungen zwischen dem früheren Bayern-Präsidenten und der Schweizer Privatbank könnten neu aufgerollt werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Jürg H. war in Polen festgenommen worden, weil er Uli Hoeneß bei der Steuerhinterziehung geholfen haben soll. Jetzt sei dem Schweizer Banker eine „abenteuerliche“ Flucht geglückt. In der Heimat wird er dafür gefeiert.

Zürich/DüsseldorfEin Banker auf der Flucht: Jürg. H, einer der Direktoren der Schweizer Privatbank Vontobel, soll vor der deutschen Justiz geflohen sein. Erst Ende Oktober war H. im Zusammenhang mit dem Steuerprozess gegen Uli Hoeneß, dem früheren Präsidenten des FC Bayern München, in Warschau festgenommen worden. Nun berichten Schweizer Medien, der Banker habe sich aus Polen abgesetzt. Ein Sprecher der Bank Vontobel in Zürich bestätigte, dass sich H. in der Schweiz aufhalte.

Jürg H. war Devisenchef der Privatbank Vontobel. Er führte die Geschäfte aus, die Hoeneß telefonisch in Auftrag gab. Nach Meinung deutscher Behörden soll der 61-Jährige t wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass Hoeneß mehr als 28 Millionen Euro an Steuern hinterziehen konnte. H. soll die Verheimlichung der Geschäfte vor dem deutschen Fiskus ermöglicht beziehungsweise wesentlich erleichtert haben. Er soll Beihilfe zur Steuerhinterziehung in sieben Fällen geleistet haben, so der Vorwurf.

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Hoeneß war im März dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Grundlage für das Urteil waren unter anderem die umfassenden Protokolle zu den zahlreichen Devisentransaktionen.

H. ist mit einer Polin verheiratet und hielt sich öfter in der gemeinsamen Zweitwohnung in Warschau auf. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Festnahme von H. am 22. Oktober bestätigt. Zu weiteren Details oder einer möglichen Flucht wollte die Behörde am Dienstag auf Anfrage des Handelsblatts keine Angabe machen.

Gegen eine Kaution von rund 240.000 Euro soll H. zunächst auf freien Fuß gekommen sein, verbunden mit der Auflage, sich jeden zweiten Tag bei der Polizei zu melden. Außerdem habe er seinen Reisepass abgeben müssen. Der Banker habe daraufhin einen „abenteuerlichen Plan“ gefasst, berichtet der Schweizer Branchendienst „Inside Paradeplatz“. Er sei „auf dem Landweg“ aus Polen zurück in die Schweiz geflohen. Er habe sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen wollen.


„Den Haftbefehl können sie zum Altpapier schmeißen“

Nicht ohne einen gewissen Stolz schreibt der Branchendienst: „H. ist der erste Schweizer Banker, der einer ausländischen Staatsmacht den Krieg erklärt. Die Botschaft an die Adresse der Deutschen lautet: Von Euch lasse ich mich nicht fertig machen.“

In Schweizer Finanzkreisen war die Verhaftung des Bankers auf Unverständnis gestoßen. H. habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, erklärten Beobachter. Die Vorwürfe seien absurd. Mancher vermutet, dass aus politischen Motiven ein Exempel statuiert werden soll. „Das ist ein Schock“, hatte Peter-René Wyder, Präsident des Schweizerischen Bankenpersonalverbandes, dem „Stern“ gesagt. „Es gibt eine Menge Banker, die sich fragen, ob sie die Schweiz noch verlassen können. Manche sollten jetzt wirklich lieber zu Hause bleiben.“

Die Bundesrepublik geht scharf gegen Steuerflucht vor. In Berlin verpflichteten sich kürzlich 51 Länder dazu, ab 2017 detaillierte Kontendaten von Ausländern automatisch auszutauschen und damit den Steuerbetrug wirksamer zu bekämpfen. Mehr als ein Dutzend weiterer Staaten – darunter die Schweiz, nicht aber die USA – haben signalisiert, sich der Initiative zu einem späteren Zeitpunkt anzuschließen.
Viele Banker in der Schweiz bangen um das berühmt-berüchtigte Bankgeheimnis, zudem müssen sie fürchten, persönlich zu belangt werden. Umso größer scheint die klammheimliche Freude darüber, dass sich Jürg H. offenbar wieder in der Schweiz aufhält: „Mit seiner Flucht auf eigenes Risiko macht H. den Deutschen einen Strich durch die Rechnung. Ihren Haftbefehl gegen den Schweizer Banker können sie zum Altpapier schmeissen“, schreibt „Inside Paradeplatz“. Die Schweiz liefert eigene Staatsbürger nicht an andere Länder aus.

Quellle:  Handelsblatt Online
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1 Kommentar zu Vontobel und der frühere Bayern-Präsident: Hoeneß-Banker auf der Flucht

  • Es wirkt schon ein wenig seltsam, dass die Wirtschaftswoche den Namen von Herrn Hügli nicht ausschreiben will. Die nun verlorene Kaution von 240.000 Euro wird Herr Hügli sicher verkraften können. Dass er künftig trotz seines ergaunerten Geldes nicht mehr die Schweiz verlassen kann, dürfte für den Banker schon ärgerlicher sein. Aber da befindet er sich in bester Gesellschaft. Nach Angaben aus Schweizer Finanzkreisen gibt es alleine rund 1.000 Banker, die aus Angst vor den Ermittlungsbehörden der USA das Land nicht mehr verlassen wollen.

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