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Vorteilsnahme: EM-Tickets sind ein gefährliches Geschenk

von Claudia Tödtmann

Warum es für Manager riskant ist, teure Euro-Fußballtickets an Geschäftspartner zu verschenken – oder diese anzunehmen.

Leerstand in Sicht - Einladung in Fußballlounge ist zu teuer, um harmlos zu sein (im Bild: Die Loge des Sponsors Veltins in der Arena Auf Schalke in Gelsenkirchen) Quelle: dpa/dpaweb
Leerstand in Sicht - Einladung in Fußballlounge ist zu teuer, um harmlos zu sein (im Bild: Die Loge des Sponsors Veltins in der Arena Auf Schalke in Gelsenkirchen) Quelle: dpa/dpaweb

Die Spieler des FC Bayern steuern Sportwagen mit den vier Ringen werbewirksam durch München, seit einem Jahr ist Audi gar mit zehn Prozent am Rekordmeister beteiligt. Vorstandschef Rupert Stadler ließ sich kürzlich vom Oldtimer-Grand-Prix in Monaco zum Pokalfinale nach Berlin fliegen. Und in der Allianz-Arena in München unterhält das Unternehmen eine großzügige Lounge, in der regelmäßig Geschäftspartner zu Spielen geladen werden. Doch auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine blicken die Ingolstädter mit gemischten Gefühlen – und dies nicht aus Sorge um die Chancen der deutschen Kicker: „Diesen Sommer“, heißt es lapidar aus Ingolstadt, „laden wir zu keinem Fußballereignis ein.“

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Allgemeine Unsicherheit

Audi steht mit seiner vorsichtigen Haltung nicht allein: Wurden bis vor wenigen Jahren regelmäßig großzügige Einladungen zu Essen in Edelrestaurants, Konzerten, Formel-1-Rennen oder eben Fußballspielen verteilt, ist von der einstigen Großzügigkeit kaum etwas übrig. Einladende und Eingeladene laufen Gefahr, sich der Untreue und Vorteilsannahme schuldig zu machen oder gegen unternehmensinterne Regeln zu verstoßen. „Unternehmen und ihre Kunden halten sich zunehmend zurück, Einladungen auszusprechen oder anzunehmen“, bestätigt Josef Stadtfeld, Geschäftsführer der Sponsorenvereinigung S20, zu der Coca-Cola, Siemens, die Allianz, die Telekom und McDonald’s gehören: „Sie sind alle unsicher, wie man sich jetzt verhalten soll, weil beide Seiten im Risiko stehen und sich strafbar machen können.“ Sponsor Hyundai etwa fand im Frühjahr keine Abnehmer für EM-Tickets.

Grundsätzlich haben Manager Probleme mit Geschäftsgeschenken, deren Wert 20 Euro übersteigt: Acht Prozent schickt die Präsente wieder zurück, nur knapp ein Viertel nimmt bedenkenlos an. 34,3 Prozent verlost sie an die Mitarbeiter oder spendet sie. Und das nicht ganz ohne Grund: Zum einen liegt die Steuerfreigrenze für Geschenke an Geschäftsfreunde bei 35 Euro pro Jahr, zum anderen ist gesetzlich nicht genau geregelt, ab welchem Wert ein Geschenk als Bestechung zu werten ist. Im Gesetz steht, die Präsente müssten "sozialadäquat" in Relation zu Position und Stellung des Empfängers stehen.

Doch was wünschen sich Manager eigentlich?

Bild: REUTERS

Einkäufer sollten geschenkte Tickets von Lieferanten und anderen Geschäftspartnern für die Fußball-EM oder die Olympischen Spiele in London ablehnen. Sonst könnten sie sich der Vorteilsannahme strafbar machen, warnt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). „Einladungen zu so begehrten Veranstaltungen, deren Karten nur sehr teuer oder nicht mehr zu haben sind, sollen ja gerade eine Vertrauensbasis zwischen Einladendem und Gast herstellen. Und dann liegt der Interessenskonflikt nah“, sagt Sebastian Schröder, Chefjurist beim BME.

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„Unbesorgt kann man niemanden in eine EM-Fußballloge einladen. Nicht mal Firmeninhaber – denn selbst wer anscheinend Alleininhaber eines Familienunternehmens ist, kann ja tatsächlich nur Teil einer komplizierten Gesellschafterstruktur sein“, erklärt Tim Wybitul von der Anwaltskanzlei Hogan Lovells. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Eingeladene sich schmieren lasse, sei zwar geringer, je mehr dieser verdiene. Einen Vorstand könne man daher eher zu einem EM-Spiel einladen als einen Mitarbeiter – wenn es nicht gerade im Zusammenhang mit einem konkreten Auftrag geschieht, so Wybitul. „Doch selbst Vorstände winken meist ab.“

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