
Die Spieler des FC Bayern steuern Sportwagen mit den vier Ringen werbewirksam durch München, seit einem Jahr ist Audi gar mit zehn Prozent am Rekordmeister beteiligt. Vorstandschef Rupert Stadler ließ sich kürzlich vom Oldtimer-Grand-Prix in Monaco zum Pokalfinale nach Berlin fliegen. Und in der Allianz-Arena in München unterhält das Unternehmen eine großzügige Lounge, in der regelmäßig Geschäftspartner zu Spielen geladen werden. Doch auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine blicken die Ingolstädter mit gemischten Gefühlen – und dies nicht aus Sorge um die Chancen der deutschen Kicker: „Diesen Sommer“, heißt es lapidar aus Ingolstadt, „laden wir zu keinem Fußballereignis ein.“
Allgemeine Unsicherheit
Audi steht mit seiner vorsichtigen Haltung nicht allein: Wurden bis vor wenigen Jahren regelmäßig großzügige Einladungen zu Essen in Edelrestaurants, Konzerten, Formel-1-Rennen oder eben Fußballspielen verteilt, ist von der einstigen Großzügigkeit kaum etwas übrig. Einladende und Eingeladene laufen Gefahr, sich der Untreue und Vorteilsannahme schuldig zu machen oder gegen unternehmensinterne Regeln zu verstoßen. „Unternehmen und ihre Kunden halten sich zunehmend zurück, Einladungen auszusprechen oder anzunehmen“, bestätigt Josef Stadtfeld, Geschäftsführer der Sponsorenvereinigung S20, zu der Coca-Cola, Siemens, die Allianz, die Telekom und McDonald’s gehören: „Sie sind alle unsicher, wie man sich jetzt verhalten soll, weil beide Seiten im Risiko stehen und sich strafbar machen können.“ Sponsor Hyundai etwa fand im Frühjahr keine Abnehmer für EM-Tickets.
Bild: REUTERSGrundsätzlich haben Manager Probleme mit Geschäftsgeschenken, deren Wert 20 Euro übersteigt: Acht Prozent schickt die Präsente wieder zurück, nur knapp ein Viertel nimmt bedenkenlos an. 34,3 Prozent verlost sie an die Mitarbeiter oder spendet sie. Und das nicht ganz ohne Grund: Zum einen liegt die Steuerfreigrenze für Geschenke an Geschäftsfreunde bei 35 Euro pro Jahr, zum anderen ist gesetzlich nicht genau geregelt, ab welchem Wert ein Geschenk als Bestechung zu werten ist. Im Gesetz steht, die Präsente müssten "sozialadäquat" in Relation zu Position und Stellung des Empfängers stehen.
Doch was wünschen sich Manager eigentlich?
Bild: REUTERSWenig problematisch, dafür aber auch wenig beliebt sind da DVDs und Blue-Rays. Zwar kommt sicher niemand in Teufels Küche, wenn er eine DVD vom Geschäftsfreund entgegen nimmt, unter den von der Personalberatung LAB & Company befragten Führungskräften würden sich aber auch nur 1,5 Prozent über Filme freuen.
Bild: APÄhnlich schlecht kommt Musik an, die Geschäftspartner oder Kunden versenden - nur 2,1 Prozent setzen Musikträger auf ihren geschäftlichen Wunschzettel.
Bild: fotolia.com4,1 Prozent wären froh, wenn sie nichts bekämen. Das spart Verpackung und entbindet von der Pflicht, sich selbst eine passende Überraschung einfallen zu lassen.
Bild: ScreenshotDie Mehrheit der Führungskräfte findet Grußkarten zu Weihnachten völlig ausreichend. Allerdings freuen sich nur 6,2 Prozent über eine Online-Karte. Dazu sagte einer der Umfrageteilnehmer: „Unpersönliche Weihnachtskarten beweisen eindrucksvoll die mir entgegengebrachte Wertschätzung. Nämlich gar keine.“ Kurz dahinter kommt der ebenso unpersönliche Kalender, den 6,4 Prozent gerne hätten.
Bild: dpaDafür möchten 14,7 Prozent etwas Kultur zu Weihnachten: Sieben Prozent wünschen sich Eintrittskarten, 7,7 Prozent Bücher. Letztere sind übrigens generell ein Verkaufsschlager zur Weihnachtszeit.
Bild: gms8,7 Prozent der befragten Manager sind Naschkatzen und hätten gerne etwas Süßes in der Post.
Bild: Screenshot17,7 freuen sich über eine neutrale Weihnachtskarte mit persönlicher Unterschrift. Also knapp jeder fünfte. Dafür schickt mehr als jeder zweite Manager diese Art der Weihnachtspost selber an seine Geschäftsfreunde. Da klaffen Wunsch und Wirklichkeit etwas auseinander.
Bild: REUTERSGanze 20 Prozent trinken dagegen lieber ein Gläschen und wünschen sich Spirituosen oder die obligatorische Flasche Wein. Doch nur 13 Prozent verschicken Alkohol.
Bild: dpa/dpawebFast ein Drittel, nämlich 27,5 Prozent wünschen sich ein originelles Werbegeschenk. Der Kugelschreiber oder Füllfederhalter fällt damit flach.
Grundsätzlich haben Manager Probleme mit Geschäftsgeschenken, deren Wert 20 Euro übersteigt: Acht Prozent schickt die Präsente wieder zurück, nur knapp ein Viertel nimmt bedenkenlos an. 34,3 Prozent verlost sie an die Mitarbeiter oder spendet sie. Und das nicht ganz ohne Grund: Zum einen liegt die Steuerfreigrenze für Geschenke an Geschäftsfreunde bei 35 Euro pro Jahr, zum anderen ist gesetzlich nicht genau geregelt, ab welchem Wert ein Geschenk als Bestechung zu werten ist. Im Gesetz steht, die Präsente müssten "sozialadäquat" in Relation zu Position und Stellung des Empfängers stehen.
Doch was wünschen sich Manager eigentlich?
Einkäufer sollten geschenkte Tickets von Lieferanten und anderen Geschäftspartnern für die Fußball-EM oder die Olympischen Spiele in London ablehnen. Sonst könnten sie sich der Vorteilsannahme strafbar machen, warnt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). „Einladungen zu so begehrten Veranstaltungen, deren Karten nur sehr teuer oder nicht mehr zu haben sind, sollen ja gerade eine Vertrauensbasis zwischen Einladendem und Gast herstellen. Und dann liegt der Interessenskonflikt nah“, sagt Sebastian Schröder, Chefjurist beim BME.
„Unbesorgt kann man niemanden in eine EM-Fußballloge einladen. Nicht mal Firmeninhaber – denn selbst wer anscheinend Alleininhaber eines Familienunternehmens ist, kann ja tatsächlich nur Teil einer komplizierten Gesellschafterstruktur sein“, erklärt Tim Wybitul von der Anwaltskanzlei Hogan Lovells. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Eingeladene sich schmieren lasse, sei zwar geringer, je mehr dieser verdiene. Einen Vorstand könne man daher eher zu einem EM-Spiel einladen als einen Mitarbeiter – wenn es nicht gerade im Zusammenhang mit einem konkreten Auftrag geschieht, so Wybitul. „Doch selbst Vorstände winken meist ab.“
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