VW-Großaktionär: Arbeitnehmervertreter verlassen Aufsichtsrat der Porsche SE

VW-Großaktionär: Arbeitnehmervertreter verlassen Aufsichtsrat der Porsche SE

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Der Porsche-SE-Schriftzug

Dem Aufsichtsrat des VW-Großaktionärs Porsche SE sollen nach der diesjährigen Hauptversammlung keine Arbeitnehmervertreter mehr angehören. Kontrolliert wird die SE damit fast nur noch von den Familien Porsche und Piech.

Dem Aufsichtsrat des VW-Großaktionärs Porsche SE sollen nach der diesjährigen Hauptversammlung keine Arbeitnehmervertreter mehr angehören. Vorstand und Betriebsrat der Familienholding beschlossen das vergangene Woche, wie aus einer Veröffentlichung im Bundesanzeiger hervorgeht. Statt aus zwölf Vertretern beider Seiten wird das Kontrollgremium künftig nur noch aus sechs Repräsentanten der Eignerseite bestehen. Dafür wird eine die Mitbestimmung regelnde Vereinbarung von 2007 ausgesetzt. Ein Insider erklärte, es gebe eine Klausel, nach der die Mitbestimmung im Falle einer steigenden Beteiligung der Porsche SE an VW automatisch wieder gelte.

Ein Sprecher der Porsche SE erklärte, dem Vorstand sei es um eine organisatorische Vereinfachung gegangen. Die Arbeitnehmerrechte seien ausreichend gewahrt mit den Mandaten im Aufsichtsrat des VW-Konzerns und der Konzerntöchter.

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Der Porsche SE gehört die Mehrheit von rund 52 Prozent an Volkswagen . Die Holding dient vorwiegend der Verwaltung des VW-Besitzes. Sie gehört zur Hälfte den Familien Porsche und Piech, die sämtliche stimmberechtigten Stammaktien halten. Die andere Hälfte ist über Vorzugsaktien auf andere Aktionäre verteilt. Die Dachgesellschaft hat nur rund 30 Beschäftigte, von denen kein Vertreter im Aufsichtsrat sitzt. Die sechs Arbeitnehmermandate nehmen Betriebsräte aus dem VW-Konzern wahr, darunter VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und Uwe Hück, Betriebsratsvorsitzender der VW-Sportwagentochter Porsche AG. Als externer Vertreter sitzt zum Beispiel der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber in dem Gremium.

Abgasskandal Klageflut gegen Porsche SE in Stuttgart

146 Klagen, eine Gesamtforderung von 898 Millionen Euro, Tendenz steigend: Über das Landgericht Stuttgart ist eine Klageflut gegen die VW-Dachgesellschaft Porsche SE hereingebrochen. Die höhere Instanz muss helfen.

Nach dem Abgasskandal gehen in Stuttgart immer mehr Klagen gegen die Porsche SE ein. Quelle: dpa

Im Namen der Arbeitnehmervertreter erklärte ein Sprecher des Porsche-AG-Betriebsrates, die Eignerseite habe keinen Druck ausgeübt, um das Kontrollgremium zu verkleinern. Die Arbeitnehmerbeteiligung im SE-Aufsichtsrat, die rechtlich nicht zwingend ist, sei 2007 erstritten worden, weil Porsche über die SE damals den viel größeren VW-Konzern übernehmen wollte. Das scheiterte 2008 im Zuge der Finanzkrise. Inzwischen sei die SE nur noch eine reine Finanzholding. "Da steht ein Tresor mit viel Geld drin, um den müssen wir nicht herumsitzen - uns ist das operative Geschäft wichtig", erklärte der Sprecher. Darüber bestimmten die Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten des VW-Konzerns und der einzelnen Marken mit.

Kontrolliert wird die SE damit künftig fast nur noch von den Familien Porsche und Piech. Derzeit gehören dem Aufsichtsrat von der Eignerseite fünf Familienmitglieder an - so etwa Wolfgang Porsche und der frühere VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piech - sowie als einziger externer Aufseher der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner. Allerdings sicherte sich die Arbeitnehmerseite für den theoretischen Fall ab, dass die Porsche SE ihren Einfluss bei VW wieder ausbaut. Bei einer Beteiligung von mehr als 55 Prozent an dem Wolfsburger Konzern würde die Beteiligung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat automatisch wieder inkraft gesetzt, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Der Sprecher der Porsche SE wollte dazu keine Stellung nehmen.

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