WiWo-Top-Kanzleien: Die besten Anwälte für Anlagerecht

WiWo-Top-Kanzleien: Die besten Anwälte für Anlagerecht

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Die Rechtsanwälte blicken im Landgericht Frankfurt auf eine Aktenreihe. Im Anlegerschutz sind kundige Anwälte für die Geschädigten die einzige Hoffnung

von Daniel Schönwitz und Hans-Peter Canibol

Wer sich auf Tipps seines Bankers verlassen hat und später Verluste einfährt, benötigt kompetenten Rat. Die WirtschaftsWoche hat die besten Anlegeranwälte gekürt.

Was bei Autos funktioniert, klappt auch bei Anwälten, dachten sich die Experten der Dekra – und boten Juristen in Kooperation mit dem Deutschen Anwaltszentrum eine Dekra-Zertifizierung an. Doch Anfang Februar kippte das Landgericht Köln das Geschäftsmodell: Es sei irreführend, wenn Anwälte mit dem Zertifikat werben, befanden die Richter (Aktenzeichen: 33 O 353/08). Denn damit würde bei Verbrauchern der Eindruck erweckt, dass sie „auf Grundlage neutraler, allgemein anerkannter Prüfungsbedingungen unter Beteiligung der Anwaltschaft“ zertifiziert worden seien. Das sei aber nicht der Fall. Denn die Anwälte mussten für die Zertifizierung lediglich ein 180-Seiten-Manuskript durcharbeiten und sich anschließend einem Multiple-Choice-Test unterziehen.

Der Streit um das Anwalts-Dekra zeigt: Im harten Wettbewerb auf dem Beratungsmarkt versuchen Juristen, mit fragwürdigen Methoden auf sich aufmerksam zu machen. Doch nicht nur umstrittene Zertifizierungen, sondern auch Fachanwaltstitel, Artikel in Fachzeitschriften und andere Errungenschaften, mit denen Anwälte gerne werben, sind nur halbwegs taugliche Indizien für juristische Kompetenz. Für Verbraucher bleibt es schwierig zu beurteilen, ob ein Anwalt seine Sache wirklich gut macht.

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Auf Anlegerschutz spezialisierte Anwälte

Für geschädigte Investoren ist die Suche nach einem kompetenten Juristen besonders tückisch. Denn gerade unter den Anlegeranwälten gibt es einige schwarze Schafe, die Geschädigte mit großen Versprechungen systematisch in kostspielige Klagen treiben. Das Problem: Ihr Honorar bekommen die Advokaten in jedem Fall – egal, wie der Prozess endet. „Einigen Anwälten geht es hauptsächlich darum, hohe Umsätze zu generieren“, kritisiert der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter.

Mehrstufiges Auswahlverfahren

Die WirtschaftsWoche hat jetzt Kanzleien ausgewählt, in denen Anleger seriös und kompetent beraten werden. Die Liste der 20 Top-Kanzleien ist das Ergebnis umfangreicher Recherchen: Im ersten Schritt wurden Presse- und Urteilsdatenbanken analysiert, um herauszufinden, welche Kanzleien und Anwälte in den vergangenen Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben. In der zweiten Runde befragte die WirtschaftsWoche anhand einer Vorschlagsliste von mehr als 50 Advokaten zahlreiche Experten. Auf der Basis dieser Gespräche gelangten dann 30 Anlegeranwälte in das „Elite-Panel“.

Aus dieser Gruppe filterte dann eine dreiköpfige Jury anhand detaillierter Einzelbewertungen die Top-20 heraus. Zu den Juroren gehörten der Leiter der Rechtsschutzabteilung einer deutschen Versicherung, der mit seinen Mitarbeitern einen guten Überblick über die tatsächlichen Erfolgsquoten von Anwälten hat. Zudem waren ein bekannter Wirtschaftsdetektiv sowie ein Mitglied der Redaktion vertreten.

Die Jury-Mitglieder bewerteten die 30 Juristen des Elite-Panels nach insgesamt sechs Kriterien. Der wichtigste Prüfstein war mit einer Gewichtung von 30 Prozent die Frage, ob Anwälte Erfolge vor Gericht nachweisen können. Denn zu den Besten kann nur gehören, wer bereits positive Grundsatzurteile erstritten und die Rechtsprechung geprägt hat.

"Vergleichsverhandlungen sind häufig der Königsweg"

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WiWo-Top-Kanzleien

Allerdings reichten spektakuläre Prozesserfolge alleine nicht, um unter den Top-20 zu landen. Denn oft ist es für Anleger sinnvoller, wenn ihr Anwalt nicht mit viel Tamtam vor Gericht zieht, sondern still und leise mit Banken oder Fondsanbietern über einen außergerichtlichen Vergleich verhandelt. „Vergleichsverhandlungen sind häufig der Königsweg, weil sie auf beiden Seiten die Ressourcen schonen“, sagt Anwalt Reiter. Aus diesem Grund floss als zusätzlicher Indikator die „Klagefreudigkeit“ des Anwalts mit 15 Prozent in die Jury-Bewertung ein. Wer ohne Rücksicht auf Erfolgschancen massenhaft Klagen einreicht, hatte somit keine Chance auf einen der vorderen Plätze im Ranking.

Zusätzliche Bewertungskriterien waren Erfahrung (15 Prozent) und Qualität des Kanzlei-Teams (15 Prozent) sowie die Seriosität bei der Mandantengewinnung (15 Prozent) und des Marketings (15 Prozent). Die beiden letzten Indikatoren sollten sicherstellen, dass keine Anwälte auf der Liste auftauchen, die mit fragwürdigen Methoden auf Mandantenfang gehen.

Nur seriöse Anwälte nützen den Geschädigten

Beispiele für unseriöses Gebaren von Anlegeranwälten gibt es leider zuhauf. So haben einige Juristen eigene Anlegerschutzvereine gegründet und treten als vermeintlich neutrale Verbraucherschützer an Anleger heran. Wer gegenüber potenziellen Mandanten auf Informationsveranstaltungen oder in Anschreiben nicht transparent macht, dass er in erster Linie Anwalt und nicht Verbraucherschützer ist, hat unter den Top-Kanzleien nichts zu suchen – genauso wenig wie Juristen, die massenhaft Anleger anschreiben, in den Briefen Angst und Schrecken verbreiten und suggerieren, dass deren Geld ohne Hilfe verloren ist.

Wichtig: Wer seinen Anwalt nicht auf der Liste findet und sich trotzdem gut beraten fühlt, muss nicht unbedingt misstrauisch werden – es gibt sicher weitere Kanzleien, die ihre Mandanten kompetent beraten. Gerade kleine Anwaltsbüros leisten bisweilen gute Arbeit, sind auf nationaler Ebene aber bisher nicht aufgefallen und haben es deshalb diesmal nicht ins Panel geschafft.

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