"Zeit"-Interview: Hoeneß' großer Coup

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Kommentar"Zeit"-Interview: Hoeneß' großer Coup

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Im Interview mit der "Zeit" bricht der Bayern-Präsident erstmals sein Schweigen und gibt sich reuiger Sünder: "Ich habe Riesenmist gebaut"

von Ferdinand Knauß

Im "Zeit"-Interview inszeniert sich der Bayern-Präsident als reuiger Sünder und Börsensüchtiger. Ein Lehrstück der professionellen Krisenkommunikation.

Uli Hoeneß ist ein wahrer Profi. In der wohl größten Krise seines Lebens zeigt der Präsident des FC Bayern, was wirklich in ihm steckt. Der größte Machtmensch des deutschen Fußballs landet seinen besten Coup: Das Interview in der heutigen Ausgabe der "Zeit" ist ein lehrbuchmäßiges Glanzstück der Krisenkommunikation.

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Nach dem gefallenen Guttenberg saß dort nun der zweite große Sünder bei Giovanni di Lorenzo auf dem öffentlichen  Beichtstuhl und lieferte gleich im ersten Satz, was von einem Sünder erwartet wird: "Ja, ich bereue das, unendlich."

In der katholischen Kirche kann der Beichtvater durch drei Worte den Sünder erlösen. Doch die Erlösung die Hoeneß sucht, ist von anderer Natur. Nicht das Himmelreich, sondern sein öffentlicher Ruf steht auf dem Spiel.

Sich als reuiger Sünder zu bekennen, ist da zwar auch unerlässlich. Uneinsichtigkeit kommt nicht gut an. Aber das ist nur der erste Teil. Entscheidend ist der zweite Teil. Der Sünder muss es schaffen, dass sich die Enttäuschung und Wut der säkularen Gemeinde in Verständnis und bestenfalls gar Mitleid verwandelt. "Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist", sagt er daher zu Anfang des Interviews.

Krisenkommunikation Der Skandal ist überall

Skandale können jedes Unternehmen treffen und durchs Internet verbreiten sie sich in Windeseile über den Globus. Eine kluge Krisenkommunikation kann Schaden verhindern oder zumindest begrenzen.

Quelle: AP

Hoeneß exerziert meisterhaft vor, was ein skandalisierter, gefallener Held in so einer Situation tun muss: Ein öffentliches Umdeutungsmanöver ist notwendig, um aus dem für seine Taten selbst verantwortlichen Sünder ein Opfer der Umstände zu machen. Die Zeitredakteure geben ihm dafür die perfekte Vorlage: "Halten Sie sich eigentlich für süchtig?". Hoeneß verwandelt mit einem rhetorischen Dribbling: "Ich halte mich nicht für krank, wenn Sie das meinen. Zumindest heute nicht mehr. ... Ein paar Jahre war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert." Also doch. Und Sohn Florian sekundiert: "Ich darf sagen, dass die Familie dies ein bisschen anders sieht." Beim mitfühlenden Leser bleibt der Eindruck: Der arme Mann muss nicht ins Gefängnis, sondern auf die Couch zur Anti-Zockerei-Therapie.

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Natürlich hätte Hoeneß seine Börsenleidenschaft auch legal ausleben können. Wenn es ihm ohnehin, wie er sagt, um den „Kick“ ging und die Gewinne und Verluste ihm wie "Spielgeld" erschienen, wieso hat er dann dem deutschen Fiskus nicht seinen Teil des Spielgeldes gegönnt? Was hat die "Zockerei" überhaupt mit der Steuerhinterziehung zu tun? Ist es für die Frage nach der Steuerhinterziehung nicht völlig unerheblich, in welcher Weise Hoeneß an der Börse spekulierte? In dem Interview fehlte daher vor allem eine Frage: "Wieso, Herr Hoeneß, erzählen Sie uns das alles überhaupt?"

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10 Kommentare zu "Zeit"-Interview: Hoeneß' großer Coup

  • Wers glaubt wird selig!

  • Oha, Herr Knauß, jetzt provozieren Sie nur nicht die Fan-Gemeinde des Herrn Hoeneß, pardon Ulis-Fangemeinde. Uli genießt dort einen beinahe religiösen Status.
    Interessant auch, wie Herr H. sich bei den Live- Übertragungen des FC Bayern im TV gibt: absolut berechnend leidend schauend, wie ein kleiner Hund (bitte, bitte, Angela, darf ich wieder an deinem Tisch mitessen).

  • Es ist ganz einfach: Hoeneß erzählt auch etwas, weil bereits vorher so viel über ihn erzählt worden ist. Was nicht unbedingt die Wahrheit war, sondern vorrangig Spekulationen. Dieses Recht soll und muss man ihm zugestehen. Ich habe das sehr lange Interview in der Printausgabe gelesen und kann daran nichts Verwerfliches entdecken, nach all der Zeit hat er sich eben auch zu Wort gemeldet. Aber es ist halt gerade in Mode, Herrn Hoeneß an den Pranger zu stellen, da gibt es keinen mehr, der sich nicht zu Wort meldet, waren es 2600 Artikel zu dem Thema Hoeneß, wie sein Anwalt recherchiert hatte? Ich jedenfalls gehöre zu den Leuten, die Hoeneß einen Brief geschrieben haben. Ich lasse auch nicht zu, dass er vernichtet wird. 30 Jahre lang die Vorzüge von Herrn Hoeneß genossen und jetzt soll das alles vorbei sein. Nein!

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