Zeitpunkt für Rückzug verpasst: Für Hoeneß bleibt jetzt nur das Abklingbecken

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KommentarZeitpunkt für Rückzug verpasst: Für Hoeneß bleibt jetzt nur das Abklingbecken

, aktualisiert 11. März 2014, 14:56 Uhr
von Heike Schwerdtfeger

Hoeneß hätte im vergangenen Jahr einen guten Zeitpunkt für einen Rückzug gehabt. Ein Weitermachen wie bisher geht für den Unternehmer und Bayern-Präsidenten nicht mehr. 

Man kennt Justizia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, mit drei Symbolen: Augenbinde, Richtschwert und Waage. Die Augenbinde soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person durchgesetzt wird und sich Richter nicht von der Umgebung beeinflussen lassen sollen.
Das Richtschwert steht für die nötige Härte, damit Gerechtigkeit waltet. Die Waage ist das Symbol für sorgfältiges Abwägen. In der Haut des Hoeneß-Richters Rupert Heindl möchte man nicht stecken, er muss sich wohl blind und taub stellen und salomonische Qualitäten entwickeln.

Wenige wünschen sich einen Uli Hoeneß im Gefängnis. Aber das es für ihn kein Weitermachen wie bisher geben kann, ist seit Anfang der Woche klar, als die hinterzogene Summe auf 18,5 Millionen Euro hochschnellte, möglicherweise sogar auf 23,7 Millionen Euro. Mag darin auch immer noch ein dicker Sicherheitszuschlag stecken, um die Finanzverwaltung und den Richter nicht erneut zu ärgern, bleibt die Summe trotzdem gewaltig.

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Kein Augenblicksversagen

Dass sich etwa der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer am Montag in einem Beitrag für das Handelsblatt für einen schonenderen Umgang mit Steuersündern ausspricht, hilft Hoeneß wenig.

Maschmeyer argumentiert, dass nicht einmal ein Autofahrer, der unter Alkoholeinfluss einen tödlichen Unfall baue, im Gefängnis landet. Was Hoeneß getan hat, war aber kein Augenblicksversagen. Er hat über Jahre gezockt und Steuern hinterzogen und mit jeder Steuererklärung dieses Fehlverhalten unterschrieben.

Das deutsche Steuersystem ist höllisch kompliziert. Bei hohen Summen besteht schnell die Gefahr, dass irgendwo etwas nicht stimmt, damit hat Maschmeyer absolut Recht. Doch jeder, der viel verdient, leistet sich Steuerberater, die für ihn die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen. Wer ein teures Auto fährt, geht auch das Risiko ein, dass er es vor die Wand fährt. Inwieweit der Steuerberater von Hoeneß bei der ersten Selbstanzeige Fehler gemacht haben könnte, muss der Richter klären. Aber selbst wenn die Haftpflicht des Steuerberaters einspringen muss und für Fehler zahlt, die jahrelange Steuerhinterziehung bleibt an Hoeneß hängen.

Unzurechnungsfähig geht nicht

Auch das Maschmeyer-Argument, wenn reiche Steuersünder in Deutschland mit Gefängnis rechnen müssen, würden sich künftig viele ins Ausland absetzen, um einer Bestrafung durch den deutschen Fiskus zu entgehen, zieht bei Hoeneß nicht. Er hat eine Fleischfirma in Nürnberg und kann sich als Unternehmer nicht einfach verabschieden. Er profitiert davon, dass er in Deutschland seine Würstchen an 81 Millionen Bürger verkaufen kann. Hoeneß wohnt am schönen Tegernsee und hat es nicht weit bis in die FC-Bayern Zentrale. Anders als Franz Beckenbauer, der schon seit zig Jahren seinen Wohnsitz in Österreich hat. Hoeneß hätte nicht auch noch die Zelte abbrechen können, ohne dem FC Bayern zu schaden.

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Sich für unzurechnungsfähig darstellen, etwa auf börsensüchtig zu machen, geht auch nach hinten los. Damit würden Menschen verhöhnt, die tatsächlich süchtig sind. Sich einer Krankheit zu bezichtigen, die man nicht hat, ist bei einem schlauen Richter auch keine gute Idee.

Er hat mit dem FC Bayern vergangenes Jahr das Triple gewonnen. Das wäre ein guter Zeitpunkt für einen Rückzug gewesen. Jetzt wird ihn ein Richter ins Abklingbecken befördern.

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