Übernahmeversuch: Schaefflers riskante Swap-Geschäfte zur Conti-Übernahme

Übernahmeversuch: Schaefflers riskante Swap-Geschäfte zur Conti-Übernahme

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Mit komplexen Swap-Geschäften hat sich die Schaeffler-Gruppe faktisch die Kontrolle über Continental gesichert – geht aber mehr Risiken ein als Porsche bei VW.

Jürgen Geißinger suchte zu Beginn dieses Jahres Partner für ein schwieriges Geschäft. Der Chef der fränkischen Schaeffler-Gruppe wollte sich unerkannt an die börsennotierte Continental heranschleichen und sich möglichst unbemerkt Aktien des Automobilzulieferers sichern. Ein Plan, der wagemutig und kompliziert ist. Aufkäufer müssen schon dann öffentlich melden, wenn sie nur drei Prozent an einem Unternehmen erworben haben. Doch Geißinger begegnete bei seiner Suche einem findigen Partner. Die Bank Merrill Lynch eröffnete ihm einen Ausweg: Mit sogenannten Swap-Geschäften könne er bei Conti maskiert einsteigen.

Geißinger kaufte zunächst direkt 2,97 Prozent an Conti, weitere knapp fünf Prozent wurden ihm von Banken sicher zugesagt. Um jedoch unbemerkt an mehr Anteile heranzukommen, sicherte sich Geißinger zudem über „Total Return Equity Swaps“ die Chance, künftig Kapital für weitere rund 28 Prozent an Conti-Aktien in der Konzernkasse zu haben. Um die gesetzliche Meldepflicht zu umgehen, hat das fränkische Familienunternehmen mit einer Bankengruppe unter Federführung von Merrill Lynch, in dem unter anderem UniCredit, UBS, RBS und Dresdner Kleinwort vertreten sind, dabei nicht die spätere Lieferung von Aktien vereinbart, sondern einen Barausgleich (Cash Settlement).

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Die genauen Konditionen sind geheim. Klar ist aber: Je stärker der Conti-Kurs zulegt, desto mehr Geld kassiert Schaeffler. Der Charme dieses Geschäfts besteht darin, dass die Banken kein Risiko eingehen. Sie kassieren zunächst die Swap-Prämie und während der Laufzeit des Geschäfts Zinsen; zeitgleich kaufen sie oder sichern sich über Kaufvereinbarungen mit Dritten – wie anderen Banken oder Fonds – Conti-Aktien. Steigt deren Kurs, können sie den höheren Baranspruch von Schaeffler dann locker eins zu eins ausgleichen. 

Was aber, falls der Conti-Kurs fällt? Auch dann tragen die Banken kein Risiko, wohl aber Schaeffler. Denn der Total Return Equity Swap nimmt die Franken in die Pflicht. Geht die Conti-Aktie in den Keller, muss Geißinger Verluste zwischen einem vorher festgelegten Preis und dem dann niedrigeren Conti-Kurs ausgleichen.

Zweites Risiko für Geißinger: Sollte der Conti-Kurs bis zum 27. August, dem Ende der Angebotsfrist für das Schaeffler-Übernahmeangebot zu 70,12 Euro je Aktie, abschmieren, könnten alle freien Aktionäre Schaeffler ihre Papiere zu eben diesem Preis andienen. Bei Schaeffler könnte dann ein Buchverlust in der Bilanz auflaufen. Für die Banken ist ein solches Swap-Geschäft „auf jeden Fall eine sehr elegante Lösung“, so ein Investmentbanker eines großes britischen Geldhauses. Und da sie mit ihren Paketen wiederum jeweils die Meldegrenze von drei Prozent nicht erreichten, blieb die feindliche Übernahme – Codename „Mozart“ – im Dunkeln.

Ein Risiko-Geschäft

Wesentlich mehr Risiko als bei Conti trägt Merrill Lynch bei der Übernahme von großen VW-Paketen durch Porsche. Porsche-Finanzchef Holger Härter hat mit Merrill keine Swap-Geschäfte vereinbart, sondern sich über Kaufoptionen Gelder für den VW-Aufkauf gesichert. Die Pflicht, Gelder nachzuschießen, falls die VW-Aktie unter einen vereinbarten Basispreis fallen sollte, besteht für Porsche – im Gegensatz zur Schaeffler-Gruppe bei ihrem geplanten Conti-Einstieg – nicht. Härter riskiert nur, dass sich die eingesetzte Optionsprämie nicht vermehrt. „Sollte der Aktienkurs von VW unter den in den Optionen vereinbarten Basispreis fallen, hätte dagegen die Bank ein Problem“, sagt ein Investmentmanager. Denn sollte sich Merrill Lynch tatsächlich VW-Aktien zulegt haben und fällt deren Kurs, muss die Bank gewinnmindernde Abschreibungen darauf verbuchen. Diese Variante ist jedoch eher theoretischer Natur: Der Kurs der VW-Stammaktien hat sich seit Anfang 2005 versiebenfacht.

Für Porsche zahlt sich der VW-Deal deshalb aus: Die – nach Laufzeit und Preis – gestaffelt eingekauften Optionen sind deutlich gestiegen. Wie stark, ist geheimer als die Modellplanung der Zuffenhausener. Härter kassierte jedenfalls im Geschäftsjahr 2007 (31. Juli) allein 3,6 Milliarden Euro Ertrag daraus. Angesichts des Kursanstiegs der VW-Aktie auch in den vergangenen zwölf Monaten dürften weitere Milliardengewinne aus den Optionsgeschäften angefallen sein. Zudem hat Härter Luft, die Beteiligung von 30,6 Prozent der VW-Stammaktien gewinnbringend höher zu bewerten. Per 31. Juli 2007 hielt Porsche Beteiligungen mit einem Bilanzwert von 7,1 Milliarden Euro. Der Porsche-Anteil allein am Eigenkapital von VW liegt inzwischen bei knapp acht Milliarden Euro, das Paket ist an der Börse gar gut 18 Milliarden Euro wert; vor einem Jahr waren es erst zwölf Milliarden.

Da Porsche auch noch ein paar Euro mit Autos verdient, dürfte Härter für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinn oberhalb des geschätzten Jahresumsatzes von 8,6 Milliarden Euro ausweisen. Eine große Überraschung wäre das nicht – bei Ausnutzung aller bilanziellen Möglichkeiten hätte Porsche dies bereits im vergangenen Jahr schaffen können.

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