Ulrich Lehner im Interview: „Auf die Finger schauen“

Ulrich Lehner im Interview: „Auf die Finger schauen“

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Ulrich Lehner, Vorstandsvorsitzender von Henkel, ist einer der einflussreichsten deutschen Manager

Warum Ulrich Lehner, Chef des ESG-Award-Gewinners Henkel, davon überzeugt ist, dass sich nachhaltiges Wirtschaften rechnet und von Kunden und Investoren belohnt wird.

WirtschaftsWoche: Herr Lehner, grünes oder soziales Engagement ist gut fürs Image. Zahlt es sich auch aus?

Lehner: Natürlich. Wenn wir das Abfallaufkommen reduzieren oder weniger Energie in der Produktion benötigen, schlägt dies auf die Herstellungskosten und damit auch auf die Gewinn- und Verlustrechnung durch. Nachhaltigkeit lohnt sich auch, weil unsere Kunden dies honorieren. Wenn wir Waschmittel produzieren, die bei niedrigeren Temperaturen genauso effektiv sind wie andere bei höheren, haben wir einen klaren Wettbewerbsvorteil, der sich auch in den Verkaufszahlen niederschlägt.

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Spüren Sie als Unternehmen den Druck von Investoren, hohe Standards bei Corporate Governance oder Umweltverträglichkeit einzuhalten?

In Deutschland sind diejenigen, die das Thema Nachhaltigkeit auf Hauptversammlungen lautstark ansprechen, in der Minderheit, mehr als 20 Prozent dürften das nicht sein. Wesentlich häufiger haben wir es mit Investoren zu tun, die sorgfältig ihr Investment prüfen und sich im Zweifel gegen ein Unternehmen entscheiden, das ihren Ansprüchen an Nachhaltigkeit nicht genügt. Diese Art von Investoren entscheidet sich daher häufig für Henkel. Das sehen Sie auch an der Vielzahl der entsprechenden Fonds, die in unser Unternehmen investieren.

Wie passt es zu Ihren hohen Ansprüchen in Sachen Nachhaltigkeit, dass Sie wegen Preisabsprachen mit Unilever und Colgate-Palmolive Bußgeld zahlen müssen? 

Sie können nicht vom Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter auf den ganzen Konzern mit seinen 53.000 Beschäftigten schließen. Die Situation ist nicht so schwarz-weiß wie Sie dies darstellen. Es ist nicht so, dass jemand um 10 Uhr hier von Düsseldorf abreist, sich um 11 Uhr mit Mitarbeitern von Wettbewerbern trifft und dort die Preise abgesprochen werden.

Wie läuft denn so was wirklich ab?

Die betreffenden Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen saßen bei einer Verbandstagung und haben allgemeine Äußerungen über die Geschäftsentwicklung gemacht. Das waren keine konkreten Preisabsprachen, sondern Informationen über bereits beschlossene Preiserhöhungen. Und deshalb ist der Fall vom Kartellamt auch als minderschwer eingestuft worden. Die Personen waren sich der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst.

Die Öffentlichkeit macht diese Unterschiede nicht, sie sieht die Glaubwürdigkeit erschüttert.

Natürlich macht uns dieser Vorfall betroffen. Doch wir werden deshalb nicht aufhören, nachhaltig zu wirtschaften. Wir werden unsere Mitarbeiter noch besser schulen und ihnen genau auf die Finger schauen, damit sich solch ein Fall nicht wiederholt. Es wäre völlig falsch, wenn wir aufgrund eines solchen Vorfalls von unseren ehrgeizigen Zielen abrücken würden.

Nachhaltigkeit endet nicht am Werkstor. Haben Sie die Zusammenarbeit mit Zulieferern beendet, weil diese Ihre Standards nicht einhielten?

Ja wir schauen uns die Unternehmen schon vorher sehr genau an. Viele fallen deshalb schon im Vorfeld durch unser Raster, zum Beispiel auch deshalb, weil Umweltschutz oder Arbeitsbedingungen nicht stimmen.

Die Preise der von Ihnen eingesetzten Rohstoffe steigen kräftig. Wie wollen Sie das Problem in den Griff kriegen?

Wir bündeln unseren Einkauf noch stärker und ersetzen einzelne Rohstoffe durch kostengünstigere. Der Klebstoff, mit dem Etiketten auf Plastikflaschen geklebt werden, basiert auf Milchbestandteilen. Der Milchpreis ist im vergangenen Jahr so stark angestiegen, dass wir auf einen Kleber umgestiegen sind, der aus anderen natürlichen Rohstoffen besteht.

Bei der Produktion Ihrer Waschmittel arbeiten Sie mit genmanipulierten Mikroorganismen...

...mit denen man wunderbar weiße Biotechnologie betreiben kann.

Und wie verträgt sich die Gentechnik mit Ihren ethischen Kriterien?

Voll und ganz.

Inwiefern?

Gentechnik ist doch vom Grundsatz her etwas ganz Natürliches. Sehen sie da einen Widerspruch? Wir nutzen die weiße Biotechnologie. Hier werden nur Mikroorganismen genverändert. Die von uns eingesetzten Enzyme sind selbst nicht genmanipuliert. Einen Widerspruch zu ethischen Prinzipien vermag ich hier nicht zu erkennen. Im Übrigen, nur dank dieser modernen Enzyme können wir überhaupt leistungsstarke und gleichzeitig umweltverträgliche Waschmittel anbieten.

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