US-Börsenaufsicht: SEC kämpft um ihren Ruf

US-Börsenaufsicht: SEC kämpft um ihren Ruf

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Harry Markopolos: Seit Jahren dem Fall Madoff auf der Spur

Der Madoff-Skandal hat den Ruf der US-Aufsichtsbehörde SEC ruiniert. Aber auch die neue Chefin Mary Schapiro hat einige Schrammen abbekommen.

Sein Markenzeichen ist eine freundliche weiße Nelke im Revers. Doch am 4. Februar, während der Anhörung in Washington zum 50-Milliarden-Dollar-Betrug des Bernie Madoff, platzte dem netten älteren Herrn der Kragen: "Ihr würdet selbst bei Tageslicht euren Hintern mit den eigenen Händen nicht finden", blaffte der 66-jährige Kongressabgeordnete Gary Ackerman fünf Zeugen an, alles führende Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC): "Ein Mann hat euch bereits vor fast einer Dekade zu diesem Misthaufen Madoff geführt und sogar mit der Nase reingestoßen – und ihr habt es nicht mitbekommen."

Das saß. Der ignorierte Führer zum Madoff-Misthaufen ist Harry Markopolos, ein 52-jähriger unabhängiger Rechercheur für Fälle von betrügerischen Finanztransaktionen aus der Nähe von Boston. Bereits im Mai 2000 hatte Markololos versucht, die SEC auf Madoff zu hetzen. Er hatte ein Papier mit dessen angeblicher Performance und Anlagestrategie in die Finger bekommen. "Ich schaute es mir an und innerhalb von fünf Minuten hatte ich den Verdacht, dass es sich um einen Betrug handeln könnte. Mit dieser Strategie war es unmöglich, einen Gewinn zu machen, der abzüglich Kosten höher wäre als die Rendite aus US-Staatsanleihen", sagt Markopolos. In den Jahren danach, zuletzt im April 2008, hatte er immer größere Informationspakete an die Aufseher geschickt, in denen er Madoffs System ein Schneeballsystem und den größten Betrugsfall aller Zeiten nannte.

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Markopolos lief bei der SEC immer wieder ins Leere

Doch bei der SEC lief er immer wieder ins Leere. Heute steht die 3500 Mitarbeiter starke Behörde, die sicherstellen soll, dass an der Wall Street alles mit rechten Dingen zugeht, wie eine Horde ahnungsloser Bürokraten da. "Die SEC", sagt Markopolos, "das sind 3500 Hühner, die den Auftrag haben, Füchse zu jagen und zu fangen, die schneller, stärker und schlauer sind."

Linda Thompsen, Leiterin der für investigative Untersuchungen zuständigen SEC-Abteilung, trat bereits zurück. Heißester Kandidat für ihre Nachfolge ist Robert Khuzami, der sich als Terroristenjäger einen Namen machte und heute Chefsyndikus der Deutschen Bank in New York ist.

Die Schelte lähmt die SEC. Mitarbeiter des mit der internen Untersuchung beauftragten SEC-Generalinspekteurs David Kotz bereiten in diesen Tagen Interviews vor, durchforschen E-Mails, die Hinweise darauf geben können, warum die Markopolos-Warnungen in den Wind geschlagen wurden. Man werde auch untersuchen, sagt Kotz, "in welchem Maß Reputation und Status von Bernie Madoff" eine Rolle gespielt haben könnten. Immerhin habe der in einem Beratungskomitee der SEC gesessen und "soziale und professionelle Verbindungen zu SEC-Offiziellen gehabt". "Hoffentlich hat jemand seine schützende Hand über Madoff gehalten", sagt ein SEC-Mitarbeiter, der in einem nicht beteiligten Regionalbüro arbeitet, "dann gibt es wenigstens einen eindeutigen Schuldigen und wir stehen nicht kollektiv als Trottel da."

Solche Verschwörungstheorien sind bisher nicht belegt. Wahrscheinlicher ist, dass chronisch überlastete SEC-Mitarbeiter Markopolos einfach für einen Wichtigtuer gehalten haben, der mit einem Anschlag auf die Wall-Street-Ikone Madoff in die Schlagzeilen kommen wollte. Zumal Markopolos damals für einen Madoff-Konkurrenten arbeitete, der sich über die unglaublich stabile Performance der Madoff-Depots gewundert hatte. Es war auch nicht hilfreich, dass Markopolos Selbstzweifel äußerte: Es sei möglich, hatte er an seinen Kontaktmann im SEC-Büro in Boston geschrieben, dass er ein Idiot sei und nur die Zeit der SEC-Leute vergeude. In seinen Unterlagen mischte er Fakten und Gerüchte durcheinander und garnierte die mit komplizierten mathematischen Berechnungen. Die verstanden die SEC-Leute – überwiegend Anwälte – vermutlich nicht.

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