US-Notenbank: Banken-Bonus von der Fed

KommentarUS-Notenbank: Banken-Bonus von der Fed

von Frank Doll

Geredet wird von der Exitstrategie, mit der die US-Notenbank meint, die Liquidität wieder einzufangen, die sie in der Krise ins Bankensystem gepumpt hat. Doch was als Exitstrategie verkauft wird, entlarvt sich einmal mehr als Bonusprogramm für die Wall Street.

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Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington

Um den Weltuntergang zu verhindern oder zumindest zu vertagen, senkte die Fed erst den Leitzins auf null Prozent. Als das nicht half, setzte sie zur sogenannten quantitativen Lockerung an, was übersetzt soviel heißt wie „Anwerfen der Notenpresse“. Den Banken wurde erlaubt, ihre Hunderte von Milliarden schweren Portfolios mit hypothekengesicherten Wertpapieren (Mortage Backed Securities, MBS) bei ihr abzuladen. Diese Papiere von meist zweifelhaften Wert hob US-Finanzminister Timothy Geithner per Federstrich am Heiligabend vorsichtshalber auf eine Bonitätsstufe wie US-Staatsanleihen, indem er eine unbegrenzte Staatshaftung für die Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac einfädelte. Vor seiner Zeit als Finanzminister war Geithner Chef der New Yorker Fed, in deren Zuständigkeit die Rettung des Versicherers AIG gefallen ist. Die New Yorker Fed bewahrte unter anderem Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co. vor dem Untergang, indem sie Steuergelder für die Rettung von AIG direkt zu den Banken umleitete.

Neue Spekulationsblasen verhindern

Ja, all diese Maßnahmen waren natürlich alternativlos gewesen, meinen tatsächlich immer noch die meisten Ökonomen. Denn sonst wäre ja alles zusammengebrochen, die Welt in eine tiefe Depression gefallen – und die Ökonomen jetzt ohne Job.

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Doch auch die Medien applaudierten. Das US-Magazin „Time“ kürte den US-Notenbankchef Ben Bernanke gar zum „Man of the Year.“

Jetzt, wo sich die Wirtschaft zumindest laut offiziellen Statistiken erholt, will die Öffentlichkeit natürlich schon wissen, wie die Fed denn den Geist wieder zurück in die Flasche bekommen will, um neue Spekulationsblasen und hohe Inflation zu verhindern.

Gut, am Leitzins wird vorerst nicht gedreht. Dazu sei der Aufschwung noch zu fragil, sagt Bernanke. Die Unternehmen feuern schließlich immer noch mehr Mitarbeiter als sie einstellen. Außerdem sei von Inflation auch nicht viel zu spüren. Das stimmt wohl, wenn man Inflation immer noch als Maß für die Preisentwicklung eines mehr oder weniger willkürlich zusammengeschusterten Warenkorbes definiert.

Schlappe Kreditvergabe

Nun endet offiziell Ende März das Aufkaufprogramm der Fed für hypothekenbesicherte Wertpapiere mit einem Volumen von 1250 Milliarden Dollar. Mit den MBS-Käufen wollte die Fed die Kurse stützen und die Zinsen niedrig gehalten, was soweit auch ganz gut funktioniert hat. Leider ging eine Idee von Bernanke in der Praxis nicht so auf wie erhofft. Die Banken haben das gratis bereitgestellte Notenbankgeld nämlich nicht eingesetzt, um die Konsumenten und Unternehmen mit Krediten zu versorgen. Der hoch verschuldete Privatsektor tat nämlich das, was man in einer Schuldenkrise eigentlich tun sollte: Er fing an zu sparen und baut Schulden ab, statt neue aufzutürmen. Entsprechend ist die Kreditvergabe der Banken an die Privatwirtschaft eingebrochen – zuletzt mit einer Jahresrate von 20 Prozent.

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