USA: Neue Wege für gierige Vorstände

KommentarUSA: Neue Wege für gierige Vorstände

Bild vergrößern

Andreas Henry

Die Manager-Welt ist vor allem gierig – das Vorurteil wurde in den USA wieder mal bestärkt. Dort fanden Chefs wieder einen neuen Weg, sich die Taschen vollzustopfen.

Die Selbstbedienungsmentalität vieler angestellter Manager kennt offensichtlich keine Grenzen. In den USA gab es zunächst den sogenannten Backdating-Skandal: Unternehmen datierten die Vergabe von Optionen ans Top-Management zeitlich zurück, um deren Wert zu steigern. Dann empörten die Exzesse bei Abfindungszahlungen für gefeuerte Vorstände Öffentlichkeit und Aktionäre. Ökonomen der US-Universität Drexel haben jetzt eine neue Variante des Bereicherungsspiels aufgedeckt: Kurz vor einer öffentlich noch nicht bekannten Übernahme ließen sich Vorstände der übernommenen Unternehmen noch schnell frische Aktienoptionen einräumen. Im Schnitt hätten die Chefs dadurch in kurzer Zeit 5,7 Millionen Dollar pro Kopf extra kassiert. Offenbar handelt es sich jedoch nicht um eine illegale Praxis. Denn die US-Börsenaufsichtsbehörde, die Backdating-Übeltäter noch zu hohen Vergleichszahlungen gezwungen hatte, schreckte vor einer Verfolgung der Übernahme-Profiteure zurück.

Jamie setzt ein Signal

Zugegeben: Die Übernahme-Nummer ist dreist. Angesichts der Summen, mit denen sich in diesem Jahr die Finanzbranche wieder zu überschütten gedenkt, verblassen die Options-Schneidereien der Industriemanager allerdings. Laut einer Analyse des „Wall Street Journal“ soll die Gesamtvergütung bei 23 Top-Finanzunternehmen auf rund 140 Milliarden Dollar für 2009 steigen. Das wären etwa zehn Milliarden mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. Es ist unstrittig, dass exzessive Vergütung eine große, wenn nicht die entscheidende Rolle beim Aufbau der fatalen Risikomentalität gespielt hat, die die Finanzkrise möglich gemacht hat. Doch jetzt, da der Dow Jones, in dem die wichtigsten US-Aktien versammelt sind, zum ersten Mal seit den Krisentiefständen wieder die 10.000-Punkte-Marke erobert, scheint es so, als habe sich nichts geändert.

Anzeige

Oder doch? Mit Jamie Dimon, dem Chef von JP Morgan Chase, hat sich jetzt zum ersten Mal einer der mächtigsten Banker der Wall Street für ein wenig mehr Bescheidenheit entschieden. Die Investmentbanker seines Hauses werden sich, obwohl sie bisher in diesem Jahr ein Superergebnis ablieferten, wohl mit einem etwas kleineren Stück vom Kuchen zufriedengeben müssen. Sie sollen etwa 38 Prozent ihrer Erträge erhalten. Zuvor waren es etwa 41 Prozent.

Drei Prozentpunkte sind zwar keine tektonische Verschiebung, aber wohl ein Schritt in die richtige Richtung, der Signalwirkung für andere haben könnte. Gut für Aktionäre: Für sie bleibt dann mehr übrig. Schon im nächsten Jahr soll die Dividende der JP-Morgan-Aktie wieder kräftig steigen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%