Verkaufspläne: Höchstens die Hälfte für die IKB

Verkaufspläne: Höchstens die Hälfte für die IKB

Bild vergrößern

IKB: Der Verkauf der maroden Bank soll 800 Millionen Euro bringen

Finanzminister Peer Steinbrück will die IKB für 800 Millionen Euro losschlagen. Ein Blick in die Bilanzen zeigt: Höchstens die Hälfte ist drin.

Kühl, nüchtern, trockener Humor. Finanzminister Peer Steinbrück hat für Fantastereien wenig übrig. Aber jetzt begibt sich der Zahlenmensch ins wolkige Reich der Utopie — weil er sich allen Ernstes vorstellt, der Verkauf der maroden IKB Bank werde 800 Millionen Euro ins Staatssäckel spülen.

Sieben Milliarden Euro Steuergelder wurden bisher für die Rettung des Geldhauses, an dem die staatliche KfW 43,4 Prozent hält, aufs Spiel gesetzt. Klar, dass Steinbrück diese Pein lindern will. Klar ist auch, dass einer, der etwas verkaufen möchte, den Teufel tun wird und einen zu niedrigen Preis nennt, zumal die CDU Steinbrück jetzt schon vorwirft, er verschleudere die IKB. Doch ob sich die als Interessenten gehandelten Manager der SEB, der Citibank, der Commerzbank, der BayernLB und – man höre und staune – auch der WestLB davon beeindrucken lassen, ist fraglich. Drei Faktoren sprechen dagegen, dass Steinbrück seinen Preis durchdrückt:

Anzeige

Besserungsschein. Um die IKB vor der Schließung durch die Bankenaufsicht zu retten, musste KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier der Bank am 18. Februar noch einmal eine Notspritze über 600 Millionen Euro setzen. Diesmal jedoch behält sich die KfW vor, in künftigen IKB-Gewinnjahren Geld zurückzuerhalten. Sie hat sich dafür einen Besserungsschein schicken lassen. Die Existenz der Besserungsabrede stellen weder IKB noch KfW infrage, die Ausgestaltung sei jedoch „nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, so die KfW.

Bilanzierung. Mögliche Käufer der IKB müssen in den kommenden Jahren nicht nur Geld an die KfW überweisen, sie finden in deren Bilanz auch eine Zahl, die künftige Gewinne erheblich mindern wird. Denn die Bank bucht zum 31. März ein Plus von 770 Millionen Euro in ihre Gewinnrechnung, das lediglich auf dem Papier existiert. Weil neue Bilanzregeln vorschreiben, Schulden nach ihrem Marktwert und nicht mehr nach dem Rückzahlungsanspruch der Gläubiger einzubuchen, durfte die IKB ihre Anleihen abwerten, die an der Börse zwischen 5 und 80 Prozent an Wert verloren haben. Der Unterschied zwischen niedrigem Börsenwert und höherem Rückzahlungsanspruch der Gläubiger schlägt sich in der Gewinnrechnung der IKB positiv nieder. Sollte sie aber gerettet werden, erhalten alle Anleihe-Gläubiger wie üblich 100 Prozent ihres Einsatzes wieder. Die IKB müsste dann in den kommenden Jahren den Bilanzwert der Anleihen wieder erhöhen, was unter dem Strich 770 Millionen Euro Verluste bedeuten würde.

Gewinnschwäche. 2002 gründete die IKB ihre außerhalb der Bilanz geführte Gesellschaft Rhineland Funding. Deren Fehlspekulationen trieben die IKB im Sommer 2007 an den Rand des Ruins. Rhineland ging im vergangenen Juli auf die KfW über. 13 Milliarden Euro an abwertungsgefährdetem Vermögen ist die IKB damit los.

Doch ohne die seit 2002 über Rhineland in die Höhe gehebelten Gewinne waren die Ergebnisse der IKB früher eher mau. In den Jahren 1996 bis 2001 lag der Jahresüberschuss im Schnitt bei 85 Millionen Euro. Auch bei einem gesunden Kerngeschäft – der Finanzierung des Mittelstandes – dürften in den kommenden Jahren kaum höhere Erträge anfallen. Ein Aufkäufer dürfte maximal den zehnfachen Gewinn zahlen – das entspricht Steinbrücks 800 Millionen Euro. Der Pferdefuß: In den ersten neun Jahren würde die IKB netto überhaupt nichts verdienen, weil die Erträge aus ihrem Kerngeschäft komplett benötigt werden, um die 770 Millionen Euro schwere Abwertung ihrer Anleihen abzuarbeiten.

Was ist die IKB wirklich wert?  Am 27. März muss die Hauptversammlung noch eine Kapitalerhöhung beschließen, ohne die ein Verkauf nicht möglich ist. Für eine alte IKB-Aktie sollen Altaktionäre sechs neue Papiere zeichnen. Die KfW hat garantiert, für 1,25 Milliarden Euro neue Aktien zu kaufen. Allein das hebt die Zahl der IKB-Aktien von derzeit 96,8 Millionen auf knapp 349 Millionen Stück. Sollten alle Altaktionäre mitziehen, würde sich die Zahl gar auf fast 678 Millionen Aktien erhöhen. Analysten erwarten jedoch, dass allein die KfW die Kapitalerhöhung mittragen wird.

Die von der KfW garantierten 1,25 Milliarden hat die Börse mit einem Kurssprung quittiert, sie sind im Börsenwert jetzt schon eingerechnet. Bei einem Kurs von derzeit knapp sechs Euro hätte die IKB nach der Kapitalerhöhung noch einen Marktwert von gut zwei Milliarden Euro. Viel zu hoch – deshalb hat Matthias Dürr, Analyst der DZ Bank, das Kursziel für die IKB auf nur noch einen Euro gesenkt.

Ein Euro entspräche 349 Millionen Euro Marktwert. Das wäre ein realistischerer Preis als die erhofften 800 Millionen. Trotzdem ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass Steinbrück sein Ziel noch erreicht. Er müsste die IKB einfach im Paket mit der heiß umworbenen Postbank weggeben, spotten Banker. Deutscher, Dresdner oder Commerzbank käme es dann auf ein paar Hundert Millionen Euro mehr sicher nicht an.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%