Vermögensberatung: BaFin will Accessio Lizenz entziehen

Vermögensberatung: BaFin will Accessio Lizenz entziehen

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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will dem Itzehoer Finanzdienstleister Accessio, ehemals Driver & Bengsch, die Lizenz entziehen. Accessio hat Widerspruch eingelegt. Wird die BaFin-Entscheidung gerichtlich bestätigt, darf das Unternehmen künftig keine Finanzdienstleistungen mehr erbringen.

Die BaFin versagte dem in die Kritik geratenen Finanzdienstleister im Jahr 2009 nach einem förmlichen Anhörungsverfahren das Platzierungsgeschäft von Wertpapieren und die weitere Erbringung von Finanzdienstleistungen. Dies geht aus dem Anfang Juli veröffentlichten Jahresabschluss der Driver & Bengsch AG, dem Mutterhaus der Accessio Wertpapierhandelshaus AG, hervor. Über den genauen Zeitpunkt und die Hintergründe der Entscheidung wurde nichts bekannt. Die BaFin wollte die Entscheidung nicht kommentieren.

Accessio hat nach eigenen Angaben Widerspruch gegen den Verwaltungsakt erhoben. „Wir rechnen damit im Laufe diesen Monats einen entsprechenden Entscheid zu haben“, sagte Accessio-Vorstand Carsten Bengsch. Zu weiteren Einzelheiten wollte er sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Sollte der Verwaltungsakt der BaFin gerichtlich bestätigt werden, dürfte Accessio in Zukunft keine Finanzdienstleistungen mehr erbringen.

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Fonds werden schon dichtgemacht

Obwohl eine endgültige Entscheidung noch aussteht, löst die verantwortliche Verwaltungsgesellschaft Axxion in Luxemburg drei Investmentfonds, die noch unter dem alten Namen „Driver & Bengsch" laufen, schon jetzt auf. Anleger können die Fonds derzeit nicht mehr verkaufen, die Vermögenswerte der Fonds werden von Axxion verkauft. Der Liquidationserlös soll dann an die Anleger ausgezahlt werden. Nachdem die Kurse der Fonds sich in der Vergangenheit sehr schlecht entwickelt haben, werden die Anleger jetzt auch noch zur Kasse gebeten und müssen die Abwicklungskosten tragen, die dem Fondsvermögen automatisch entnommen werden. Aufgelöst werden der Driver & Bengsch (Lux) Bond Market, Driver & Bengsch (Lux) Global Growth und Driver & Bengsch (Lux) Trend Market, die zusammen noch ein Volumen von rund vier Millionen Euro haben.

Erhalten bleibt noch der Driver & Bengsch (Lux) Vermögensmandat Global, der erst im vergangenen Jahr aufgelegt wurde. Ihn verwaltet allerdings derzeit die verantwortliche Luxemburger Verwaltungsgesellschaft Axxion selbst und sie sucht für den Fonds einen neuen Fondsmanager und Initiator. Er existiert also quasi nur noch als Hülle und wird auch einen neuen Namen erhalten. Die drei Fonds, die jetzt endgültig vom Markt verschwinden, waren unter anderem gefüllt mit Genussscheinen und Anleihen von Unternehmen wie Pongs & Zahn und Magnum, die Accessio auch direkt seinen Kunden zum Kauf angeboten hatte."





Accessio, das früher ebenfalls unter dem Namen des Mutterhauses Driver & Bengsch auftrat, war seit Mai 2008 verstärkt in die Kritik geraten. Kunden fühlten sich getäuscht, sie erlitten hohe Verluste und klagten über mangelhafte Risikoaufklärung. Accessio hatte die Anleger zunächst mit hohen Zinsangeboten, etwa auf Tagesgeld, gelockt, später aber risikoreiche Wertpapiere wie Anleihen und Genussscheine zum Kauf angeboten. Die WirtschaftsWoche berichtete in mehreren Artikeln über diese Kritik und die Hintergründe.

"Medienberichte haben Anteil an BaFin-Entscheidung"

Accessio sieht in diesen Berichten einen Grund für die Entscheidung der BaFin. So heißt es im Lagebericht des Konzernabschlusses 2008: „Zudem haben verschiedene Medien aus Sicht des Unternehmens unsachliche und tendenziöse Artikel veröffentlicht, die geeignet waren, für die Accessio Wertpapierhandelshaus AG einen Reputationsschaden auszulösen.“ Aus Sicht Accessios hätten „diese Umstände maßgeblichen Anteil daran, dass die BaFin in 2009 zunächst ein förmliches Anhörungsverfahren gegen die Accessio Wertpapierhandelshaus AG eingeleitet und im weiteren Verlauf das Platzierungsgeschäft und die weitere Erbringung von Finanzdienstleistungen versagt hat“.

Bereits im April hatten die Accessio-Vorstände André Driver und Carsten Bengsch im WirtschaftsWoche-Interview gesagt, dass das Wertpapierhandelshaus aus dem norddeutschen Itzehoe künftig keine Genussscheine und nachrangigen Anleihen mehr anbieten wolle. Auch hohe Zinsangebote auf Tagesgeld sollte es vorerst nicht mehr geben. Stattdessen planten die Accessio-Vorstände, wieder verstärkt Versicherungen zu vertreiben. Als Begründung führten Driver und Bengsch damals die Auswirkungen der Finanzkrise an.

Das Accessio-Mutterhaus, die börsennotierte Driver & Bengsch AG, erlitt im Jahr 2008 einen Verlust vor Steuern von 24 Millionen Euro. Der Hauptgrund war eine Abschreibung auf den Firmenwert der Accessio Wertpapierhandelshaus AG um fast zwei Drittel des Buchwertes, was einer Abschreibung von 24,8 Millionen Euro entspricht. Angesichts des Bilanzverlustes zahlt Driver & Bengsch den Inhabern der eigenen Genussscheine für das Jahr 2008 keine Zinsen aus, außerdem wurde ihr Rückzahlungsanspruch von 100 Euro auf nur noch 40,80 Euro reduziert. Der Aktienkurs der Driver & Bengsch AG sank seit Jahresbeginn um fast zwei Drittel und beträgt derzeit nur noch 13 Cent.

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