Versicherungen: Was Finanzinvestoren bei Lebensversicherern anrichten

Versicherungen: Was Finanzinvestoren bei Lebensversicherern anrichten

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Ältere Frauen sitzen auf einer Bank am Ufer des Ammersees in Herrsching. Die ersten Verischerer in deutschland wollen keine Neukunden mehr.

von Annina Reimann

Finanzinvestoren stehen Gewehr bei Fuß, um kränkelnden Lebensversicherern ihre Kunden abzukaufen. Für die Renditen von Versicherungsnehmern und Anlegern ist das eine schlechte Nachricht.

Lebensversicherer geben normalerweise eine Menge Geld aus, um neue Kunden zu gewinnen: für Vertreterprovisionen oder Werbespots zum Beispiel. Manche aber wollen plötzlich keine neuen Kunden mehr. Die deutschen Lebensversicherungs-Töchter der niederländischen Delta Lloyd Gruppe etwa nehmen in Deutschland künftig keine Interessenten mehr an. Dem kleinen Anbieter, der in Deutschland 580.000 Policen verwaltet, ist „der Wettbewerbsdruck zu hoch“ geworden. Die Delta Lloyd Lebensversicherung, die Hamburger Lebensversicherung sowie die Delta Lloyd Pensionskasse werden also ihr Neugeschäft einstellen.

Delta Lloyd wird nicht der einzige Versicherer bleiben, der sich aus dem umkämpften Markt zurückzieht. Brancheninsider berichten von mehreren Versicherern, die darüber nachdenken, ihr Geschäft aufzugeben. „Einige Versicherer lassen das Leben-Geschäft in der Gruppe nur noch mitlaufen und fördern das Neugeschäft nicht mehr“, sagt Tim Ockenga, der das Versicherungsteam der Ratingagentur Fitch für Deutschland leitet. Gemeint sind vor allem kleine und mittlere, kapitalschwache Versicherer. Neue Eigenkapitalregeln könnten sie dazu bringen, ihr Neugeschäft einzustellen. Die Masse der Versicherten ist nicht gefährdet, geschätzt drei Viertel von ihnen haben bei den Top 20 der Branche abgeschlossen.

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Finanzinvestoren auf der Lauer

Aber: „10 bis 20 Prozent der Branche werden konsolidieren müssen“, schätzt Carsten Zielke, Analyst bei Société Générale. Das könnte heißen: Neugeschäft einstellen, das Risiko an einen Rückversicherer übertragen oder den Kundenbestand verkaufen – an einen anderen Versicherer oder an einen Finanzinvestor. Lars Heermann, Analyst bei der Ratingagentur Assekurata, geht davon aus, dass es vor allem Kunden von Versicherern treffen wird, „die in der klassischen Lebensversicherung keine wettbewerbsfähigen Überschüsse mehr bezahlen“. Die verlieren Kunden und finden keine neuen, was ihre Probleme verschärft.

Aufgeben dürften vor allem „kleinere und mittlere Versicherer“, sagt Rechtsanwalt Gunne Bähr von der Kölner Kanzlei DLA Piper, der derzeit mehrere Versicherer zum möglichen Verkauf des Kundenbestands an einen Investor berät.

Tatsächlich stehen Finanzinvestoren Gewehr bei Fuß, um Versicherern, die die Lust am Geschäft verloren haben, ihre Kunden abzukaufen. „Im besten Fall übernehmen wir noch in diesem Jahr den ersten Lebensversicherer“, sagt Thomas Schmitt, Vorstand des Finanzinvestors Augur Capital, der nach eigenen Angaben über eine Milliarde Euro managt.

Mit einem einzigen Kundenbestand will Schmitt sich nicht zufriedengeben. Derzeit sei er mit einer Handvoll Lebensversicherern im Inland und im benachbarten Ausland im Gespräch: „Nur wenn wir mehrere Bestände kaufen, wirtschaften wir erfolgreich“, sagt er.

Während ein kleiner Versicherer hohe Verwaltungskosten habe, könne ein Investor mehrere Bestände effizienter managen. Und so den Kunden auf der einen Seite theoretisch mehr Überschuss bezahlen als ein kleiner Anbieter – aber eben auch eine höhere Marge für sich herausschlagen. Es mache aber keinen Sinn, sagt Schmitt, wenn man zu wenig Überschuss zuteile, dann stornierten zu viele Kunden.

Achim Bauer, der als Partner der -Beratungsgesellschaft PwC europäische Versicherer strategisch berät, mag den Beteuerungen der Finanzinvestoren nicht so ganz glauben. Er schätzt, dass Private-Equity-Investoren kein Interesse haben, hohe Überschüsse zu bezahlen: „Sie rechnen mit bis zu 25 Prozent Rendite und verkaufen den Bestand nach ein paar Jahren.“ Anders als Versicherer, die im Geschäft bleiben wollen, haben Investoren kein Interesse daran, hohe Überschüsse auszuzahlen – neue Kunden wollen sie schließlich nicht mehr überzeugen.

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