
NEW YORK. Der Chef des angeschlagenen US-Versicherers AIG hat sich offenbar gegen die Pläne der Regierung zur weitgehenden Zerlegung des Unternehmens durchgesetzt. In einem Beitrag für die Mitarbeiterzeitschrift erklärte Robert Benmosche, der in der Krise verstaatlichte Konzern werde das weltweite Haftpflicht- und Sachversicherungsgeschäft und den Bereich Lebensversicherungen in den USA als seinen Kern behalten. Durch den Verkauf von Randgeschäften sollten die Staatshilfen zurückgezahlt werden. "Wenn wir an die Zukunft denken, ist es die wichtigste Aufgabe, dass wir die Verbindlichkeiten begleichen", sagte er dem Mitarbeitermagazin.
Insgesamt waren über 182 Mrd. Dollar an Staatshilfen in den Konzern geflossen, der sich mit Kreditderivaten verspekuliert hatte. Benmosche ist der zweite Vorstandschef, der sich an der Rettung des ehemals weltgrößten Versicherers versucht.
Anders als sein Vorgänger Ed Liddy scheut Benmosche nicht den offenen Konflikt mit der Regierung. Er kämpft für eine wettbewerbsfähige Bezahlung der Mitarbeiter und den Erhalt zumindest des Kerns des Unternehmens. Im Winter hatte der erst im August 2009 inthronisierte Ex-Chef des Lebensversicherer Metlife sogar mit Demission gedroht, falls ihm die Aufsichtsbehörden einen Strich durch die Rechnung machten. Den Mitarbeitern erklärte er in dem Magazinbeitrag, er wolle keine Konzernteile mehr unter Wert verkaufen und so die Bonuspools der Investmentbanken vergrößern. "Ich will unseren (Bonuspool) vergrößern", sagte er.
Benmosche skizzierte die Zukunft des Konzerns so: Mit dem weltweiten Sachversicherungs- und dem US-Lebensversicherungsgeschäft als Kern beginne man wieder seine alte Statur zurückzugewinnen. Wichtig sei nun, beim Verkauf des internationalen Lebensversicherungsgeschäfts und der US-Tochter AIA die richtigen Preise zu erzielen. Keine Rede ist mehr vom Verkauf der Sachversicherungstochter Chartis oder der japanischen Einheiten AIG Edison und AIG Star Life. "Es war klar, dass wir nicht die angemessenen Preise dafür erzielen können", sagte Benmosche. Man werde nun versuchen, die Einheiten effektiver machen. Für die Flugzeugleasingtochter ILFC, eines der weltweit größten Firmen der Branche, müsse die kurzfristige Refinanzierung sichergestellt werden. Zeitweise hatte aus ILFC zum Verkauf gestanden.
Parallel zu dieser Mitarbeitermotivationsaktion setzte Benmosche gestern die Anwerbung neuer Führungskräfte fort. So wird Peter Hancock, der das Derivategeschäft bei JP Morgan aufbaute, zukünftig die Risikosteuerung bei AIG leiten. Trotz der staatlichen Gehälterkontrollen kann AIG ihm mit knapp vier Mio. Dollar offenbar auf Druck Benmosches ein wettbewerbsfähiges Salär zahlen.








