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Vertrauenskrise: Fitch warnt vor Illusionen über Banken in Osteuropa

von Stefan Menzel Quelle: Handelsblatt Online

Die Ratingagentur Fitch sieht die Verstaatlichung der Hypo Group Alpe Adria als ein warnendes Beispiel. Das Vertrauen der westlichen Banken ist dahin. Etliche könnten dem Beispiel der belgischen Großbank KBC folgen - und sich aus Osteuropa zurückziehen.

Ein abschreckendes Beispiel? Die Krise der Hypo Group Alpe Adria hat das Vertrauen der Anleger beschädigt. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Ein abschreckendes Beispiel? Die Krise der Hypo Group Alpe Adria hat das Vertrauen der Anleger beschädigt. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

WIEN. Die Banken- und Kreditkrise ist in Osteuropa noch nicht vorüber, warnt die Ratingagentur Fitch vor überzogenem Optimismus. "Einige Marktteilnehmer könnten ihre Osteuropa-Strategie in diesem Jahr noch einmal überdenken", glaubt der verantwortliche Fitch-Direktor Michael Steinbarth. Der Osteuropa-Experte meint damit Banken, die sich im Gegensatz zu früheren Bekundungen doch noch aus der Region zurückziehen könnten. Beispielhaft nennt Fitch den Rückzug der BayernLB bei ihrer stark in Ex-Jugoslawien vertretenen österreichischen Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA).

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Fitch-Direktor Steinbarth sieht durchaus noch die Möglichkeit, dass sich auch andere westliche Banken aus Osteuropa verabschieden werden. Weitere konkrete Beispiele nennt er zwar nicht. Aus Sicht von Fitch könnten sich Kredithäuser zurückziehen, die mit vergleichsweise kleinen Tochtergesellschaften in der Region Osteuropa vertreten sind.

Der Fall der BayernLB und der HGAA ist aus Fitch-Sicht eine Blaupause, die sich durchaus noch einmal wiederholen könnte. Der Münchener Landesbank stand nicht mehr ausreichend Geld zur Verfügung, um die marode Tochter in Klagenfurt zu stützen. Das Land Bayern als Eigentümer hat wegen der Wirtschaftskrise auch an finanziellem Spielraum verloren und kann die BayernLB nicht mehr so umfangreich wie in der Vergangenheit stützen. Beiden sitzt zudem die EU im Nacken, die den Verkauf von Teilen der Bank verlangt, weil der Staat der BayernLB gewaltige Milliardenbeträge als Hilfszahlungen überwiesen hatte.

Für Fitch ist die Verstaatlichung der HGAA Ende vergangenen Jahres ein Weckruf mit negativen Konsequenzen. "Das ist ein Vorgang, der das Marktvertrauen durchaus beeinträchtigt haben könnte", betont Fitch-Experte Steinbarth. Investoren seien dadurch erinnert worden, dass die Krise in Osteuropa eben noch nicht ausgestanden sei. Positiv bewertet die Ratingagentur die Entscheidung der österreichischen Regierung zur Verstaatlichung der Hypo Alpe. Ein möglicher Flächenbrand in Osteuropa sei dadurch vermieden worden.

Unter Österreich Großbanken, die wichtigsten internationalen Geldhäuser für ganz Osteuropa, wird sehr wohl die Gefahr gesehen, dass das Negativbeispiel HGAA auf sie abfärben könnte. "Doch der Eindruck ist falsch, Österreichs Banken gehe es schlechter in der Krise als anderen Banken", sagt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Unicredit-Tochter Bank Austria, der größten Bank in Österreich und Osteuropa. Relativ gesehen würden die größten Banken der Alpenrepublik immer noch besser verdienen als die wichtigsten Kreditinstitute in Deutschland und der Schweiz.

Die belgische Großbank KBC wird das nächste Bankhaus sein, das sich analog zur BayernLB zumindest ansatzweise aus Osteuropa zurückzieht. Zu Wochenbeginn wurden Pläne bekannt, wonach KBC zwischen 30 und 40 Prozent ihrer tschechischen Tochter an die Prager Börse bringen könnte. Zudem gibt es auch Überlegungen von KBC, sich bei der größten slowenischen Bank NLB zurückziehen. Nach slowenischen Presseberichten interessiert sich das spanische Bankhaus Santander für den 30-Prozent-Anteil an NLB.

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