Verursacher der Finanzkrise: Jagd auf Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co.

Verursacher der Finanzkrise: Jagd auf Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co.

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john paulson

von Andreas Henry, Christian Ramthun und Cornelius Welp

Die US-Aufsicht SEC attackiert die Wall Street wegen zweifelhafter Finanzkrisen-Geschäfte. Banken und Hedgefonds wie der von John Paulson verdienten an den Deals Milliarden, zum Beispiel auf Kosten der IKB-Bank. Neben Goldman Sachs steht auch die Deutsche Bank im Feuer.

Steve Eisman vom Hedgefonds Front Point konnte es kaum fassen. Das Angebot war einfach zu gut: Greg Lippmann, Wertpapierhändler der Deutschen Bank in New York, bot ihm CDS an – Kreditversicherungen, mit denen sich auf einen Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts wetten ließ. Nur zwei Prozent Versicherungsprämie pro Jahr sollte Eisman dafür zahlen. Eisman war damals, im Sommer 2006, schon davon überzeugt, dass viele mittellose US-Hauskäufer ihre Schulden bald nicht mehr bedienen würden – sodass die Kredite platzen und die von Lippmann angebotenen CDS-Kreditversicherungen ihren Wert vervielfachen würden. Trotzdem zögerte Eisman. Er begriff nicht, wer gegen ihn wetten wollte, wer also das Risiko auf sich nehmen wollte, ihm solch halsbrecherische Versicherungen gegen den Zusammenbruch des todgeweihten Markts für US-Immobilienkredite schwacher Schuldner (Subprime-Markt) zu verkaufen.

„Wer ist auf der anderen Seite?“, fragte er Lippmann, „wer ist der Idiot?“ Die Antwort des Deutsche-Bank-Händlers: „Düsseldorf. Dumme Deutsche. Die nehmen die Ratingagenturen ernst. Die glauben an die Regeln“.

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Düsseldorf. Dort sitzt die Deutsche Industriebank (IKB), die knapp ein Jahr später vom deutschen Steuerzahler vor der Pleite gerettet werden musste. „Wenn wir Lippmann fragten, wer den Mist kaufte, sagte er immer nur: Düsseldorf“, bestätigte Eismans Kollege bei Front Point, Vincent Daniel.

"Dumme Deutsche"

Überliefert hat die Dialoge zwischen dem Deutschbanker und den Hedgefonds-Managern der Exbanker und renommierte Finanzjournalist Michael Lewis, in seinem gerade erschienenen Buch „The Big Short“. Seine Darstellung wurde nach Angaben seines Verlags Penguin bisher von niemandem angefochten. In Deutsche-Bank-Kreisen heißt es dazu etwas hilflos, einige Formulierungen in dem Buch seien „so nicht akzeptabel“.

Laut Lewis verkaufte die Deutsche Bank vor dem großen Crash, der Mitte 2007 einsetzte, Milliardensummen an CDS-Versicherungen gegen den Crash an Hedgefonds. Auf der anderen Seite dieser Geschäfte, die Hedgefonds reich machten, standen nicht zuletzt die überforderten Investoren in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Zu oft lag die IKB bei Derivategeschäften um US-Immobilien falsch. Bei Deals von Lippmanns Arbeitgeber Deutsche Bank, bei anderen Investmentbanken und auch bei Geschäften mit der US-Investmentbank Goldman Sachs (siehe Grafik Seite 85). Im Juli 2007 machte dann Lippmanns oberster Chef Josef Ackermann auf die existenzbedrohende Schieflage der IKB aufmerksam. Er alarmierte Bundesbank und Finanzministerium – nachdem er der IKB die Kreditlinien gestrichen hatte. Er wird gewusst haben, warum.

Paulson verdiente an der Finanzkrise Milliarden

Das Geschäft mit den dusseligen Düsseldorfern überzeugte Eisman letztlich. Sein Hedgefonds wettete auf einen Einsturz des US-Immobilienmarkts und verdiente in der Finanzkrise insgesamt 400 Millionen Dollar mit CDS. Fast zehnmal so viel gewann John Paulson, Gründer des Hedgefonds Paulson & Co: Als der Subprime-Markt 2007 zusammenbrach, verdiente er persönlich 3,7 Milliarden Dollar. Sein Hedgefonds sackte insgesamt weitere elf Milliarden Dollar ein.

Paulson hatte ebenfalls mit der Deutschen Bank Geschäfte gemacht – und er hatte auf Lippmanns Argumente gehört, die der in einer Präsentation vom August 2006 mit dem Titel „Wetten auf den Wertverfall riskanter Hauskreditpakete“ zusammengefasst hatte. Untertitel: „Eine Strategie, um bei einem sich verlangsamenden Häusermarkt abzukassieren.“ In einem Brief an seine Investoren behauptete Paulson dagegen noch vor wenigen Tagen, „bis zu dem Marktkollaps seien Immobilienkredite als eines der sichersten möglichen Investments betrachtet“ worden. Die ihm bekannten Argumente von Deutsche-Bank-Händler Lippmann vom August 2006 sagen etwas anderes.

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