
DÜSSELDORF. Nervosität hat an der Börse einen Namen: Volatilität, die Schwankungsintensität der Börsenkurse. Da Börsianer sich für jede Art von Börsen-Statistik begeistern können, haben sie für die Messung der eigenen Nervosität Indizes erfunden, die sogenannten Volatilitäts-Indizes. In denUSA ist das zum Beispiel der Vix (Chicago Board Options Exchange Volatility Index), in Deutschland ist es der VDax New, für den europäischen Aktienmarkt ist es der VStoxx.
Diese Volatilitäts-Indizes messen die erwartete (implizite) Schwankungsintensität der jeweils dazu gehörenden Aktienindizes, in diesen Fällen sind dies der S&P 500, der deutsche Leitindex Dax und der Euro Stoxx 50.
Konkret: Der Vix, der VDax New und der VStoxx zeigen an, mit welcher Schwankungsbreite der betreffenden Indizes die Investoren an der Terminbörse in den kommenden 30 Tagen rechnen. Je hektischer das Börsentreiben ist, desto schneller steigen die betreffenden Volatilitätsindizes. Das ist seit Tagen eindrucksvoll zu beobachten, lasten doch die Sorgen über die finanzielle Stabilität einiger Euro-Länder stark auf den Aktienkursen. So ist beispielsweise der VDax New, der die Volatilität des Dax misst, in den vergangenen Tagen von 18 auf 33 Punkte angestiegen, der Kurs des VStoxx, dem Volatilitätsindex für den Euro Stoxx 50, hat sich von rund 20 auf fast 40 Punkte verdoppelt. Solche Indexsprünge kommen vor allem dann vor, wenn die Aktienkurse fallen, wie beispielsweise am vergangenen Freitag, als der Dax-Index innerhalb weniger Minuten mehr als 100 Punkte verlor.
Das Dilemma, vor dem Anleger nun stehen, ist die Einschätzung der weiteren Entwicklung: Steigt die Volatilität weiter an? Oder beruhigt sich der Aktienmarkt wieder? Je nach persönlicher Prognose bieten sich Investoren verschiedene Strategien an.
Steigt die Volatilität weiter ...
Für Anleger, die von einem weiteren Anstieg der Volatilität ausgehen, haben die Emittenten in den vergangenen Jahren immer wieder eine Reihe von Zertifikaten, die auf einem Volatilitätsindex basieren, als Instrument zur Absicherung oder Spekulation herausgegeben. Das Problem dieser Papiere: Volatilitätsindizes sind nicht direkt handelbar. Es gibt nur Futures auf sie, die als Basiswert dienen können. Für Endlos-Zertifikate bedeutet das: Emittenten müssen monatlich neu in diese Futures investieren.
Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope erklärt die Problematik: "Da insbesondere in Phasen niedriger Volatilität stets die Angst herrscht, die Volatilität könnte steigen, ist der nächstfällige Future fast immer teurer als der aktuelle. Deshalb bekommen Anleger fürs gleiche Geld weniger Future-Anteile. So entstehen bei Endlos-Zertifikaten auf Volatilitätsindizes beim Tausch von einem Future in den nächsten oft sogenannte Rollverluste." Diese Rollverluste sind so markant, dass Investoren in der Vergangenheit mit fast allen Volatilitäts-Zertifikaten selbst bei steigenden Marktschwankungen Verluste erzielten.
Auch bei den derzeit einzigen Vola-Investments dieser Art auf dem Markt, drei Exchange Traded Notes (ETN) auf den VStoxx (WKN: BC2KTT) und den S&P 500 Vix (WKNs: BC1C7Q und BC1C7R), müssen Anleger mit negativen Roll-Effekten rechnen. Der Emittent verspricht zwar, mit einem neuartigen Rollmechanismus diesen Effekt etwas zu mindern.
Doch Anleger sollten sich aus einem ganz anderen Grund überlegen, ob sie jetzt noch auf den Vola-Zug aufspringen wollen. Denn es ist ungewiss, ob die Volatilität in den kommenden Wochen noch einmal so stark steigt oder ob sich die Aufregung an den Märkten wieder etwas legt.
?oder fällt die Volatilität wieder?
"Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die implizite Volatilität auf kurz oder lang wieder zu ihrem vordefinierten langfristigen Durchschnitt zurückkehrt. Man spricht hier von der sogenannten Mean Reversion", sagt Sebastian Bleser von Société Générale.
Seit die Schwankungsintensitäten an den Börsen gemessen werden, war immer wieder zu beobachten, dass die Volatilitäten zwar des Öfteren sprunghaft anstiegen, danach jedoch langsam zu einem historischen Mittelwert zurückkamen. Bei Vix, VDax und beim VStoxx liegt dieser Mittelwert bei etwa 15 bis 20 Indexpunkten. "Auf diesen Effekt können Anleger mit den passenden Zertifikaten setzen", so Bleser. Gemeint sind Produkte, die aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Volatilität derzeit günstig zu haben sind und indirekt das Thema Volatilität spielen.
Dazu zählen beispielsweise auch Discount-Zertifikate: Die Papiere sind preiswerter als der jeweilige Basiswert, auf den sie sich beziehen. Das wird dadurch möglich, dass der Emittent an der Terminbörse Optionen auf diesen Basiswert verkauft. Dieser Erlös wird als Rabatt an den Anleger weitergegeben. Der Effekt: Je heftiger die Aktienkurse schwanken, desto teurer werden Optionen, und desto mehr Rabatt bieten die Zertifikate. Je nach Basiswert sind derzeit Papiere zu haben, die sowohl einen vergleichsweise hohen Discount als auch eine ansehnliche Maximalrendite bieten. Zum Beispiel bei einem Discountzertifikat auf TUI (WKN: BN34UT) von BNP Paribas. Das Zertifikat bietet auf Jahresbasis derzeit einen maximalen Ertrag von mehr als 37 Prozent, bis zum Laufzeitende am 23. September sind das unter dem Strich mehr als zwölf Prozent. Selbst wenn die Aktie bis dahin noch 20 Prozent an Wert verlieren sollte, machen Anleger dank des gestiegenen Rabatts mit dem Papier keinen Verlust.
Rund 18 Prozent per annum sind mit einem Discountzertifikat auf die Deutsche Börse drin (WKN: TB7HQV). Der Discount ist mit 14 Prozent nicht so hoch wie bei dem oben genannten TUI-Discounter, dafür ist der Basiswert aber auch nur halb so volatil. Attraktive Capped Bonuszertifikate Doch nicht nur Discountzertifikate haben sich aufgrund der gestiegenen Volatilität verbilligt. "Grundsätzlich sind alle Zertifikate, die mit einem Cap ausgestattet sind, derzeit günstiger zu haben. Denn all diese Papiere reagieren stark auf eine Zu- oder Abnahme der Volatilität", erklärt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus.
Das gilt insbesondere für Bonuszertifikate mit Cap. Denn hier kommt ein weiterer Faktor ins Spiel, der diese Zertifikate besonders sensibel für das Auf und Ab an der Börse macht: Die Barriere, die dafür sorgt, dass Kursverluste des Basiswertes bis zum Erreichen dieser Schwelle ohne Folgen für die Auszahlung am Ende der Laufzeit bleiben, besteht aus einer sogenannten Down-and-Out-Option. Sobald der Kurs des Basiswertes die Barriere berührt oder unterschreitet, verfällt die Option. Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass das jeweilige Bonuszertifikat, in dem die Option verbaut ist, umso sensibler auf Kursbewegungen reagiert, je näher der Kurs des Basiswertes an den Barriere-Wert rückt. Mit anderen Worten: Bonuszertifikate mit Cap, deren Basiswert in den vergangenen Tagen Kursverluste erlitten hat, sind nun zum Teil zu Schnäppchenpreisen zu haben.
Wie ein Capped Bonuszertifikat auf den Euro Stoxx 50 von Société Générale (WKN: SG1KFB). Der Abstand zur Barriere beträgt rund 26 Prozent, die Bonusrendite liegt bei einer Restlaufzeit von sechs Monaten bei 19 Prozent. Per annum sind das rund 33 Prozent Rendite. Mit einem vergleichbaren Capped Bonuszertifikat auf den etwas schwankungsärmeren Dax können Investoren eine Bonusrendite von 32 Prozent per annum erzielen (WKN: SG1CD5).
Fazit: Neue Instrumente für Anleger
Anleger, die davon ausgehen, dass die Volatilität an den Aktienmärkten in den kommenden Tagen und Wochen noch ansteigt, haben seit kurzem mit den von Barclays aufgelegten Volatilitäts-ETNs neue Instrumente zur Hand. In der Vergangenheit haben sich antizyklische Investments jedoch oft besser bewährt. Insbesondere der Weg, die derzeit hohe Schwankungsbreite nicht über Volatilitätsindizes, sondern über verschiedene Zertifikatearten zu nutzen - Discount- und Capped Bonuszertifikate - bietet sich an.








