_

Vorsorge: Null Risiko bei Lebensversicherungen?

von Ingrid Herden

Kunden drohen Einbußen bei Sicherheit oder Rendite: Denn Lebensversicherungen müssen ihr Geld, das in Staatsanleihen investiert ist, trotz Krise auch künftig nicht gegen Wertverluste absichern.

Logo der Allianz: Trotz Krise Quelle: REUTERS
Logo der Allianz: Trotz Krise müssen Lebensversicherungen ihr Geld, das in Staatsanleihen investiert ist, auch künftig nicht gegen Wertverluste absichern Quelle: REUTERS

Preisfrage bei einem Branchentreff der Assekuranz im Frühjahr in München: „Weiß jemand, mit wie viel Eigenkapital europäische Versicherer künftig ihre Staatsanleihen absichern müssen?“, fragt der oberste Branchenaufseher Thomas Steffen. Nur eine Hand zeigt auf: „Mit null Prozent“, sagt der Manager und liegt goldrichtig. Seitdem ist viel passiert: Griechenland musste mit Milliardenhilfen vor dem Bankrott gerettet werden, gerade bangen Anleger um Spanien. Doch das Risiko, dass Wackel-Staaten ihre Anleihen nicht bedienen können, bleibt null – jedenfalls bei den Anlagevorschriften für Versicherer.

Anzeige

Ungeachtet der fundamental geänderten Finanzlage, halten EU-Kommission, Politik und Finanzbranche eisern daran fest: Staatsanleihen, egal, welcher Bonität, seien ein sicherer Hafen für Geldanlagen. Derart realitätsferne Bewertungen könnten deutsche Lebensversicherte mittelfristig mit Abstrichen bei der Sicherheit ihrer Einlagen oder Einbußen bei der Gewinnbeteiligung bezahlen: „Die Vorschriften können dazu führen, dass Versicherer verstärkt in scheinbar risikolose Kapitalanlagen investieren, die eine geringere Rendite erwarten lassen“, warnt Reiner Will, Chef der Ratingagentur Assekurata – statt etwa in rentablere Immobilien, die weniger riskant sind als so manche Anleihen, aber höher besichert werden müssen. Von gut 700 Milliarden Euro Kapitalanlagen steckten die Versicherer 2009 fast ein Drittel in Staatsdarlehen und -Anleihen.

Selbst bei dem künftigen Finanzabkommen Solvency II hat keine Anlage eine so günstige Bewertung wie Staatsanleihen. Solvency II ist ein Projekt der EU-Kommission, es geht um die Eigenkapitalausstattung von Versicherern. Im Prinzip soll Solvency II von 2012 an dafür sorgen, jede Kapitalanlage passgenau nach ihrem Risiko abzusichern.

Immobilien ausgebremst

In den neuen Praxistests im Herbst sieht die EU-Kommission für strategische Unternehmensbeteiligungen eine Kapitalunterlegung von 22 Prozent vor, bei Aktien muss das Kapital einen Einbruch zwischen 39 und 49 Prozent auffangen. Immobilien-Investments, als sicherer Hafen gegen Finanzkapriolen gefragt, müssen mit 25 Prozent hinterlegt werden.

„Das ist eine Bremse für hochattraktive Immobilien-Anlagen“, klagt Michael Morgenroth, Vorstand bei der Gothaer Asset Management. „Eine solche Quote ist vielleicht angemessen für den britischen Markt – aber für den deutschen ist sie hanebüchen. Die Versicherer werden so in risikoreichere Anlagen getrieben.“

Länderrisiken im Gleichschritt

In Deutschland hatten sich die Immobilienpreise vor der Krise weit weniger rasant entwickelt als etwa auf der Insel, dafür sind sie im Crash relativ stabil geblieben. Heinz-Jürgen Schwering, Vorstand bei Axa in Köln: „Deutschland ist als Anlagestandort tendenziell benachteiligt.“

Doch im einheitlichen Europa sind unterschiedliche Länderrisiken schon aus politischen Gründen verpönt. Das gilt für Immobilien ebenso wie für Staatsanleihen. Obwohl südeuropäische Papiere derzeit Zockeranlagen sind, sollen die Versicherer sie genauso risikolos einstufen wie niederländische oder deutsche.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 31.05.2010, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: Brancheninsider

    Da kann man den Gesetzgebern mal wieder nur ihrer kompletten ignoranz der Realität gratulieren. Nicht nur, dass sklavisch an sogenannten Risiko-Manangement-Systemen, wie dem völlig pro-zyklischen und damit Risikoerhöhenden Value-at-Risk festgehalten wird, sondern auch an primitiven Ratings. Anstatt wieder den guten alten Menschenverstand zu bemühen suggerieren die Systeme, die von finanzmarktkenntnisfreien Mathematikern und Physikern entwickelt wurden, eine Sicherheit die schon lange nicht mehr gegeben ist. in 2007 ließen die Systeme nach jahrelanger Hausse eine Erhöhung der Aktienquote zu, nur um die deutschen Versicherer im Tiefstpunkt in 2009 zur Reduktion der Quoten auf nahe 0 zu zwingen. Wenn man dieses Fehlerhafte Konzept mal Minus eins nähme, wäre es sinnvoll und würde gleichzeitig zur Glättung der Marktbewegungen beitragen. Die Versicherten hätten höhere Renditen und die Wirtschaft das notwendige Produktivkapital um Arbeitsplätze zu schaffen. Statt dessen will der Staat lieber seine "sicheren" Staatsanleihen unterbringen, und damit auch noch das letzte bischen Rendite für die Sparer vernichten. Es bleibt also nur, direkt in Aktien und Aktienfonds zu investieren oder zumindest in eine Fondspolice. Eine klassische LV, so beliebt sie auch bei deutschen Kunden sein mag, kann mit den neuen Regeln nur noch zu massiver Enttäuschung - wenn nicht gar nach inflation zu einer Wertvernichtung führen. Staatsanleihen gehören mittlerweile zu den risikoreichsten Anlagen überhaupt. Durch die neuen Regeln ist die nächste banken und Versicherungskrise vorprogrammiert.

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Dem Staat nichts schenken
Dem Staat nichts schenken

Steuern sparen ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen. Eine Kapitalanlage nur um des Steuersparen Willens...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.