21,8 Milliarden Euro : Krankenversicherungen häufen Rekordreserven an

21,8 Milliarden Euro : Krankenversicherungen häufen Rekordreserven an

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Immer mehr Kassen halten Finanzreserven erheblich über der zulässigen Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben.

Vor drei Jahren drohten tiefrote Zahlen und ein zweistelliges Milliarden-Defizit. Das ist lange her: Inzwischen sitzt die Gesetzliche Krankenversicherung auf einem dicken Finanzpolster.

Die gute Konjunktur und der Beschäftigungsboom haben die Reserven der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf den Rekordwert von rund 21,8 Milliarden Euro ansteigen lassen. Angesichts dessen wird der Ruf nach Entlastung der rund 50 Millionen Beitragszahler lauter. Insgesamt sind etwa 70 Millionen Bürger in der GKV versichert.

Wie das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte, haben die Krankenkassen zum Ende des ersten Halbjahres 12,8 Milliarden Euro als Polster angesammelt. 9 Milliarden gingen an die Geld-Umverteilungsstelle der Kassen, den Gesundheitsfonds. Nur ein Teil des Geldes ist als Pflichtreserve gebunden.

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Der Überschuss der Kassen betrug in den ersten sechs Monaten 2,7 Milliarden Euro, bei Einnahmen von rund 94,8 Milliarden. Die Einnahmen stiegen im Vorjahresvergleich infolge gestiegener Löhne und Renten um 3,1 Milliarden Euro, die Ausgaben sanken um 2,8 Milliarden Euro.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) appellierte an die besonders gut aufgestellten Kassen, Geld an die Versicherten zurückzugeben. Diese sollten durch Leistungsverbesserungen und Prämienausschüttungen profitieren. „Krankenkassen sind keine Sparkassen“, sagte Bahr. Als Gründe für die positive Entwicklung nannte er neben der guten Entwicklung der Wirtschaft und den Beschäftigungszuwächsen auch die spürbaren Anstiege von Löhnen und Renten sowie das Arzneimittelsparpaket der Bundesregierung.

Entscheidungshilfe: Gesetzlich oder privat versichern?

  • Verdienen sie mehr als die nötige Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 53.550 Euro im Jahr?

    Ja: PKV geht
    Nein: Sie dürfen aus gesetzlichen Gründen nicht in die PKV

  • Sind Sie sich sicher, dass Sie zeitlebens auch höhere PKV-Beiträge zahlen können?

    Ja: spricht für die PKV,
    Nein: überlegen Sie es sich zwei Mal - Drin gefangen, drin gehangen

  • Haben Sie Familie? Oder planen Sie eine eigene Familie?

    Ja: in der GKV sind ihre Kinder kostenlos mitversichert, in der PKV kosten sie im Schnitt 120 Euro pro Kind und Monat extra
    Nein: dann ist die PKV für Sie vermutlich günstiger als die GKV

  • Legen Sie Wert auf Kinderbetreuung im Krankheitsfall?

    Ja: GKV übernimmt sie unter Voraussetzungen
    Nein: spricht für die PKV, in der Kinderbetreuung nicht als Standardleistung gilt

  • Legen Sie Wert auf Eltern-Kind-Kuren?

    Ja: diese Leistung übernimmt nur die GKV
    Nein: dann kann eine private Krankenversicherung günstiger sein

  • Legen Sie Wert auf die Erstattung von Brillen?

    Ja: davon zahlt die GKV nichts, nur die PKV
    Nein: spräche für GKV

  • Legen Sie Wert auf unauffälligen Zahnersatz?

    Ja: die GKV spart daran, dort bräuchten Sie eine private Zahnzusatzversicherung, bei der PKV brauchen Sie diese in der Regel nicht
    Nein: dann reichen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung aus

  • Legen Sie Wert auf alternative Heilmethoden?

    Ja: achten Sie auf die Wahl des GKV-Anbieters, einige erstatten auch Akupunktur und andere Verfahren. Oft ist die PKV aber kulanter

    Nein: GKV reicht aus

  • Legen Sie Wert auf Krankentagegeld, falls Sie länger als sechs Wochen in einem Jahr unter der selben Krankheit leiden und der Arbeitgeber deshalb die Lohnfortzahlung einstellen kann?

    Ja: die GKV zahlt. Die PKV zahlt Krankentagegeld nur, wenn diese Leistung zusätzlich vereinbart und über höhere Beiträge bezahlt wird
    Nein: dann spielt dieser Aspekt bei der Entscheidung GKV oder PKV keine Rolle

  • Sind Ihnen Wohlfühl-Elemente wie Einzelzimmer und Chefarztbehandlung wichtig?

    Ja: das spricht für eine Privatversicherung

    Nein: dann genügen die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse

  • Sind Sie bereit und in der Lage, Arzthonorare – auch für eine ganze Familie - vorzuschießen?

    Ja: Dann ist die PKV kein Problem
    Nein: dann ist der Abrechnungsmodus der GKV besser. Sie zahlt sofort.

Immer mehr Kassen hätten Finanzreserven erheblich über der zulässigen Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben. Von Prämienauszahlungen profitierten derzeit gerade einmal rund 700 000 Versicherte - das sind nur ein Prozent. Im Rest des Jahres dürfte der Überschuss der Kassen laut Ministerium erfahrungsgemäß deutlich geringer ausfallen.

Den Angaben zufolge stiegen die Leistungsausgaben je Versicherten in den ersten sechs Monaten um 3,2 Prozent, die Arzneimittelausgaben um 3,1 Prozent je Versicherten. Trotz dieser Zuwachsrate blieben die Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr um rund 560 Millionen Euro unter den Ausgaben des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.

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Der GKV-Spitzenverband warnte, die hohen Summen dürften „den Blick nicht darauf verstellen, dass der Überschuss aus dem ersten Halbjahr 2012 lediglich einer Reserve von 5 Tagen entspricht und dass der Gesundheitsfonds ein Minus von fast 500 Millionen Euro gemacht hat“, sagte Verbands-Sprecher Florian Lanz. Über Prämienrückerstattungen entscheide jede Krankenkasse aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation selbst.

Dabei seien die steigenden Leistungsausgaben, die Kürzung des Bundeszuschusses im kommenden Jahr und die Risiken im Euro-Raum zu bedenken. Dafür müssten die Krankenkassen ihre Rücklagen ausbauen.

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