
Die gute Konjunktur und der Beschäftigungsboom haben die Reserven der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf den Rekordwert von rund 21,8 Milliarden Euro ansteigen lassen. Angesichts dessen wird der Ruf nach Entlastung der rund 50 Millionen Beitragszahler lauter. Insgesamt sind etwa 70 Millionen Bürger in der GKV versichert.
Wie das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte, haben die Krankenkassen zum Ende des ersten Halbjahres 12,8 Milliarden Euro als Polster angesammelt. 9 Milliarden gingen an die Geld-Umverteilungsstelle der Kassen, den Gesundheitsfonds. Nur ein Teil des Geldes ist als Pflichtreserve gebunden.
Bild: dpaMit günstigen Preisen locken
Wer sich im Internet für Krankenversicherung interessiert, findet ganz schnell auch Anzeigen, in denen eine private Krankenversicherung für 49 Euro im Monat versprochen wird. Experten raten ab: In nur ganz wenigen Fällen kommen solche Beiträge überhaupt zustande. Wer so wirbt, hat meist nur ein Ziel: Die Daten des Interessenten einsammeln.
Bild: gmsAdressen weiter verkaufen
Im Internet sind viele professionelle Adressenhändler unterwegs. Wer seine Daten in einem scheinbar unabhängigen Portal für einen kostenlosen Vergleich eingibt, muss damit rechnen, dass er später mit Emails oder Anrufen bombardiert wird. Denn die Adressensammler verkaufen die Kontaktdaten an interessierte Vermittler weiter, die genau wissen, wie sie einen Versicherungsvertrag am besten verkaufen.
Bild: dpaGierige Vermittler rausschicken
Nur wer eine private Krankenversicherung tatsächlich auch verkauft, verdient in der Vermittlerbranche Geld damit. Denn nur dann kassiert er Provision. Das Prinzip dabei: Je höher der Monatsbeitrag des Kunden, umso besser die Provision des Verkäufers. Nach den neuen Regeln wird der Monatsbeitrag hier in der Spitze mit dem Faktor neun multipliziert. Früher ging es bis zum Faktor 15 hoch.
Bild: dpaHohen Eigenanteil aufbrummen
Das Prinzip in der privaten Krankenversicherung: Je mehr der Kunde im Falle einer Krankheit selbst bezahlt, umso niedriger wird sein Monatsbeitrag. Wer also einen Selbstbehalt von mehreren hundert bis zu 1000 Euro vereinbart, hat die Chance auf Prämien von weniger als 200 Euro.
Bild: dpaRechnungen nur teilweise zahlen
Jeder Versicherer hat seine eigenen Bedingungen. Daraus ergibt sich, was er im Zweifel bezahlt und was nicht. Für den Kunden ist das von vornherein schwer ersichtlich, deshalb haben die Analysten von Franke & Bornberg einen Index mit typischen Krankheiten gebildet und so das Leistungsniveau von unterschiedlichen Tarifen simuliert. Oft liegt das Erstattungsniveau der Billigtarife dabei nur zwischen 50 und 70 Prozent.
Bild: dpaTeure Krankheiten ausschließen
Die private Krankenversicherung (PKV) wirbt gerne damit, dass sie deutlich mehr leistet als die gesetzliche Krankenversicherung. In Billigtarifen wird jedoch die Leistung für bestimmte Krankheiten von vornherein ausgeschlossen. Dazu zählen etwa Behandlungen durch Psychologen, Wahlleistungen im Krankenhaus, Zahnleistungen oder die freie Arztwahl.
Bild: dpaPrämien schnell erhöhen
Viele Krankenversicherer locken Kunden in Billigtarife und hoffen, dass sie bald in höherwertige und teurere Tarife wechseln. Diese Rechnung ist in vielen Fällen jedoch nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Viele Kunden in Einsteigertarifen zahlen sogar gar nichts mehr. Die Kosten tragen alle Versicherten im jeweiligen Kollektiv. Die Folge sind satte, zweistellige Prämienerhöhungen. Von 2011 auf 2012 war dies sehr oft zu beobachten.
Bild: dpaUngünstige Wechsel empfehlen
Die Krankenversicherer sind verpflichtet, den Kunden Alternativen im eigenen Unternehmen zu empfehlen, wenn die Prämien steigen. Oft sind dies jedoch unattraktive Tarife. Nur wer sich selbst kümmert oder sich von einem Spezialisten helfen lässt, wird die beste Wahl unter den oft zahlreichen Tarifvarianten für sich finden.
Bild: apVersicherte rausekeln
Die Versicherer können ihre Kunden auf vielfältige Weise vergraulen – nicht nur durch Prämienerhöhungen, sondern auch indem sie bei der Begleichung von Rechnungen knausern. Solches Verhalten hat gerade bei älteren Kunden System. Denn wenn diese zu einem Konkurrenten gehen, lassen sie ihre Altersrückstellungen zurück. Das kommt dem Krankenversicherer zugute, bei dem das Geld liegen bleibt.
Bild: APNDen Rückweg in die Krankenkasse verbauen
Wer privat versichert ist und als Angestellter unter die Einkommensgrenze von 50.850 Euro fällt, muss aufpassen. Er muss sich dann eigentlich wieder bei einer Krankenkasse gesetzlich versichern. Doch davon gibt es eine Ausnahme: Wer sich von der Versicherungspflicht befreien lässt, darf sich auch mit niedrigem Einkommen als Angestellter weiter privat versichern. Der Haken daran: Die Rückkehr in die Krankenkasse ist damit für alle Zeiten verbaut.
Mit günstigen Preisen locken
Wer sich im Internet für Krankenversicherung interessiert, findet ganz schnell auch Anzeigen, in denen eine private Krankenversicherung für 49 Euro im Monat versprochen wird. Experten raten ab: In nur ganz wenigen Fällen kommen solche Beiträge überhaupt zustande. Wer so wirbt, hat meist nur ein Ziel: Die Daten des Interessenten einsammeln.
Der Überschuss der Kassen betrug in den ersten sechs Monaten 2,7 Milliarden Euro, bei Einnahmen von rund 94,8 Milliarden. Die Einnahmen stiegen im Vorjahresvergleich infolge gestiegener Löhne und Renten um 3,1 Milliarden Euro, die Ausgaben sanken um 2,8 Milliarden Euro.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) appellierte an die besonders gut aufgestellten Kassen, Geld an die Versicherten zurückzugeben. Diese sollten durch Leistungsverbesserungen und Prämienausschüttungen profitieren. „Krankenkassen sind keine Sparkassen“, sagte Bahr. Als Gründe für die positive Entwicklung nannte er neben der guten Entwicklung der Wirtschaft und den Beschäftigungszuwächsen auch die spürbaren Anstiege von Löhnen und Renten sowie das Arzneimittelsparpaket der Bundesregierung.
Entscheidungshilfe: Gesetzlich oder privat versichern?
Verdienen sie mehr als die nötige Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 4 125 Euro im Monat?
Ja: PKV geht
Nein: Sie dürfen aus gesetzlichen Gründen nicht in die PKVSind Sie sich sicher, dass Sie zeitlebens auch höhere PKV-Beiträge zahlen können?
Ja: spricht für die PKV,
Nein: überlegen Sie es sich zwei Mal - Drin gefangen, drin gehangenHaben Sie Familie? Oder planen Sie eine eigene Familie?
Ja: in der GKV sind ihre Kinder kostenlos mitversichert, in der PKV kosten sie im Schnitt 120 Euro pro Kind und Monat extra
Nein: dann ist die PKV für Sie vermutlich günstiger als die GKVLegen Sie Wert auf Kinderbetreuung im Krankheitsfall?
Ja: GKV übernimmt sie unter Voraussetzungen
Nein: spricht für die PKV, in der Kinderbetreuung nicht als Standardleistung giltLegen Sie Wert auf Eltern-Kind-Kuren?
Ja: diese Leistung übernimmt nur die GKV
Nein: dann kann eine private Krankenversicherung günstiger seinLegen Sie Wert auf die Erstattung von Brillen?
Ja: davon zahlt die GKV nichts, nur die PKV
Nein: spräche für GKVLegen Sie Wert auf unauffälligen Zahnersatz?
Ja: die GKV spart daran, dort bräuchten Sie eine private Zahnzusatzversicherung, bei der PKV brauchen Sie diese in der Regel nicht
Nein: dann reichen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausLegen Sie Wert auf alternative Heilmethoden?
Ja: achten Sie auf die Wahl des GKV-Anbieters, einige erstatten auch Akupunktur und andere Verfahren. Oft ist die PKV aber kulanter
Nein: GKV reicht aus
Legen Sie Wert auf Krankentagegeld, falls Sie länger als sechs Wochen in einem Jahr unter der selben Krankheit leiden und der Arbeitgeber deshalb die Lohnfortzahlung einstellen kann?
Ja: die GKV zahlt. Die PKV zahlt Krankentagegeld nur, wenn diese Leistung zusätzlich vereinbart und über höhere Beiträge bezahlt wird
Nein: dann spielt dieser Aspekt bei der Entscheidung GKV oder PKV keine RolleSind Ihnen Wohlfühl-Elemente wie Einzelzimmer und Chefarztbehandlung wichtig?
Ja: das spricht für eine Privatversicherung
Nein: dann genügen die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse
Sind Sie bereit und in der Lage, Arzthonorare – auch für eine ganze Familie - vorzuschießen?
Ja: Dann ist die PKV kein Problem
Nein: dann ist der Abrechnungsmodus der GKV besser. Sie zahlt sofort.
Immer mehr Kassen hätten Finanzreserven erheblich über der zulässigen Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben. Von Prämienauszahlungen profitierten derzeit gerade einmal rund 700 000 Versicherte - das sind nur ein Prozent. Im Rest des Jahres dürfte der Überschuss der Kassen laut Ministerium erfahrungsgemäß deutlich geringer ausfallen.
Den Angaben zufolge stiegen die Leistungsausgaben je Versicherten in den ersten sechs Monaten um 3,2 Prozent, die Arzneimittelausgaben um 3,1 Prozent je Versicherten. Trotz dieser Zuwachsrate blieben die Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr um rund 560 Millionen Euro unter den Ausgaben des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.
Der GKV-Spitzenverband warnte, die hohen Summen dürften „den Blick nicht darauf verstellen, dass der Überschuss aus dem ersten Halbjahr 2012 lediglich einer Reserve von 5 Tagen entspricht und dass der Gesundheitsfonds ein Minus von fast 500 Millionen Euro gemacht hat“, sagte Verbands-Sprecher Florian Lanz. Über Prämienrückerstattungen entscheide jede Krankenkasse aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation selbst.
Dabei seien die steigenden Leistungsausgaben, die Kürzung des Bundeszuschusses im kommenden Jahr und die Risiken im Euro-Raum zu bedenken. Dafür müssten die Krankenkassen ihre Rücklagen ausbauen.






















