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Interview Axel Kleinlein: "Für viele steht die Altersvorsorge auf der Kippe"

von Sascha Grundmann

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten gehört zu den größten Kritikern der Lebensversicherer. Im Interview erklärt er, wann es für Kunden einen Sinn hat, den Vertrag zu kündigen.

Foto Axel Kleinlein
Axel Kleinlein, Vorsitzender des Vorstandes des Bundes der Versicherten

WirtschaftsWoche: Herr Kleinlein, das aktuelle Niedrigzinsniveau ist auch für das Thema Lebensversicherung von Bedeutung. Manch einer der Versicherten befürchtet, dass die garantierte Verzinsung seiner Versicherung in Gefahr sein könnte. Ist diese Sorge berechtigt?

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Axel Kleinlein: Diese Sorge teile ich nicht. Aber viele Kunden werden weniger Überschussbeteiligung bekommen. Das bedeutet, dass die Verträge erheblich weniger ausschütten werden als bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt. Für viele steht dann die Haus- oder die Praxisfinanzierung auf der Kippe, wenn nicht die gesamte Altersvorsorge.

 

Was ist mit diesem Horrorszenario, dass auch in Altverträgen der Garantiezins nach unten gesenkt werden könnte?

Kleinlein: Es gibt im Moment für laufende Verträge die Möglichkeit zwischenzeitlich rein technisch die Garantieverzinsung etwas geringer anzusetzen. Für den Kunden ergeben sich daraus aber keine Probleme. Schwierig wird es nur dann, wenn der Versicherer selber so wenig Mittel erwirtschaftet und auch jenseits der Zinserträge keine weiteren Quellen zur Verfügung hat, um die Garantieverzinsung zu gewährleisten. Dann müssen  die Verträge vom Versicherer weg übertragen werden auf den Protektor. In dem Moment, wo die Verträge übertragen werden auf den Protektor, steht dieser als neuer Vertragspartner zur Seite, um für die Garantieverzinsung einzustehen.

 

„Die Deutschen sind für ihren enormen Spareifer bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass noch mehr Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, finanzielle Rücklagen zu bilden – gerade auch in wirtschaftlich stürmischen Zeiten wie aktuell“, sagt Bertil Bos, Managing Director der Bank of Scotland in Deutschland. In einer repräsentativen Studie hat das Meinungsforschungsinstitut das Spar- und Anlageverhalten der Bundesbürger untersucht. Dabei zeigten sich große Unterschiede in den einzelnen Regionen. Wie die Deutschen mit Geld umgehen, hängt auch von ihrem Wohnort ab. Doch gängige Vorurteile zeigten sich dabei nicht.

Quelle: Sparerkompass Deutschland 2012
Eine forsa-Studie im Auftrag der Bank of Scotland

Bild: dpa

Wenn sich jemand nun trotzdem von der aktuellen Berichterstattung verunsichert fühlt und seine Lebensversicherung kündigen möchte, was sollte er tun, um Fehler zu vermeiden?

Kleinlein: Den Fehler hat er schon vorher gemacht – indem er überhaupt erst eine Lebensversicherung abgeschlossen hat. Wenn der Kunde nun mit Verspätung feststellt, dass er mit seiner Versicherung eine zu niedrige Rendite erzielt hat, muss er erst einmal eine Alternativanlage haben.

 

Das könnte ja beispielsweise der Aktienmarkt sein.

Kleinlein: Na gut, vielleicht, aber der ist auch riskant. Jedenfalls sorgen die Stornokosten, die eine Kündigung mit sich bringt, dafür, dass sich die ohnehin schlechten Werte bei der Rendite einer Lebensversicherung noch mehr verschlechtern. Wichtig ist für jeden, der kündigt und seinen Vertrag nach 1994 abgeschlossen hat, dass er jetzt auf den Versicherer zugeht, sich auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bezieht und erklärt: „Einen Stornoabzug akzeptiere ich nicht.“ Da gibt es Musterschreiben auch auf der Internetseite des Bundes der Versicherten.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.09.2012, 17:02 UhrDerMakler

    ..und da steht er nun ,der Herr Kleinlein und rede das in Grund und Boden ,was er jahrelang selbst vermittelt hat !

    Da werden Sterbegeldversicherung für "überflüssige Blödsinn" erklärt ,Unfallversicherung zu "Lachnummern" degradiert und Kapitalbildene Lebensversicherung als "Falschberatung in jeder Hinsicht" auserkoren ..

    Fürwahr der heutige Sinn einer Kapitalbildene Lebensversicherung erschließt sich nur noch in ganz wenigen Situation /Analysen ,aber der damalige Dreh & Angelpunkt war ja nie vorhanden ,man sie überhaupt nicht hätte abschließen sollen ,sondern direkt alles auf ein Sparkonto parken sollen..na klar !

    Fünf Sicherungen ,Elemente einer Renten / Lebens / Risiko Vorsorge sind von keiner anderen Vorsorgen wegzuwischen : Beitragsbefreiung, Todesfall (Risikoversicherung) , Ausweiss/Sicherungsdokument (Finanzierung) ,Anerkennung als Altersvorsorge ohne Abgeltung (5/12/60 Regelung) ! Bestandteil auch von heut moderen Rentenvorsorgen ! Selbst. Berufsunfähigkeitsversicherung werden schon länger als Herrn Kleinlein es wahrhaben möchte vermittelt und nicht in Kap LV "gepresst"

    Faszinierend das für alle überflüssig erscheinen Vorsorgen laut BdV keine greifbaren oder besseren Alternativen genannt werden , geschweige es gibt gut ausgebildete Mitarbeiter ,die Ihre Ratschläge auch auf eine professionelle Ausbildung stützen können !

    Aktuell läuft eine Klage bei der BdV in Bezug auf eine älteren Dame ,der geraten wurde ,Ihre langjährigen Sterbegeld Vorsorgen zu kündigen und auf ein Sparkonto zu packen..leider verstarb die Dame innerhalb von sechs Monaten nach Ratschlag ,der Rückkaufswert decke noch nicht einmal die Beerdigungskosten,die Familie klagt wegen Falschberatung !Wären beide Verträge bestehen geblieben ,wären die Kosten gedeckt ! und so mehreren sich die Stimmen ,die alte eingesessene Kap LV aufgekündigt haben auf Ratschlag des BdV dagegen vorzugehen..

    Vielleicht einfach mal die Kl.... ha....? wenn man keine Ahnung hat ?

  • 14.09.2012, 15:49 UhrGeorge

    Herr Kleinlein sollte es eigentlich bessr wissen. Aber das, was hier geboten wird, ist nur schwammiges, verwirrendes Lobbyistengeplapper.
    Es wird dumpf und phrasenhaft auf das Produkt geschimpft, wohlwissend, daß es keine bessere Alternative gibt. In einer Zeit, in der Bundesanleihen mit negativer Rendite (der Anleger bezahlt Frau Merkel Geld dafür, damit sie sein Geld sicher verwahrt) ausgegeben werden, wachsen die Bäume für sichere Anlagen mit Zinsgarantie eben nicht in den Himmel. Das genau bietet aber die klassische Lebens- Rentenversicherung. Bei Maybrit Illner hat Herr Kleinlein dann wenigstens die Katze aus dem Sack gelassen und zugegeben, daß alle anderen Alternativen für Kleinsparer inflationsbereinigt Geldvernichtung bedeuten.
    Warum denn nicht immer so ehrlich?
    Für den Satz " Für Einzelfälle mag das denkbar sein, aber ich kann keine Gruppe identifizieren, der ich pauschal zur Riesterrente raten würde." würden deutsche Gerichte einen echten Berater sicher in die Beratungshaftung nehmen und zur Kasse bitten. ZB Minnijobber mit Kindern (alle Mütter, die die Familienkasse etwas aufbessern) wären ja geradezu mit dem Hammer gepudert, dieses Geschenk nicht mitzunehmen.
    Es sollte also auch eine Haftung für Lobbyisten und alle Teilnehmer von Plapperbuden geben. Dann würde wieder differenziert und seriös informiert.

  • 14.09.2012, 14:55 Uhrpedro

    Knapp 40 Jahre in die SV eingezahlt 90 000.-€ ....ein drittel von dem was versprochen wurde beim Abschluß wurde ausbezahlt.
    Ein Dank an meinen Sp-kassenberater.

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