130/30-Fonds: Teurer Flop trotz verlockenden Aussichten

130/30-Fonds: Teurer Flop trotz verlockenden Aussichten

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Deutsche Börse: Ein Börsenmakler auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse

Die neuen 130/30-Fonds versprechen Anlegern höhere Gewinne bei reduziertem Risiko – in der Theorie verlockend, in der Praxis leider oft ein teurer Flop.

Ralf Wieland ist genau der Typ Anleger, den die Fondsindustrie fürchtet. Vor Kurzem hat er alle seine Aktienfonds verkauft. Weil er mit den Gewinnen aus den letzten Jahren „ganz zufrieden“ sei, sagt der 40-jährige Münchner. Vor allem aber, weil er glaubt, dass es an der Börse demnächst sehr viel schwieriger wird, Aktien mit steigenden Kursen zu finden. Er sehe das an seinen Kunden, so der Freiberufler, die Stimmung trübe sich ein. „Immer noch mehr Gewinn und noch schneller wachsen – das ist auch für die großen Konzerne erst mal vorbei“, glaubt er, „und das sind einfach nicht die passenden Zeiten für Aktienfonds.“

Eine Argumentation, der die Fondsbranche bislang nicht viel entgegenzusetzen hatte – außer dem Mantra, Aktien seien auf lange Sicht die rentabelste Geldanlage. Unabhängig davon, ob das stimmt oder nicht – für 23 lange Jahre von 1960 bis 1983 stimmte es zum Beispiel für den Dax nicht –, leidet die Industrie stets an Mittelabflüssen, wenn die Börsen schwächeln.

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Dank einer EU-Richtlinie mit dem ulkigen Kürzel UCITS-III hat die Branche jetzt ein As mehr im Ärmel, wenn sie Anleger von Fondsinvestments überzeugen will. Die Richtlinie erlaubt Aktienfonds erstmals, auch von Wetten auf fallende Aktienkurse zu profitieren. Die Industrie nimmt die Brüsseler Vorlage dankbar auf und bringt eine ganze Reihe neuer Fonds auf den Markt, die sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen. Die meisten davon hören auf den ebenfalls etwas sperrigen Namen 130/30-Fonds.

Profite aus fallenden Kursen waren bislang Hedgefonds vorbehalten. Gingen die Börsen komplett in den Sinkflug über, wie 2002 oder in den ersten Monaten 2008, konnten die Manager traditioneller Investmentfonds „im Prinzip nur Schadensbegrenzung üben“, sagt Henning Gebhardt, Fondsmanager beim Marktführer DWS. Anleger sitzen dann in der Falle. Selbst wenn die Fonds überdurchschnittlich stabile Aktien kaufen, verlieren die Fonds unter dem Strich an Wert.

„Private wie institutionelle Anleger verlangen aber zunehmend einen absoluten Ertrag in jedem Jahr. Der kann auch mal kleiner ausfallen, aber ein Minus wird immer weniger akzeptiert“. beobachtet Ansgar Guseck, Vorstand beim Kölner Dachfonds-anbieter Sauren Portfolio, „das Argument, immerhin seinen Vergleichsindex geschlagen zu haben, zieht nicht mehr so gut.“

Dank 130/30-Konzept sollen nun auch die Manager traditioneller Aktienfonds in der Lage sein, im widrigen Marktumfeld einen positiven Ertrag zu erwirtschaften. Die Methode haben sie sich bei den sogenannten Equity-long/short-Hedgefonds abgeschaut; diese investieren neben ihren normalen Engagements in Aktien („long“) immer auch einen Teil ihrer Anlegergelder in Wetten auf fallende Kurse („short“).

Das soll die Schwankungen des Fondswertes glätten, hat aber auch einen durchaus erwünschten Nebeneffekt: Das Fondsvolumen wird „gehebelt“. Pro 1,00 Euro Fondsbudget kann der Manager des 130/30-Fonds bis zu 1,60 Euro investieren.

Das funktioniert so: Ein 130/30-Aktienfonds, der 100 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt hat, investiert diese zunächst ganz klassisch in Aktien, bei denen er auf Kursgewinne hofft. Er geht also mit 100 Prozent seines Budgets „long“.

Nun leiht er sich für 30 Prozent des Vermögens weitere Aktien, allerdings solche, bei denen er mit fallenden Kursen rechnet. Er verkauft die geliehenen Papiere umgehend an der Börse, mit dem Ziel, sie später billiger zurückkaufen zu können und die Differenz als Gewinn einzustreichen.

Mit diesem Leerverkauf setzt der Fondsmanager zusätzliche Mittel frei, die er in sein Aktien-Portfolio steckt. Am Ende ist er zu 160 Prozent investiert: Mit 130 Prozent des Fondsvolumens im Long- und mit 30 Prozent im Short-Portfolio (130/30). „Auf diese Weise kann ein Manager mit 100 Millionen Euro bis zu 160 Millionen Euro investieren, er hat also einen Hebel von 1,6“, erklärt Werner Hedrich, Leiter Fondsresearch beim Fondsdatenanbieter Morningstar.

Die Masche zieht. „Investieren wie die Hedgefonds“, dieses Versprechen zeigt bei den Anlegern offenbar weltweit Wirkung. Hedrich schätzt, dass bereits mehr als fünf Milliarden Euro in 130/30-Produkte geflossen sind. „Sie sind zurzeit das beherrschende Thema in der Produktentwicklung der Fonds“, sagt Andrew Alford, Managing Director bei Goldman Sachs in New York.

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