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Abgeltungssteuer: Erspartes mit Investmentfonds retten

von heike.schwerdtfeger@wiwo.de (Frankfurt)

Mit den richtigen Investmentfonds können Anleger ihr Erspartes vor der anstehenden Abgeltungsteuer schützen.

Heute und ab 2009: Ein Viertel weniger
Heute und ab 2009: Ein Viertel weniger

Das Potenzial ist gewaltig: 93 Milliarden Euro haben deutsche Anleger derzeit allein in bescheiden verzinsten Geldmarktfonds geparkt. Dazu kommen vermutlich 100 Milliarden Euro, die auf Tagesgeldkonten schlummern – dem klassischen Wartesaal für eine bessere Anlage. Da weiß der Banker demnächst doch, wofür er morgens aufsteht: All diese Milliarden wollen von ihren Besitzern noch vor dem Start der Abgeltungsteuer 2009 in Geldprodukte umgeschichtet werden, bei denen die 25-prozentige Zwangsabgabe (plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) nicht oder nur wenig greift. Es lockt die ewige Kursgewinnfreiheit. Eine Werbeflut dürfte sich in den nächsten Monaten von den Hausbanken und Brokern in die deutschen Briefkästen ergießen. Eine Marketingoffensive ähnlich der, als den Lebensversicherungen das Steuerprivileg gekappt wurde. Pimp your Portfolio – eine unschlagbare Aussicht. Das Rennen wird nach dem 6. Juli eröffnet. Dann verabschiedet der Bundesrat die Abgeltungsteuer als Teil der Unternehmenssteuerreform. Wird sie am 1. Januar 2009 Realität, müssen Anleger auf alle Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und – anders als bisher – auch auf sämtliche Kursgewinne mehr als ein Viertel an den Fiskus abgeben. Aber, und das weckt die Fantasie: Kursgewinne aus Fonds, Aktien oder Anleihen bleiben ungeschoren, sofern der Anleger die Papiere vor dem 1. Januar 2009 gekauft hat. So ist es zumindest geplant. Jetzt gilt es also, sich Neuanlagen besonders gut zu überlegen und gegebenenfalls längerfristig festgelegtes Geld loszueisen, um es steuerschonend umzuschichten. „Wegen der steuerlichen Veränderungen sollten Anleger ihr Depot gründlich auf die späteren Auswirkungen abklopfen“, rät Heinrich Peters, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen Helaba. Als Steuersparhilfen vermarktete Geldmarktfonds nutzen viele Anleger heute schon. Sie werden ab 2009 uninteressanter. Was Sie über die Abgeltungsteuer wissen müssen, welche Anlagestrategien sinnvoll sind und welche Investmentfonds Profis jetzt empfehlen: Die neuen Spielregeln im DetailAbschlag auf alles: Kursgewinne, Zinsen und Dividenden werden zum festen Satz besteuert, egal, wie hoch der persönliche Steuersatz liegt. Der Fiskus kassiert 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, mit Kirchensteuer sind es schon 28 Prozent. Wer aufgrund seines sonstigen Einkommens mit seinem persönlichen Steuersatz darunter liegt, holt sich das zu viel Gezahlte über die Einkommensteuererklärung zurück. Bestandsschutz: Anleger, die Aktien und Fonds vor dem 1. Januar 2009 ordern, können sie auch in weiter Zukunft noch verkaufen, ohne den Fiskus an den Kursgewinnen zu beteiligen. Das rechnet sich gewaltig: Investiert ein Anleger jetzt 10.000 Euro in einen Aktienfonds, der in den nächsten fünf Jahren im Schnitt acht Prozent Rendite einbringt, wächst sein Vermögen auf 14.693 Euro. Beim Verkauf bliebe der Gewinn von 4693 Euro steuerfrei. Legt er die 10.000 Euro nach dem Stichtag an, überweist das Geldinstitut automatisch 1173 Euro vom Gewinn ans Finanzamt, für Kirchensteuerzahler sind es 1313 Euro.

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Pauschal- statt Freibetrag: Den bisherigen Sparerfreibetrag ersetzt künftig der jährliche Sparerpauschbetrag von 801 Euro. Gewinne unter dieser Grenze verschont die Abgeltungsteuer. Aber Vorsicht: Darunter fallen nicht nur Zins- und Dividendeneinnahmen, sondern auch realisierte Kursgewinne. Depot- und Verwaltungsgebühren können Anleger nicht absetzen. Sparpläne: Wer monatlich in Fonds investiert, bekommt den Bestandsschutz nur für die vor 2009 eingezahlten Beträge. Bei Gewinnen aus später eingezahlten Monatsraten schlägt die Abgeltungsteuer zu. Das beeinträchtigt Sparpläne, die vor allem für die Altersvorsorge beliebt sind. Ausgerechnet Aktien, die mit ihren Renditechancen das meiste zum Aufbau einer Privatrente leisten können, werden durch das Abschaffen der steuerfreien Kursgewinne unattraktiver. Fonds mit einbehaltenen Gewinnen: Nach dem derzeitigen Gesetzentwurf sind Fonds benachteiligt, die ihre Erträge automatisch wiederanlegen (thesaurieren) und nicht an den Anleger ausschütten. Der Gesetzgeber betrachtet das Ganze als ein neues Investment und hält die Hand auf sowohl bei den wieder angelegten Beträgen als auch beim Verkaufsgewinn des Fonds – eine renditezehrende Doppelbesteuerung. Fondshülle: Alle Käufe und Verkäufe innerhalb eines Fonds bleiben von der Steuer verschont. Wer privat Aktien kauft und verkauft oder das einen Vermögensverwalter erledigen lässt, muss dagegen seine Gewinne mit dem Fiskus teilen, sobald sein Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist. Experten rechnen damit, dass viele Fonds neu auf den Markt kommen, die verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Renten oder Immobilien mischen. Sie nehmen dem Anleger die Suche nach attraktiven Märkten ab und streuen das Risiko – so wie es Misch- und Dachfonds schon heute tun.

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