Absicherung: Flexible Rentenpolicen als Alternative zur Lebensversicherung?

Absicherung: Flexible Rentenpolicen als Alternative zur Lebensversicherung?

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Altersvorsorge: Nicht jede Versicherung hält, was sie verspricht.

Für klassische Lebensversicherungen begeistern sich immer weniger Kunden, die Versicherer brauchen neue Angebote. Einige setzen auf die – allerdings umstrittenen – flexiblen Rentenpolicen nach US-Vorbild.

In Scharen bestürmten Versicherungskunden in Deutschland im Herbst die Agenturen ihrer Vertreter und Makler, bei den Verbraucherzentralen liefen die Telefone heiß. „Ist mein Geld noch sicher?“, war die brennende Frage angesichts der Bankpleiten weltweit und des Absturzes des US-Versicherungsriesen AIG. „Die Lebens- und Rentenversicherungen sind sicher“, versucht der Gesamtverband der Versicherer seitdem zu beruhigen, bisher wohl weitestgehend mit Erfolg. Massenhaft sind die Versicherten nicht aus ihren Verträgen ausgestiegen.

Noch mehr Sorge als drohende Kündigungen bereitet den deutschen Versicherungsunternehmen das bröckelnde Neugeschäft. Die klassische Lebensversicherung findet seit dem Ende der großen Steuervorteile 2004 immer weniger Freunde, der Zuwachs bei den Rentenpolicen gleicht das nicht aus. Zudem halten sich die Deutschen zurzeit angesichts steigender Sorge um den eigenen Arbeitsplatz bei langfristigen Verträgen mit finanziellen Verpflichtungen zurück.

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Kampf um Kundengelder

Ist der Sturm der Finanzkrise erst einmal abgeebbt, geht der Kampf um die Kundengelder wieder richtig los. Um dafür gerüstet zu sein, stehen die Anbieter mit neuen Produkten in den Startlöchern. Als Hoffnungsträger gilt eine neue, flexible Form der Rentenversicherung, sogenannte Variable Annuities. Im Grundsatz verbirgt sich dahinter eine Rentenversicherung, die die Beiträge der Kunden bis zu 100 Prozent in Aktienfonds investiert. Der Versicherer garantiert dabei oft eine monatliche Mindestrente, die bei steigenden Aktienkursen höher ausfallen kann.

Neu ist auch, dass die Kunden angespartes Geld jederzeit wieder entnehmen können. Die Konstruktion dieser Produkte ist allerdings hochkomplex, daher sind sie am Markt und bei Verbraucherschützern umstritten. Dennoch erwägen auch konservative Versicherer, solche Policen auf den Markt zu bringen. 

Denn die Not ist groß: Im letzten Quartal 2008 soll der Absatz von Lebenspolicen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal eingebrochen sein, sagen Branchenkenner. Ein Großteil der Lebensversicherer sah sich 2008 „einem schwierigen Neugeschäftsumfeld gegenüber“, schreiben die Analysten der Ratingagentur Fitch. Sie gehen „bei einigen Gesellschaften von zweistelligen Rückgängen aus“.

Variable Rentenversicherungen für Generation 50plus

Das hinterlässt auch beim BranchenprimusAllianz Spuren. „In der Lebensversicherung spüren wir die Zurückhaltung der Unternehmen bei der betrieblichen Altersvorsorge und die Scheu der Privatkundschaft, sich längerfristig zu binden“, sagte Gerhard Rupprecht, Vorstandschef der Allianz Deutschland, bei der Bilanzvorlage. Für 2009 rechnen die deutschen Lebensversicherer mit einem Beitragsminus von zwei bis drei Prozent.

Denn auch immer mehr Policen laufen regulär aus. Das ausgezahlte Geld möchten die Versicherer gern auf den eigenen Konten behalten. Sie kämpfen mit Banken und Fondsanbietern um die Gunst der Generation 50plus, die ihr Erspartes für den nahen Ruhestand anlegen und monatlich Geld ausgezahlt bekommen will. Genau für diese Kundschaft haben Axa, Allianz & Co. die neuen variablen Rentenversicherungen designt. In der Regel zahlt der Kunde nur einmal einen größeren Betrag ein (Einmalbeitrag), die Rentenzahlungen beginnen je nach Vertrag sofort oder in einigen Jahren.

Fondsgebundene Lebens- und Rentenpolicen werden immer beliebter, weil der höhere Aktienanteil höhere Renditen verspricht. Doch bisher musste oft der Kunde das Risiko tragen, wenn die Kurse fielen. Sicherte die Gesellschaft eine gewisse Verzinsung zu, kostete das ordentlich Rendite. Umsonst sind die Garantien aber auch bei den neuen Policen nicht.

Mutige vor (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

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Die neuen flexiblen Rentenversicherungen nach amerikanischem Vorbild sollen nun den Spagat zwischen Sicherheit und gleichzeitig hoher Rendite schaffen. Die Variable Annuities (VA) sind in den USA bereits die meistverkauften Rentenversicherungen. In Deutschland brachte als erster Anbieter Axa 2006 VA auf den Markt. Allianz, R+V, Swiss Life und die Ergo-Tochter Vorsorge Luxemburg zogen 2008 nach. Bisher dürfen deutsche Versicherer die Policen allerdings nur über ausländische Töchter ausstellen, da diese in Deutschland noch nicht zugelassen sind. Und es dürfte sich in der Finanzkrise so schnell auch nicht ändern. Zu schwer einschätzbar sind der Politik offenbar momentan die Risiken der Versicherungen. Neue Anbieter wird es für die jungen Policen dennoch auch hierzulande bald geben.

Variable Annuities sind im Prinzip fondsgebundene Rentenversicherungen. „Sie bieten aber weiterreichende Garantien als klassische Policen“, sagt Oliver Dobner aus der Geschäftsführung des Großmaklers Marsh. Die neuen Policen sind zudem viel flexibler als die klassische Lebens- oder Rentenversicherung. Der Kunde kann einen Teil seines Geldes auch wieder entnehmen, für einen Urlaub oder die Reparatur am Haus. Natürlich mindert das die späteren Zahlungen.

Die Mindestrente ist zum Renteneintritt garantiert. Wer jedoch vor Ende der Laufzeit aussteigt – und das machen bei Verträgen, die mehr als 30 Jahre laufen, rund drei Viertel der Deutschen –, hat  keine garantierte Rückzahlung seiner Beiträge.

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