Ärzte und Krankenkassen: Honorarverhandlungen zu Lasten der Patienten?

Ärzte und Krankenkassen: Honorarverhandlungen zu Lasten der Patienten?

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Wie teuer wird das deutsche Gesundheitssystem für den Patienten noch?

von Saskia Littmann

Niedergelassene Ärzte fordern fünf Milliarden Euro mehr Honorar. Während die Kassen über die richtige Verteidigung nachdenken, ist eine Lobby mal wieder nicht vertreten: die der Patienten.

Das Pokerspiel um die Arzt-Honorare hält dem deutschen Gesundheitssystem mal wieder den Spiegel vor - und der Anblick ist wenig erfreulich. Eigentlich wären Reformen dringend notwendig, dafür fehlen aber Akteure, die an einem Strang ziehen. Stattdessen dienen die finanziellen Mittel des einen dem anderen als Argument für überzogene Forderungen. Leidtragende des Konflikts sind immer die Patienten.

Am Mittwoch beginnen die nächsten Honorarverhandlungen der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte mit den Krankenkassen. Kaum verwunderlich, dass die Ärzte mehr Geld wollen. Insgesamt haben ihre Forderungen ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro.

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Viele Forderungen

Sie wollen zum einen höhere Vergütungen. Vor allem aus Angst, anderenfalls keinen Nachwuchs mehr zu finden. Bei den Forderungen habe man sich an den Gehältern der Oberärzte orientiert, erklärte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die verdienen im Moment 133.000 Euro im Jahr.

Gleichzeitig wird eine Aufhebung der Budget-Grenzen gefordert. Die KBV will erreichen, dass künftig keine Leistungen mehr honorarfrei durchgeführt werden muss. KBV-Chef Andreas Gassen erklärte, jede zehnte Behandlung gehe aufs Haus. Blieben die zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt, müssten auch die Leistungen begrenzt werden. Müssen wir den Ärzten jetzt dankbar sein?

Zumindest nicht, wenn es nach deren Gegner geht, den gesetzlichen Kassen. Auch die trommeln bereits vor Beginn der Verhandlungen für ihre Position. Schon jetzt kämen die niedergelassenen Ärzte teilweise auf Erträge, die deutlich jenseits des Oberarzt-Gehalts liegen, heißt es vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Noch gibt sich der Verband aber defensiv, will möglicherweise den neuen KBV-Chef Gassen zunächst beobachten. Dieser hatte das Amt des Chefverhandlers im März von Andreas Köhler übernommen.

Angesichts der Forderungen der Ärzte verweisen die Kassen darauf, im kommenden Jahr ohnehin schon den niedrigeren Beitragssatz ausgleichen zu müssen. Bisher lag der bei 15,5 Prozent, ab dem kommenden Jahr liegt der Beitrag für die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten allerdings nur noch bei 14,6 Prozent. Schon deshalb geht der GKV davon aus, dass praktisch alle Kassen einen Zusatzbeitrag erheben werden. Ob die Beitragssenkung für die Versicherten also ein Zugewinn sein wird, ist sowieso noch nicht klar. Höhere Arzthonorare würden den Kassen also lediglich die Argumentation für Zusatzbeiträge erleichtern.

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Und die Verteidigungsstrategie der Kassen hat ein gewichtiges Problem: ihre Reserven. In den letzten Jahren haben die gesetzlichen Kassen teilweise erhebliche Überschüsse angesammelt, ihre Reserven aus dem Gesundheitsfonds und von den einzelnen Kassen belaufen sich insgesamt auf rund 30 Milliarden Euro. Die Argumentation, man könne sich die höheren Honorare nicht leisten, scheint zunächst wenig glaubwürdig.

Der Konflikt dürfte in jedem Fall zu Lasten der Patienten ausgetragen werden. Können sich die beiden Akteure nicht einigen, droht zunächst Streik, die Patienten stehen vor verschlossenen Arztpraxen. Setzen sich die Ärzte durch, drohen seitens der Kassen höhere Zusatzbeiträge für die Patienten.

Reform ist unwahrscheinlich

Alternativ könnte beim Leistungskatalog erneut gekürzt werden, der Patient würde immer mehr zum Selbstzahler. Setzen sich dagegen die Kassen durch, reduziert der Arzt seinen Leistungskatalog auf ein Mindestmaß, in einigen Ecken Deutschlands drohen Versorgungsengpässe.

Eine vernünftige Reform, die dafür sorgt, dass die Gelder im Gesundheitssystem effektiv eingesetzt werden, könnte helfen. Die ist allerdings unwahrscheinlich, denn wie immer fehlt die Lobby des Schwächsten am Verhandlungstisch: die der Patienten.

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