Altersvorsorge: Das Drama der Rente liegt nicht in der Steuerpflicht!

AnalyseAltersvorsorge: Das Drama der Rente liegt nicht in der Steuerpflicht!

von Andreas Toller

Im kommenden Jahr sind voraussichtlich 70.000 Rentner erstmals steuerpflichtig. Das klingt dramatischer, als es ist: Denn dass die Rente oft nicht reicht, liegt an ganz anderen Faktoren. Eine Analyse. 

Noch im Oktober hatten deutsche Rentner Grund zur Freude: Die gesetzlichen Renten sollen ab Juli 2016 um viereinhalb Prozent im Westen und um fünf Prozent im Osten steigen. Es ist die größte Rentenerhöhung seit vielen Jahren. Der Wermutstropfen: Von der Rentenerhöhung bleibt nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen sowie der möglicherweise zu zahlenden Einkommensteuer nicht viel übrig.

Denn die kräftige Rentenerhöhung führt nach dazu, dass im kommenden Jahr schätzungsweise weitere 70.000 Rentner Steuern zahlen müssen – oder zumindest eine Steuererklärung abgeben müssen. Sie werden erstmals während ihres Ruhestands steuerpflichtig, weil sie durch die Rentenerhöhung das steuerfreie Existenzminimum überschreiten. Das hat die „Bild“-Zeitung einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag entnommen.

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Für Vater Staat ist das schon eher eine lohnende Sache, denn er rechnet mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 310 Millionen Euro im kommenden Jahr.

Rentenprognosen für 2040

  • Zur Studie

    Die vorliegenden Berechnungen stammen aus der Studie "Rentenperspektiven 2040" von Prognos. Die Prognosen beziehen sich jeweils auf zwei Kreise im Vergleich zum Bundesdurchschnitt. Berechnet wurden jeweils die durchschnittliche Bruttorente für sechs typisierte Erwerbsbiografien. Erwerbslücken aufgrund von Kindererziehungszeiten weisen in diesem Beispiel zwei Erwerbsbiografien auf. Gerechnet wurden die Prognosewerte ohne Inflationsanpassung, das heißt nach dem Preisniveau in Euro aus dem Jahr 2015 um die Zahlen mit heutigen Werten vergleichbar zu machen. Nominal dürften die zukünftigen Renten und Einkommenshöhen 2040 entsprechend höher liegen. Der Kaufkraftvergleich steht im Zentrum der Betrachtung.

    Stand: 12.11.2015

  • Eckrentner - Prognose für 2040

    Bruttorente (€)Bruttorentenniveau
    167838,90 %

  • Entwicklungsingenieur (m)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Hamburg2726238333,5 %
    Schwerin2291234333,6 %
    Bund259734,0 %

  • Lohnbuchhalter (m)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Halle2045215835,8 %
    Saalekreis2191246334,4 %
    Bund232436,9 %

  • Elektroinstallateur (m)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Berlin1451136935,3 %
    München1452111334,4 %
    Bund145635,4 %

  • Verkäuferin mit zwei Kindern (w)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Hildesheim LK1083117452,0 %
    Konstanz LK1086102650,9 %
    Bund109550,8 %

  • Teamleiterin ohne Kinder (w)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Hohenlohekreis2579265834,1 %
    Merzig-Wadern2391243935,5 %
    Bund236633,6 %

  • Sozialpädagogin mit zwei Kindern (w)

    Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)Bruttorentenniveau
    Bonn1611150642,1 %
    Köln1620147341,8 %
    Bund161239,7 %

Insgesamt sollen 2016 bereits 3,9 Millionen Rentnerhaushalte – also einschließlich zusammen veranlagter Paare - steuerpflichtig sein. Das wäre knapp jeder fünfte der über 20 Millionen Rentner in Deutschland. Innerhalb von fünf Jahren wird die Zahl der steuerpflichtigen Rentner dann um rund 400.000 gestiegen sein. Sie sind verpflichtet, jährlich ihre Steuererklärung abzugeben. Dass immer mehr Rentner einkommensteuerpflichtig werden, liegt aber nicht nur an der – im Vergleich zu den Vorjahren wie auch perspektivisch – üppigen Rentenerhöhung. Es liegt auch an der nachgelagerten Besteuerung, die bis 2040 schrittweise eingeführt wird.

Während Beitragszahler zunehmend steuerfrei in die Altersvorsorge einzahlen, müssen Neurentner einen steigenden Anteil ihrer Renten versteuern. 2015 liegt dieser Anteil bei 70 Prozent, 2016 werden es 72 Prozent sein. 2005 lag der zu versteuernde Anteil noch bei 50 Prozent, 2040 wird er 100 Prozent erreicht haben.

Wer an die Mindestrente glaubt - und wer nicht

  • 18- bis 24-Jährige

    54 Prozent der Jungen glauben an eine Mindestrente, 46 Prozent sind skeptisch.

  • 25- bis 34-Jährige

    Bei der nächstälteren Gruppe sind 56 Prozent zuversichtlich, dass die Mindestrente kommt.

  • 35- bis 44-Jährige

    Bei den 35- bis 44-Jährigen glauben 60 Prozent an eine monatliche Mindestrente von 850 Euro.

  • 45- bis 54-Jährige

    In der Altersgruppe 45 bis 54 Jahre sind 63 Prozent von der Mindestrente überzeugt.

  • 55 und älte

    64 Prozent derjenigen, die über 55 Jahre alt sind, glauben an die Mindestrente.

Das wiederum klingt dramatischer, als es in der Praxis ist. Da die gesetzlichen Renten in der Regel nicht einmal halb so hoch sind wie das Nettoeinkommen vor dem Eintritt in den Ruhestand, wirkt sich bei der gesetzlichen Rente das steuerfreie Existenzminimum – der sogenannte Grundfreibetrag – stärker aus, als bei einem berufstätigen Durchschnittsverdiener.

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