Altersvorsorge: Die beste Rente: Private Altersvorsorge im Test

Altersvorsorge: Die beste Rente: Private Altersvorsorge im Test

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Unbeschwert die Rente genießen ist bald nur noch mit der richtigen Altersvorsorge möglich

Die Rente wird nicht reichen, die Finanzkrise lässt die Ersparnisse schrumpfen: Altersvorsorge wird wichtig wie nie, die Rentenlücke muss gestopft werden. Unser Test zeigt, wie Sie gute Berater und sinnvolle Produkte finden.

Die junge Beraterin der Dresdner Bank scheint kein großes Interesse an ihrem neuen Kunden zu haben: Wie viel er verdient, was er monatlich für Miete, Versicherungen, Einkäufe ausgibt, ob ihr 27-jähriger Kunde eine Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung hat – all das will sie nicht wissen.

Schnell kommt die Bankerin zu ihren Produktvorschlägen – und erst hier wird sie temperamentvoll: Für ihn eigne sich eine hauseigene, private fondsgebundene Rentenversicherung. 100 Euro im Monat soll Hannes Meister* in die Police stecken. „Damit können Sie Ihr Kapital schnellstmöglich vermehren“, verspricht sie. Ein zweifelhafter Tipp, denn eine solche Versicherung ist unflexibel und teuer. Außerdem bekommt Meister noch einen Todesfallschutz angedient – den er gar nicht braucht: Die Absicherung kostet Rendite und ist überflüssig, da Meister weder Ehefrau noch Kinder zu versorgen hat.

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Der Berufseinsteiger fühlte sich mehr belehrt als beraten. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Bankerin das Beste für mich heraussuchen wollte“, sagt er heute. Nach 35 Minuten stand er wieder vor der Bankfiliale – mit einem Stapel Prospekten und so ratlos wie vor dem Gespräch. „Melden Sie sich, wenn Sie Interesse haben“, gab die Bankerin ihm mit auf den Weg. In Meisters Ohren klang das wie ein schlechter Witz.

200 Test-Gespräche

Was die Beraterin nicht wusste: Meister war als Testkunde unterwegs. 35 Tester haben zwischen Februar und April im Auftrag der WirtschaftsWoche und des Hamburger Instituts SWI den Altersvorsorge-Beratern von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben auf die Finger geschaut. 200 Beratungsgespräche wurden analysiert. Die Ergebnisse des großen Altersvorsorge-Tests sind ernüchternd: Gute Beratung ist zu oft Glückssache. Selbst die Klassenbesten HypoVereinsbank, Axa, MLP und Hannoversche Leben boten nicht immer erstklassige Hilfe und erzielten weniger als drei Viertel der möglichen Punkte. In Schulnoten ausgedrückt, immerhin, entspricht das einer soliden Drei.

Riesiger Beratungsbedarf

Dabei ist der Bedarf der Deutschen nach kompetenter Beratung in Gelddingen gewaltig. Laut einer Allensbach-Studie hält jeder Dritte seine Altersvorsorge für unzureichend. Die Finanzkrise lässt Depots zusammenschmelzen, Anlagen werfen deutlich weniger ab als erwartet.

Lebensversicherungen etwa garantierten bis Juni 2000 noch einen Mindestzins von 4,0 Prozent – heute nur noch 2,25 Prozent. Über 30 Jahre kann das zu einem Vermögensunterschied von einem Viertel führen, vorausgesetzt, die Finanzkrise bringt die Versicherer nicht noch stärker in Bedrängnis. Bislang bekamen Versicherte im Schnitt noch mehr als garantiert, doch sinkende Renditen bei Festverzinslichen, in denen der Löwenanteil der Versichertengelder steckt, lassen die Luft dünner werden. Wer selbst investiert oder eine fondsbasierte Versicherung abgeschlossen hat, fährt noch deutlich schlechter: Ein Dax-Investment lieferte seit September 2008, als aus der Finanzkrise mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein weltweiter Flächenbrand wurde, ein Minus von 25 Prozent. Die schönen Modellrechnungen in Fondsprospekten mit ihren Renditen von sechs oder acht Prozent sind von der Wirklichkeit kassiert worden. Wer über die vergangenen zehn Jahre sein Kapital erhalten konnte, darf sich glücklich schätzen.

Richtige Berater sind nicht leicht zu finden

Doch die Vorsorge einzustellen wäre falsch. Dass die gesetzliche Rente für die heute 30- und 40-Jährigen nicht reichen wird, ist klar. Immer weniger Berufstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen: Nach Zahlen des Europa-Statistikamts Eurostat wird der Anteil der Deutschen über 65 an der Gesamtbevölkerung von derzeit etwa 20 Prozent bis 2040 auf rund 30 Prozent steigen. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung sagt heute 40-Jährigen eine Rentenlücke von 44 Prozent ihres angenommenen Bedarfs voraus, 30-Jährigen fehlen 49 Prozent. Der Wille, etwas zu tun, ist da – doch viele Deutsche wissen nicht, wie. „Diese Unkenntnis nutzen Finanzdienstleister gezielt aus und verkaufen den Kunden die provisionsträchtigsten Produkte“, sagt der Bamberger Bankenwissenschaftler Andreas Oehler.

Den richtigen Berater zu finden ist die erste Hürde: Die Kundenbetreuer der Branche arbeiten auf Provisionsbasis. Die Beratung wird vom Anbieter der Vorsorgeprodukte bezahlt – mit Geld des Kunden. „Der Berater steht in einem Interessenkonflikt, wenn die passende Anlage weniger Provision einbringt als ein anderes Produkt“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser. Ein Grund mehr, die Berater genau unter die Lupe zu nehmen.

Dazu zogen die Tester für die WirtschaftsWoche mit zwei unterschiedlichen Profilen los. Zum einen waren Berufseinsteiger mit Mitte 20 und rund 31.000 Euro jährlichem Bruttoeinkommen unterwegs, zum anderen 40-jährige Akademiker mit einem Kind und 60.000 Euro Einkommen. Einige gaben sich als besonders sicherheitsorientierte Anleger aus, die sich mit drei bis vier Prozent Rendite zufriedengeben, andere als Risikobewusste, die Erfahrung mit Aktien haben und sieben bis acht Prozent Ertrag sehen wollen. Neben Beratungsgesprächen und Produktvorschlägen wurden auch Kontaktaufnahme und Kommunikation per Telefon und E-Mail sowie die Gesprächsatmosphäre ausgewertet.

* Name von der Redaktion geändert

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