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Altersvorsorge: Mangelhafte Riester-Rente

von Niklas Hoyer

Eine von der Verbraucherzentrale vorgestellte Studie zur Riester-Rente kritisiert die staatlich geförderte Altersvorsorge. Oft blieben die Sparer auf der Strecke, weil die Bedingungen zu kompliziert und die Gebühren zu hoch sind.

Riestern lohnt sich nicht immer
Riestern lohnt sich nicht immer

Riester soll es richten. Die staatlich geförderte Altersvorsorge, die sich vor allem an Angestellte richtet, soll den Sparern helfen, ihren Ruhestand trotz sinkender Rentenansprüche finanzieren zu können. Doch in der Praxis mehren sich die Anzeichen, dass Riester oft mangelhaft ist. Staatliche Fördergelder landeten vielfach nicht bei den Förderberechtigten, sondern als Provisionen bei den Anbietern, kritisierte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, heute bei der Vorlage einer Studie zur Riester-Rente in Berlin.

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Der Bamberger Finanzwissenschaftlier Andreas Oehler prangert in der Studie einige Missstände an. So würden die Kunden über die Kosten ihrer Riester-Produkte bisher viel zu wenig erfahren. Nur knapp die Hälfte aller Anbieter stelle sinnvolle Kosteninformationen zur Verfügung. Etwa in jedem dritten Fall könnten die Kunden nicht erfahren, welche Kosten bei einem Wechsel in ein anderes Riester-Produkt entstünden.

Auch die Frage ob Ratenzuschläge anfielen, wenn Kunden ihren Beitrag monatlich und nicht einmal jährlich zahlten, bliebe in der Regel unbeantwortet. Die Schlussfolgerung der Studie ist deutlich, so "dürfte ein Verbraucher mehr `spielerisches Glück` benötigen als er sich an Sachverstand sinnvoll aneignen kann, um einem unnötigen Kostenrisiko zu entgehen".

Bis zu 90 Prozent der Zulagen durch die Kosten aufgezehrt

Zwischen den verschiedenen Riester-Produkten, Bank- und Fondssparplänen, Rentenversicherungen und der Förderung von Immobilien per Wohn-Riester, gibt es laut der Studie zudem deutliche Kostenunterschiede. Im Vergleich zu Bank- und Fondssparplänen komme ein 45-jähriger Vorsorgesparer bei einer Riester-Rentenversicherung wegen der höheren Kosten auf ein um 3594 Euro niedrigeres Endvermögen zu Rentenbeginn. Bei 30-Jährigen liege die Einbuße schon bei 9128 Euro. Diese Werte überstiegen schon die Summe der jeweiligen staatlichen Zulagen.

Doch wer deshalb auf die geförderten Sparpläne setzt, ist längst nicht auf der sicheren Seite. Vom 85. Lebensjahr an fließt auch bei diesen Produkten die Rente aus einer Rentenversicherung, die zum Ruhestandsbeginn abgeschlossen werden muss. Welche Kosten dafür anfallen, wiesen die Anbieter der Sparpläne nicht aus, bemängelt die Studie. Hier böten die Riester-Rentenversicherungen immerhin Transparenz.

Die Gesamtkosten der Riester-Rentenversicherungen liegen nach Oehlers Berechnungen "jeweils kaum tiefer als der Betrag der staatlichen Zulagen". Bei 45-jährigen Sparern würden 75 Prozent der Zulagen durch die Kosten aufgezehrt, beim 30-Jährigen wären es gar 90 Prozent. Fonds- und Bankesparpläne seien zwar scheinbar günstiger, doch die Kosten der späteren Verrentung seien unbekannt, so dass eine Berechnung nicht möglich sei. Bausparpläne und Immobiliendarlehen nach den Regeln des Wohn-Riesters blieben bei der Kostenbetrachtung außen vor.

Die Riester-Lüge

Angesichts dieser ernüchternden Ergebnisse fordern die Studien-Autoren drastische Nachbesserungen. So sollten die Anbieter der Riester-Produkte ihren Kunden maximal  20 Prozent der staatlichen Zulagen als Kosten berechnen dürfen. Der Vermögensverlust durch die Kosten solle auf maximal 5 Prozent begrenzt werden. Außerdem müssten die Anbieter zur Angabe der Kosten der späteren Rentenauszahlung gezwungen werden. Bei Bank- und Fondssparplänen fehlen diese bislang oft komplett.

Im Juli hatte die WirtschaftsWoche mit ihrer Titelgeschichte "Die Riester-Lüge - Warum sich die beliebteste Altersvorsorge für viele nicht lohnt" bereits viele der Kritikpunkte der aktuellen Studie angesprochen. So bemängelte die WirtschaftsWoche schon damals, dass die Musterrechnungen der meisten Anbieter, aber selbst der Ministerien, nur die Einzahlungsphase betrachteten. Die spätere Auszahlung der Rente und die erst dann vorgenommene Besteuerung und ihre Kosten blieben unberücksichtigt.

Exklusive Berechnungen von Klaus Jaeger, Professor für Wirtschaftstheorie an der Freien Universität Berlin, belegten zum Beispiel, dass ein 30-jähriger Riester-Fondssparer mit einem Bruttoeinkommen von 52500 Euro 92 Jahre alt werden muss, um seine eigenen Beiträge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen. Die Titelgeschichte führte zu massiven Debatten zwischen Lesern und Anbietern der Riester-Produkte über Vor- und Nachteile der geförderten Altersvorsorge. Außerdem löste der Artikel in anderen Medien einige Berichte über die Mängel der Riester-Rente aus.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.02.2010, 18:56 UhrAnonymer Benutzer: h. J. Weber

    ich bin heute 57. Seit über 20 Jahren kaufe ich für jede Mark/Euro den ich über habe, kleine Goldbarren. ich habe keine Riesterrente, die mir bei weiterem Absinken des Rentenniveaus nur auf die Grundsicherung angerechnet wird, und ich habe auch keine private Rentenversicherung.
    Wenn ich einmal in etwa 10 Jahren (trotz meinen dann 39 beitragsjahren) nur die Grundsicherung erhalte, oder auch weniger, dann werde ich mich auch nicht beschweren, denn wer auch nur einen Taschenrechner bedienen kann, konnte sich schon vor über 30 Jahren ausrechen, wo die Rente hingeht. Aber ich kann dann im Rentenalter menschenwürdig leben und ab und zu mal 10 oder 100 Gramm verkaufen. Und wenn ich nicht sehr alt werde, dann können meine Kinder meinen kleinen Goldschatz verjubeln.
    Sozialschmarotzer?
    Sozialschmarotzer sind nicht die Menschen die Angst haben vor Altersarmut. Sozialschmarotzer sind die Menschen, die Gesetze dafür schaffen, dass der betrug mit der Riesterrente usw. überhaupt möglich ist, gleichzeitig keine beiträge in die Rentenkassen zahlen und später doppelte und dreifache Pensionen kassieren.
    Sich gegen solche Regime zu wehren, ist reine Notwehr.
    Gold hat immer seinen Wert behalten, Cäsars Sandalen kosteten 2 Gramm Gold, das kosten Sandalen heute auch noch.
    Ganz legal brauche ich von den Gewinnen keine Steuern zahlen und keine Sozialabgaben und der Preis für Gold hat sich in den letzten 10 Jahren verfünffach. Die Rente hat sich in der Zeit fast halbiert.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  • 16.01.2010, 01:44 UhrAnonymer Benutzer: Dirk

    Das Riester- Modell war und ist schon immer unseriös:
    Sehen wir das mal von einer anderen Seite:
    Warum wird man um den staatlichen Zuschuß zu erhalten, gezwungen, einen neuen Vertrag abzuschließen und zwar nur einen genau definierten ??!!
    Wenn allles wirklich mit rechten Dingen zuginge, könnte die staatliche Förderung z.b. in eine schon bestehende Renten / Lebenversicherung oder in eine andere selbst! gewählte Geldanlage fließen.
    Nein- es muß unbedingt die Riester- Rente sein, nur die, nichts anderes.
    bitte mal darüber nachdenken

  • 19.12.2009, 10:43 UhrAnonymer Benutzer: OskarF

    @AJ:
    Prozentual stimmt die Rechnung, dass das %-Rentenniveau sinken kann bei wachsender Rentnerzahl oder schrumpfender Zahl der beitragszahler. in einer wachsenden Wirtschaft kann das genauso verkraftet werden wie ein Anstieg des beitragssatzes. Eine Erweiterung auf Selbstständige und beamte würde den Effekt der fallenden Lohnquote ausgleichen.
    Der Staat subventioniert das Rentensystem übrigens nicht, er zahlt nur für die auferlegten versicherungsfremden Leistungen ("Wer bestellt, muss auch zahlen"), und das noch nicht einmal voll.

    Der einzige wirklich sachkundige Kommentar ist der von "Purer Lobbyismus zerstört Rente". Da die Riester-Sparer nicht nur ihr eigenes Kapital ansparen müssen, sondern auch das Umlagesystem für die daraus finanzierten Rentner am Leben erhalten müssen (dazu dient der Riester-Faktor!), müssten sie bei einem Umstieg innerhalb einer Generation doppelt zahlen - wegen des fehlenden Arbeitgeberbeitrags zur Riester-Rente sogar 3-fach! Realistisch ist eher eine Umstellungszeit von 3 bis 5 Generationen (90 bis 150 Jahre), von denen keine einen Vorteil aus dem Umstieg hätte ("Opfer-Generationen").

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