Altersvorsorge: Riester lohnt sich nicht mehr

Altersvorsorge: Riester lohnt sich nicht mehr

, aktualisiert 23. November 2011, 18:52 Uhr
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Entspannt das Rentenalter genießen? Die Rendite der Riester-Rente reicht dafür nicht mehr aus.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Vor zehn Jahren wurde die Riester-Rente noch hoch angepriesen. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen aber stark verändert. Heute bekommen nur noch wenige Verbraucher attraktive Renditen.

DüsseldorfSeit zehn Jahren ist der Name "Riester" eng verbunden mit Altersvorsorge. Doch das Rentenkonzept, das der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester entworfen hat, ist heute längst nicht mehr so profitabel wie früher. „In den letzten zehn Jahren hat sich die Riester-Rente schleichend verschlechtert und ist damit als sinnvolle Altersvorsorge massiv in Frage gestellt“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), der am Dienstag eine Studie veröffentlicht hat, in der er untersucht, wie rentabel die Riester-Rente heute noch ist.

Zu der Verschlechterung haben neben neuen gesetzlichen Regelungen auch neue Produktarten geführt. So wurde beispielsweise 2006 per Gesetz die Regelung eingeführt, dass Riester-Verträge nicht mehr nach Geschlecht differenzieren dürfen. Dies führte jedoch nicht dazu, dass die Prämien für Frauen stark gesenkt wurden. Im Ergebnis wurden vielmehr die Prämien für Männer angehoben und die Rendite ist gesunken.

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Zu den Rendite-Killern gehören nach Kleinleins Analyse auch der von 3,25 auf 2,25 Prozent gesunkene Garantiezins und neue Sterbetafeln. Diese zeigen, wie viele Menschen voraussichtlich in einem Jahr sterben werden. „Bei diesen Tafeln übertreiben es die Versicherungen häufig, so rechnen sie zum Teil bei einem heute 50-Jährigen mit einem durchschnittlichen Sterbealter von 103 Jahren, das ist meiner Meinung nach deutlich überhöht“, sagt Kleinlein.

Erhöht sich das Sterbealter, verlängert sich auch der Zeitraum für die Rentenzahlungen. Das Konzept der Riester-Rente sieht vor, dass ein Teil des angesparten Kapitals für die Rente ab dem 85. Lebensjahr zurückgelegt wird, damit auch dann noch eine monatliche Rente gezahlt werden kann. Die Folge für den Versicherten: Seine Rente für die Zeit bis zum 85. Geburtstag verringert sich.

Als die Riester-Rente eingeführt wurde, ging man noch davon aus, dass etwa zehn Prozent des angesparten Kapitals zurückgelegt werden müssten. Doch dieser Betrag ist im Laufe der Jahre stark gestiegen - zum Nachteil der Rendite. Ein Rechenbeispiel: Hat ein Mann 2001 eine private Riester-Rentenversicherung abgeschlossen, mussten nach der alten Berechnung 13 Prozent des angesparten Kapitals zurückgelegt werden. Heute ist der Anteil auf 33 Prozent gestiegen. Und bei manchen Angeboten wird sogar fast die Hälfte des Kapitals dafür aufgewendet.


Rendite sinkt um bis zu 60 Prozent

Wie stark sich die Rentabilität der Riester-Rente verringert hat, zeigt zudem ein Rechenbeispiel für einen 35-Jährigen: Hat er 2001 einen Riester-Vertrag abgeschlossen, konnte er davon ausgehen, dass er für je 100.000 Euro, die er bis zum Rentenbeginn eingezahlt hat, eine Monatsrente von garantiert 553,03 Euro erhält. Eine Person - egal ob Mann oder Frau - die heute einen solchen klassischen Vertrag abschließt, kann unter den gleichen Bedingungen nur noch mit 337,69 Euro pro Monat rechnen. Bei neuartigen Rentenprodukten - beispielsweise Fondsangebote - können es sogar nur 324,80 Euro sein – das wäre ein Renditerückgang von bis zu 60 Prozent.

Kleinlein untersuchte auch, welches Alter eine Person erreichen muss, um genau ihr eingesetztes Kapital in Form von Renten zurückzuerhalten. Frauen, die 2001 eine Riester-Rente abgeschlossen haben, mussten 80 Jahre alt werden, bis sie ihr eingezahltes Kapital zurückbekommen hatten. Frauen, die heute mit Riester beginnen, müssen etwa 85 Jahre alt werden, bei neuartigen Produkten sogar knapp 90 Jahre. "Wenn der Kunde genau in diesem Alter stirbt, hätte er das Geld auch unter der Matratze sammeln können", sagt Kleinlein. Im Alter von 90 Jahren wurde 2001 jedoch sogar der Inflationsausgleich erreicht, heute geschieht dies erst im Alter zwischen 105 und 110 Jahren.

Besser sieht es für die Verbraucher aus, wenn die Überschussbeteiligung in die Berechnung mit einbezogen wird. Dann wäre schon mit etwa 80 Jahren die Rückzahlung des Kapitals erreicht. Diese Beteiligung sei jedoch grundsätzlich ungewiss, so Kleinlein.

Zusammenfassend kommt Kleinlein zu dem Ergebnis, dass sich die Renten durchgehend verteuert haben. „Für sehr viele Verbraucher lohnt sich die Riester-Rente nicht mehr“, so Kleinlein. Für einige wenige könne sie aber noch Vorteile bringen. „Es ist unseriös, eine bestimmte Personengruppe zu nennen, für die sich Riester lohnt, das hängt immer von den individuellen Lebensumständen und Bedürfnissen ab.“

Außerdem seien die Produkte komplizierter geworden. Der Versicherungsexperte rät Verbrauchern deshalb zu einer unabhängigen Beratung. Die gibt es beispielsweise beim Bund der Versicherten (für Mitglieder), bei den Verbraucherzentralen oder bei einigen wenigen unabhängigen Versicherungsberatern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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