Altersvorsorge: Schutzschirm für Lebensversicherer

Altersvorsorge: Schutzschirm für Lebensversicherer

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Zentrale der Versicherungsgruppe Mannheimer: 2003 brach die Mannheimer Lebensversicherung zusammen

Alles schon da gewesen: Der Staat sprang Lebensversicherern mehrfach bei.

Auf den Staat ist Verlass:  Vor zwei Wochen stellte die Bundesregierung auch Versicherer unter den Schutzschirm des Stabilisierungsfonds. Die letzte Hilfsaktion ist erst sieben Jahre her. Versicherer hatten vor dem Crash 2000 zu Höchstkursen Aktien gekauft und mussten diese in der Baisse dann billig abstoßen. Die Lobbyisten jammerten, und die Politik verstand das Signal. Sie änderte das Bilanzrecht. Versicherer mussten ihre Verluste aus Aktiengeschäften nicht mehr auf einen Schlag abschreiben. Die Branche liegt dem Staat besonders am Herzen. Der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel lobte 2001 „die große wirtschaftliche, soziale und ethische Bedeutung einer soliden Versicherungswirtschaft“. Und die überlässt der Staat dann – wie die Banken – nicht sich selbst.

In der etwa 175-jährigen Geschichte deutscher Lebensversicherungen gab es für Versicherte allerdings schon härtere Zeiten.

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„Die schwierigste Situation für die Versicherer war der Währungsverfall in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, der den Versicherungsschutz praktisch wertlos machte“, sagt der Aachener Versicherungsexperte Professor Peter Koch. Für einen Dollar mussten in der Hyper-Inflation 1923 4,2 Billionen Papiermark bezahlt werden. Da die Versicherer weitgehend nur in verzinste, sogenannte mündelsichere Papiere investieren durften, schafften sie mit ihrer Geldanlage keinen Inflationsausgleich. Die gestiegenen Verwaltungskosten der Versicherer zehrten die Prämien der Versicherer teils komplett auf. 1925 verhalf der Staat den Versicherern zu einer Aufwertung ihrer Vermögen um bis zu 25 Prozent und verschaffte den Versicherten damit zumindest einen kleinen Ausgleich.

In Weltwirtschafskrise kamen Versicherte mit einem blauen Auge davon

Vor der Weltwirtschaftskrise, im Sommer 1929, erschütterte der Zusammenbruch der Frankfurter Versicherungs-AG (Favag) die Weimarer Republik. Der Allianz-Konzern übernahm das Geschäft seines ärgsten Konkurrenten und rettete so die Versicherten. Favag betrieb Geschäfte, die auch heute mancher Bank zum Verhängnis wurden – langfristige Darlehen wurden über kurzfristige Kredite finanziert. Nach diesem Flop verlangte der Gesetzgeber, dass Wirtschaftsprüfer die Jahresabschlüsse der Versicherer prüfen, zudem wurde die Versicherungsaufsicht verstärkt.

Den Versicherer Deutscher Phönix rettete aber auch das nicht. Das Expansionsstreben des Wiener Mutterhauses führte 1936 zum Kollaps, dem Versicherte in Deutschland nur entgehen konnten, weil erneut die Allianz das Geschäft übernahm.

Auch in der Weltwirtschaftskrise um 1929 kamen Versicherte noch vergleichsweise glimpflich davon. „Unter dem Aktiencrash litten Lebensversicherer kaum, denn sie hatten nur etwa 0,6 Prozent ihres Vermögens in Aktien investiert“, so Koch. Viele Arbeitslose konnten allerdings ihre Prämien nicht zahlen und das verschlechterte ihre Vorsorge.

Bei der Währungsreform 1948 kam es für Versicherte zunächst knüppeldick. Beispielsweise die auf Reichsmark lautenden privaten Rentenversicherungsverträge wurden nicht wie staatliche Renten 1:1, sondern nur im Verhältnis 10:1 auf Deutsche Mark umgestellt. Bis 1963 wurde dann im Rahmen von drei Rentenaufbesserungsgesetzen nachjustiert. 1951 etwa gab es für monatliche Renten aus privaten Policen, die bis zu 70 Reichsmark betragen hätten, für jede Reichsmark eine Deutsche Mark, für Rentenansprüche zwischen 70 und 100 Reichsmark noch je 50 Pfennig. Bei darüber hinausgehenden Beträgen blieb es bei der 10:1 Regelung. Der Staat griff den Versicherern dann mit Ausgleichsmaßnahmen für die höheren Zahlungen wiederum unter die Arme.

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