Altersvorsorge: Sorgenkind Lebensversicherung

Altersvorsorge: Sorgenkind Lebensversicherung

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Baucontainer vor dem Sitz der Ergo Versicherungsgruppe in Düsseldorf

von Annina Reimann

Die Deutschen wollen sich in der Krise nicht an langlaufende Verträge binden, das Geschäft mit der Lebensversicherung bleibt mau. Das ist auch bei Deutschlands drittgrößtem Erstversicherer Ergo so.

In der Krise suchen die Menschen nach Geldquellen – laufende Kosten schrauben sie runter, neue Verträge schließen sie nur zurückhaltend ab. Das merken besonders die Lebensversicherer. So hätten in der Krise vermehrt Kunden ihre Verträge beitragsfrei gestellt, sagte Ergo-Leben Vorstand Daniel von Borries in Düsseldorf bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2009. 6,3 Prozent der Verträge wurden beim Ergo-Versicherer Hamburg-Mannheimer storniert, 7,5 Prozent bei der Tochter Victoria, die wie geplant das Neugeschäft im Lebenbereich zum dritten Quartal einstellt.

Der Trend zeigt sich auch bei den so genannten Einmalbeiträgen. Das sind oft hohe Beträge, die Kunden zum Beispiel aus einer abgelaufenen Lebensversicherung direkt beim Versicherer lassen. Dort parken sie es zum Beispiel kurzfristig oder zahlen es in eine sofort laufende Rentenversicherung ein. Von 1,6 Milliarden Euro im Neugeschäft kamen 1,26 Milliarden allein aus dem Einmalbeitragsgeschäft – ein Steigerung um mehr als 28 Prozent. Damit liegen die Ergo-Lebensversicherer trotzdem noch weit unter dem Branchendurchschnitt, der im vergangenen Jahr über 60 Prozent in diesem Segment zulegte.

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Victoria verschwindet

Für die Münchener-Rück-Tochter wird der Kuchen der wichtigen laufenden Beiträge, mit denen die Versicherer langfristig planen können, immer kleiner. „Das ist eine echte Herausforderung für uns und die gesamte Brache“, sagte der Ergo-Vorstandsvorsitzende Torsten Oletzky. Insgesamt gingen die Beiträge in der Lebensversicherung um 2,2 Prozent zurück. Die Leben-Sparte ist mit 27 Prozent der zweitgrößte Baustein in der Ergo-Gruppe.

Opfer des schwierigen Marktumfeldes und der Umstellung der Mehr- auf eine Einmarkenstrategie wurde im Konzern zuletzt die Tochter Victoria. Das Neugeschäft wird zum 1. Oktober eingestellt. In Zukunft wird das gesamte Lebengeschäft unter der Marke Ergo gebündelt, zu der dann auch die heutige Hamburg-Mannheimer gehört.

Die Probleme sind teilweise hausgemacht: Die Manager der Victoria hatten Anfang des Jahrzehnts eine hohe Aktienquote. Die Victoria verkaufte die Aktien zu spät, erst nach dem Platzen der Technologieblase. Die damals hohen Bewertungsreserven schmolzen – genau wie die wichtigen Rückstellungen für Beitragsrückerstattung, ein wichtiger Puffer für Lebensversicherer, denn daraus zahlen sie später die Überschüsse an ihre Kunden.

Schwache Kapitalanlage

Das zeigt bis heute Nachwirkungen: Victoria konnte für 2009 nur noch eine Überschussbeteiligung von 3,6 Prozent bezahlen – das ist weniger als der Markt, der im Schnitt 4,2 Prozent zahlte.

Auch habe man, so von Borries, im Lebengeschäft „hohe Abschreibungen auf Zinsabsicherungen“ gehabt. „Das Kapitalanlageergebnis vermindert sich durch Abschreibungen auf Zinsabsicherungsgeschäfte von 2,8 auf 2,4 Milliarden Euro“, sagte von Borries der WirtschaftsWoche. Im Jahr zuvor konnte der Versicherer dafür Beträge zuschreiben, da die Absicherungen stark im Wert stiegen. Für die Kunden sei der Effekt so oder so bei Null, da bei der Bilanzierung nach IFRS im Gegensatz zur Bilanzierung nach HGB-Regeln immer der aktuelle Marktwert angegeben werden müsse. Daher sei IFRS eigentlich ungeeignet für Lebensversicherer, so der Vorstand. Es handele sich um Optionsinstrumente, auch der „Rückgang der Volatilität“ sowie „die Steilheit der Zinskurve“ habe dabei eine Rolle gespielt.

Verwunderlich, sollte der Versicherer doch von seinen Absicherungen gegen das Niedrigzinsumfeld profitieren und die das Geschäft sicherer statt schwankungsanfälliger machen.

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