Anleihemärkte: Wie Rentenfonds die Krise weiter anheizen

Anleihemärkte: Wie Rentenfonds die Krise weiter anheizen

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Ein Monitor mit Kursinformationen in einem Schaufenster in Mailand

von Heike Schwerdtfeger

Rentenfonds verleihen Anleihen an Hedgefonds – und treiben damit die Kurse italienischer Staatspapiere noch weiter nach unten.

Euro-Rentenfonds sind mit einem Volumen von rund 71 Milliarden Euro eine bei deutschen Privatanlegern beliebte Anlage. Selbst viele der aktiv gemanagten Fonds orientieren sich allerdings an Indizes und börsengehandelte Indexfonds bilden sie nach. Diese Marktbarometer sind so konzipiert, dass dort die Schuldenstaaten dominieren, die viele Anleihen auf den Markt werfen. Italien als zweitgrößter Schuldner im Euroland hat in Indizes, in denen Anleihen mit kurzer Restlaufzeit stecken, wie dem Barclays Capital Euro Government Bond 1-3 einen Anteil von 38 Prozent. In einer Woche verlor ein auf diesen Index ausgegebener börsengehandelter Indexfonds von ishares allerdings nur 0,3 Prozent an Wert. Kursverluste italienischer Papiere wurden von Kursgewinnen bei Bundesanleihen aufgefangen.

Dass Investoren jetzt plötzlich Italien den Krieg erklären, überrascht Fondsmanager nicht. Wer unabhängig von Indizes anlegen konnte, hat schon seit langem auf die verschuldeten Euroländer verzichtet wie Michael Hasenstab von Franklin Templeton bei seinem Total-Return-Rentenfonds (siehe Tabelle) sowie Bernd Früh vom Schweizer Haus Tiberius beim Interbond OP. Beide setzen statt dessen eher auf die Währungen von Norwegen, Kanada, Schweden oder Australien, Hasenstab engagiert sich auch in Schwellenländern.

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Wie stark Krisen einen Rentenfonds erschüttern können, hängt von der Mischung ab. In dem aktuellen Umfeld sehen viele Fondsmanager bei den Anleihen internationaler Konzerne mit soliden Finanzen und starken Geschäftsmodellen einen sichereren Hafen als bei Staatsanleihen.

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Investieren die Manager zudem noch außerhalb des Euroraumes, dann profitieren Anleger sogar vom schwachen Eurokurs gegenüber vielen Währungen. Das macht Fonds mit einem globalen Währungsmix derzeit interessant.

Bislang haben Inflationsgefahren vielen Fonds zugesetzt, die in asiatische Anleihen investieren. Da die asiatischen Notenbanken die Inflationsgefahren bannen und die Währungen vergleichsweise stark sind, können risikobereite Anleger den Einstieg in einen speziellen Asienanleihen-Fonds wie den Pictet Asian Local Currency Bond  wagen. Breiter über Schwellenländer Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas gestreut ist der Templeton Emerging Markets Bond Fonds. Die meisten Schwellenländer haben ihre Finanzen besser im Griff als europäische Staaten. Trotzdem bieten sie höhere Zinsen.

Der weltgrößte Anleiheninvestor, die Allianz-Tochter Pimco, hat in dieser Woche Italienanleihen gekauft, weil die Strategen des Hauses ebenso wie Experten der Fondsgesellschaft Fidelity die Kursabschläge für übertrieben hielten. Viele andere blieben ihren Papieren treu, denn die aus Bundesanleihen und Italienpapieren gemischten Portfolios hielten sich gut. Kursgewinne auf der einen Seite glichen Kursverluste der anderen aus.

Manches Fondshaus heizte den Druck auf Italien allerdings selbst dann noch an, wenn der Fondsmanager seine Bestände gar nicht veränderte. Zwei der größten Rentenfonds auf dem deutschen Markt, der 2,7 Milliarden schwere UniEuroRenta und der Deka Europa Bond (1,3 Milliarden Euro) hatten zu den letzten Berichtsstichtagen italienische Staatsanleihen aus ihrem Bestand verliehen. Aufgenommen werden die Papiere dann üblicherweise von Hedgefonds, die sich auf Märkte stürzen, die angeschlagen sind und bei denen fallende Kurse Gewinne für Hedgefonds bieten. Beispielsweise mit den italienischen Staatsanleihen im Wert von über 80 Millionen Euro, die allein der UniEuroRenta von Union Investment auch aktuell noch verliehen hat, konnten die Spekulanten auf die Jagd gehen. Die Leihgeschäfte führen die drei großen Fondshäuser DWS, Deka und Union Investment für viele der von den Fonds gehaltenen Anleihen und Aktien durch.

Wurden die Italienanleihen dann gezielt auf den Markt geworfen, als der sich in der vergangenen Woche schon im Abwärtstrend befand, verstärken sie die Verluste. Die Wette geht dann auf, wenn der Kurs der Italienanleihen fällt und die Hedgefonds die geliehenen Papiere zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und dann zurückgeben können. Der Fondsmanager bekommt sie dann allerdings auch zu dem niedrigeren Kurs zurück in den Fonds gebucht. Eine kleine Leihgebühr macht diesen Schaden kaum wett.

Die Angreifer können ihre Aktionen ganz legal durchführen, denn geächtet von Aufsichtsbehörden werden allenfalls ungedeckte Leerverkäufe. Mit geliehenen Papieren zu spekulieren ist nicht verboten. „Aber diese Investoren drücken ihren Stempel nur auf etwas, dass der Markt schon zuvor entschieden hat“, sagt Bernd Früh, Fondsmanager beim Schweizer Fondshaus Tiberius. Das fehlende politische Geschick, die Griechenlandfrage zu lösen, werde immer wieder Anlass zu solchen Aktionen geben.

Während allerdings Deutschlands Bundesanleihen in den vergangenen Monaten sogar gelitten haben, weil befürchtet wurde, dass der heimische Steuerzahler zu viel Geld gen Süden überweist, findet jetzt wieder die Flucht in die Bundesanleihe statt. „Jetzt ist jedem am Markt klar, dass der Rettungsschirm nicht auf Italien ausgedehnt werden kann und eine neue Politik in der Schuldenkrise notwendig ist.“Ulrich von Altenstadt, stellvertretender Geschäftsführer beim Münchner Fondshaus assénagon, sieht die Übeltäter hinter der Italien-Attacke und dem Verkaufsdruck auf italienische Staatsanleihen eher in Banken und Versicherungen. „Es ist das typische Muster von Notverkäufen. Durch die Verluste auf italienische Anleihen wird das Eigenkapital der Banken, die diese Positionen auf den Büchern halten, weiter reduziert und zwingt gegebenenfalls zu Verkäufen. Ähnliches gilt für die Risikotragfähigkeit von Versicherern, die unter sinkenden Bewertungen und steigendem Risiko leidet.“

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