Anleihen von Industriekonzernen: Wann Investoren ihre Gewinne in Bares ummünzen sollten

Anleihen von Industriekonzernen: Wann Investoren ihre Gewinne in Bares ummünzen sollten

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ThyssenKrupp-Hüttenwerk: Schuldenstatus liegt nur noch knapp über Schrottniveau

von Christof Schürmann

Mit Anleihen von Industriekonzernen konnten Anleger binnen kurzer Zeit enorme Renditen einfahren. Wo Investoren bei der Stange bleiben dürfen, welche Bonds sie jetzt abstoßen sollten, wo sie frisches Geld noch anlegen können.

Schwierigkeiten mit Krediten kennt Alan Hippe. Vor gut zwei Jahren musste der smarte 42-Jährige als Finanzchef des Reifenherstellers Continental 13,5 Milliarden Euro Kredit für die Übernahme des Autozulieferers VDO zusammensuchen. Heute kämpft er als Finanzvorstand von ThyssenKrupp um jeden Zehntelprozentpunkt Kreditzins. Der Dax-Konzern ist in der Krise, die Ratingagenturen stehen kurz davor, ihn aus der sicheren Investitionsklasse in den Schrottbereich unsicherer Schuldner abzustufen. Thyssen-Kredite würden dann schlagartig teurer, das Ergebnis des Konzerns, der ohnehin Verlust macht, würde zusätzlich belastet – und in die Ramschklasse einsortiert zu werden, ist auch nicht gut fürs Image.

Der ambitionierte Schwimmer – als Jugendlicher gehörte er dem Nationalkader an – kämpfte einen verzweifelten Kampf, um die Thyssen-Finanzen über Wasser zu halten. Mit Erfolg: Im September gewährten die drei großen Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewerten (Standard & Poor´s, Moody’s und Fitch) Hippe noch mal eine Gnadenfrist. Der Konzern bleibt in der Investitionsklasse, wenn auch nur auf der untersten Stufe. Dazu schätzen die Ratinganalysten den Ausblick negativ ein. Eine Abstufung ist damit wahrscheinlicher als eine Verbesserung des Ratings.

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Verkehrte Welt

Anleger haben von dem Gerangel nichts mitbekommen. Im Gegenteil: Wer sich den Kursverlauf von börsennotierten Thyssen-Anleihen anschaut, gewinnt den Eindruck, alles sei in bester Ordnung. So verzinste sich ein bis Mitte 2014 laufender Thyssen-Bond Anfang Juni noch mit 8,5 Prozent. Derzeit sind es nur noch 5,7 Prozent. Müsste sich Hippe für Thyssen jetzt neu verschulden, würde er Millionen sparen.

Verkehrte Welt – Probleme mit der Bonität, aber eine immer bessere Börsenbewertung der Schulden – herrscht nicht nur bei Thyssen. Rund um den Globus kämpfen Industrieunternehmen gegen schlechtere Ratings an, steigen die Ausfallraten von Krediten und Anleihen auf Mehrjahreshochs. Und dennoch verzeichnen börsennotierte Schuldverschreibungen hohe Kursgewinne. Jetzt stellt sich die Frage, ob der Anleihemarkt nicht überhitzt ist, ob Investoren ihre Gewinne in Bares ummünzen oder bei der Stange bleiben sollten.

Rally der Anleihekurse

Rückblick: Im Frühjahr 2009 lagen die Kurse der Anleihen am Boden; die Verzinsung, die Anleger ins Depot buchen konnten, war so attraktiv wie lange nicht. Bei Anleihen mit festem Kupon (Nominalzins) gilt immer: je höher der Kurs, desto niedriger die Verzinsung; je niedriger der Kurswert, desto höher die Rendite. 

Mit den ersten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung zogen die Anleihekurse an, die Verzinsung sank entsprechend. Konjunkturhoffnungen und die von den Notenbanken losgetretene Liquiditätsschwemme verleiteten vor allem Großinvestoren dazu, sich im großen Stil mit Unternehmenspapieren einzudecken. Seit Jahresanfang haben Firmenbonds laut Zahlen von Merrill Lynch 20,3 Prozent zugelegt.

Kreditwürdigkeit nimmt ab

Die Kurse sind jetzt oben, doch die meisten Unternehmen sind noch lang nicht über den Berg. In den vergangenen zwölf Monaten stufte die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in Deutschland 119 Unternehmen ab, lediglich neun verbesserten ihre Kreditwürdigkeit. Moody’s schickte selbst den Dax-Konzern Lufthansa in die Schrottklasse. Weltweit stehen aktuell 900 von S&P beobachtete Unternehmen vor einer Herunterstufung. „Wir sind mitten in der Krise, von Entwarnung kann keine Rede sein“, sagt Stephan Haber, Unternehmensanleihe-Spezialist bei UniCredit in München.

Besorgniserregend sind insbesondere die Ausfallraten von Schulden ganz schwachbrüstiger Unternehmen. Rund jeder achte als spekulativ eingestufte Schuldner wird dieses Jahr seine Zinszahlungen und Tilgungen einstellen.

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