Anspar- und Auszahlphase: Rente richtig aufbauen und genießen

Anspar- und Auszahlphase: Rente richtig aufbauen und genießen

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Zeit hilft: Um sich eine auskömmliche Rente aufzubauen, muss das Ersparte lange mit Zinseszins wachsen

von Martin Gerth

Wer früher in den Ruhestand will, braucht eiserne Disziplin und einen guten Plan - nicht nur für Sparphase, sondern auch für die Rentenphase. Die optimale Strategie für Kapitalaufbau und -verzehr.

Werner Philipp, 65, ehemaliger IT-Entwicklungschef bei Vodafone, ist mehr als gut versichert. Sieben Lebensversicherungen hatte der Manager im Vorruhestand für sich, seine Frau und die drei Kinder abgeschlossen. Zusätzlich hat er schon mit Mitte 30 angefangen, Geld in Aktien- und Rentenfonds zu sparen. Später kam noch eine staatlich geförderte Rürup-Rente hinzu.

Philipp konnte so viel sparen, weil er sich bereits in den Dreißigern zum Abteilungsleiter hochgearbeitet hatte. Vorzeigesparer wie der ehemalige Vodafone-Manager sind aber eher die Ausnahme. Nach einer Studie des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge beziehen deutsche Rentner im Schnitt 402 Euro monatlich aus Geld- und Immobilienvermögen. Die Hälfte kommt auf weniger als 275 Euro pro Monat. Um größere Versorgungslücken zu stopfen, die durch einen vorzeitigen Ruhestand entstehen, ist das zu wenig.

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Erster Schritt beim Vermögensaufbau ist das Erstellen eines Haushaltsbudgets, um zu sehen, wie viel monatlich fürs Sparen übrig bleibt. Ist der Wert in etwa so hoch wie der aus der Finanzplanung, sollten Anleger das Geld dort einsetzen, wo es den größten Nutzen bringt. Entschulden geht dabei vor Sparen. „Kreditzinsen sind in der Regel höher als die Rendite von Kapitalanlagen“, sagt Ralf Nomrosky, Gutachter für Kapitalanlagen in Düsseldorf. Größter Brocken ist in der Regel die Baufinanzierung. Je schneller der Baukredit getilgt ist, desto mehr können Aussteigewillige in die Altersvorsorge stecken.

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Rentenbescheid Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Schulden sind allerdings nicht das einzige Risiko fürs Ersparte. Meist ist der Anleger selbst die größte Gefahr. „Oft fehlt es an Disziplin und der richtigen Strategie“, sagt Andreas Zittlau, Chef des Bonner Vermögensverwalters Privacon. Häufig sei das Ersparte unzureichend über die Vermögensklassen Anleihen, Aktien, Gold oder Tagesgeld gestreut. Zudem ließen sich die Anleger zu stark von kurzfristigen Trends beeinflussen und schichteten zu oft um.

Lebenslang monatlich 333 Euro dazu

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Versicherung

Tarif

garantierte  monatliche Rente (in Euro)2

monatliche Rente  inklusive Überschüsse (in Euro)

Europa3

E-R1

336

452

HUK24

RSGT24 Sofortrente

333

439

CosmosDirekt

R3

332

448

Hannoversche Leben

Sofortrente R1

332

431

HUK-COBURG

RSGT Sofortrente

329

434

Continentale3

R1

323

435

R+V

LSE

322

444

Karlsruher

KSR

322

458

Stuttgarter

SofortRente classic - T30.8

322

431

Württembergische

SR

320

433

1 Vorgaben: Rente wird lebenslang, mindestens jedoch zehn Jahre lang gezahlt, falls der Versicherte vorzeitig stirbt; Anbieter muss mindestens einen Stern im LV-Unternehmensrating von Morgen & Morgen haben;  2 Garantiezins liegt derzeit bei 1,75 Prozent pro Jahr; 3 Rente inklusive Überschüssen in voller Höhe erst ab dem vierten Jahr; Quelle: Morgen & Morgen, Stand: November 2013

Anlageregeln einhalten

Zittlau rät Sparern, sich ein klares Regelwerk zu geben und dieses bis zur ersten Rente durchzuhalten: „Das ist langweilig, wie der Farbe beim Trocknen zuzusehen, aber es hilft.“ Anleger sollten sich zunächst klar darüber werden, wie viel Risiko sie in Kauf nehmen wollen:

  • Totalverlust ausschließen. Kapitalanlagen, bei denen ein Verlust der kompletten Ersparnisse möglich ist, haben in einem Altersvorsorge-Portfolio nichts zu suchen. Dazu gehören geschlossene Beteiligungen, riskante Nebenwerte sowie Währungs- oder Rohstoffwetten.

  • Maximalen Verlust begrenzen. Selbst Qualitätsaktien aus dem Dax oder Euro Stoxx können sich mehr als halbieren. Je höher der Aktienanteil im Depot ist, desto größer der mögliche maximale Verlust. Das Risiko von Einzelwerten lässt sich durch Indexfonds (ETF) mindern.

  • Volatilität akzeptieren. Verluste zu begrenzen heißt aber nicht, auf Aktien zu verzichten. Über 20 Jahre relativieren sich die Schwankungen, weil frühere Verluste aufgeholt werden können. Hätte ein Anleger im November 1993 in den Dax investiert, wäre er heute mit 345 Prozent im Plus. Wäre er bereits 2003, also zehn Jahre früher ausgestiegen, hätte er mit 80 Prozent plus einen deutlich kleineren Wertzuwachs erzielt. „Viele Anleger werfen zu schnell die Flinte ins Korn, wenn der Dax mal 1000 Punkte verliert“, sagt Zittlau.

Wer weiß, wie viel Risiko er akzeptiert, kann sich auf die Suche nach den passenden Finanzprodukten machen.

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