AOK Krankenhaus-Report 2014: 19.000 Tote jährlich durch Fehler und Schlampigkeit im Krankenhaus

AOK Krankenhaus-Report 2014: 19.000 Tote jährlich durch Fehler und Schlampigkeit im Krankenhaus

von Anke Henrich

Keine Krankenkasse hat so viele Versicherte wie die AOK. Folgerichtig verfügt auch niemand anderes über so viel valide Daten zur Qualität von Kliniken. Umso gewichtiger sind die Aussagen, die die AOK in ihrem Krankenhaus-Report 2014 vorgelegt hat.  Die zentrale Aussage: Wie gut das Ergebnis einer Krankenhausbehandlung ist, hängt eng damit zusammen, wie oft der Eingriff pro Haus durchgeführt wird.

Der Report führt dafür das Beispiel Hüftgelenk-Operationen an. Das Fünftel der Krankenhäuser mit den wenigsten Eingriffen weise im Vergleich zum Fünftel mit den meisten Behandlungen eine um 37 Prozent höhere Rate an Wiederholungsoperationen auf. „Vieles spricht dafür, dass mit steigender Erfahrung und Routine bessere Ergebnisse erzielt werden“, sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports. Ähnliches gelte auch für die Versorgung von Frühchen mit weniger als 1 250 Gramm Geburtsgewicht. Danach liege die Wahrscheinlichkeit, dass diese Babys sterben, bei Kliniken mit weniger als 15 Fällen pro Jahr um 87 Prozent höher als bei Kliniken, die mehr als 45 Frühchen pro Jahr versorgen. Während die Frühchen-Problematik öffentlich breit diskutiert wird und die meisten Eltern schon Monate vor dem geplanten Geburtstermin die Entbindungsstation sorgfältig aussuchen, sieht es bei vermeintlich harmloseren Eingriffen anders aus. Noch immer entscheiden sich die meisten Patienten für die Klinik, in die der niedergelassene Facharzt sie einweist oder die, die schlicht gut erreichbar ist. Beides aber kann ein Trugschluss sein.

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Sterblichkeit bei Frühchen von 500 bis 1.249 Gramm. Klicken Sie hier, um die Grafik zu vergrößern! Quelle: WIdo

Sterblichkeit bei Frühchen von 500 bis 1.249 Gramm. Klicken Sie hier, um die Grafik zu vergrößern!

Bild: WIdo

Denn viele Krankenhäuser versuchten, sich zu ‚kleinen Universitätskliniken‘ zu entwickeln, die alles anböten, beklagt der AOK-Bundesverbandes. Für eine hochwertige medizinische Versorgung sei jedoch Spezialisierung das Gebot der Stunde.  Und an die Adresse der Bundespolitiker und Landräte:  Wer tatsächlich Versorgungsprobleme beseitigen wolle, müsse einen Schritt weiter gehen und die Krankenhauslandschaft modernisieren. Soll heißen: auch überzählige und schlechte Kliniken schließen.

Die Ortskrankenkassen treibt nicht nur die Qualität der medizinischen Versorgung zum Patientenwohl an. Es geht auch um Milliarden Euro jährlich. Da alle gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungen nach festgesetzten Pauschalen bezahlen müssen, spielt die Qualität der stationären Versorgung, das Auftreten von Komplikationen bis hin zur Überlebensrate nur in wenigen Fällen eine Rolle. Und wenn, dann wird es für die Kassen wegen nötiger Nachfolgebehandlungen nur teurer, aber nie billiger. Deshalb fordert nicht nur die AOK, dass in Zukunft bei der Bezahlung auch die Qualität der Behandlung berücksichtigt werden kann. Da das nicht nur eine politisch heikle Forderung ist – auch um die anzulegenden Qualitätskriterien kann lange und trefflich gestritten werden -, geht es dabei nicht um eine Malus- sondern eine Bonus-Regelung. Soll heißen: Schlechte Kliniken werden nicht per reduzierter Überweisung abgestraft, sondern gute Kliniken erhalten mehr Geld. Das langfristige Ziel: Schlechte Kliniken geben entweder auf oder werden besser.

Studie zu Arztfehlern Wenn der Doktor irrt

Ärzte machen trotz aller Qualitätssicherung genau so viele Fehler wie bisher. Das belegt eine aktuelle Studie der Krankenkassen. Die meisten Patientenbeschwerden richten sich gegen Krankenhäuser.

Fehler bei Operationen lassen sich häufig am leichtesten nachweisen: Falsche Diagnosen und Therapien kommen aber bei allen Behandlungsformen vor. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Dazu müssten aber auch die Patienten über die Qualität einer Klinik besser als bisher informiert werden. Die von den Krankenhäusern pflichtgemäß zur Verfügung gestellten Informationen erfüllen diese Anforderung bislang gibt.   

Die Qualität der medizinischen Versorgung sofort zu verbessern wäre nach Meinung der AOK schon mit einfachen Mitteln möglich. Beispiele hierfür seien elektronische Verschreibungssysteme oder gute Hygienemaßnahmen. Register trügen bei der Einführung neuer Medizinprodukte oder neuer Behandlungsverfahren zur Patientensicherheit bei. „Wichtig, aber häufig vernachlässigt, wird vor allem der Einfluss einer entsprechenden Fehlerkultur im Krankenhaus auf die Patientensicherheit. Die Mitarbeiter müssen noch stärker für das Thema sensibilisiert und die bereits eingeführten Fehlerberichtssysteme besser genutzt werden, um aus eigenen Fehlern und den Fehlern anderer Krankenhäuser zu lernen“, so Prof. Dr. Max Geraedts von der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports.

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Die Fakten wiesen darauf hin, wo es Verbesserungspotenziale gibt: Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Krankenhausbehandlungen findet ein unerwünschtes Ereignis wie eine allergische Reaktion auf ein Medikament statt. Knapp die Hälfte dieser unerwünschten Ereignisse gilt als vermeidbar. Tatsächliche Fehler kommen mit einer Häufigkeit von rund einem Prozent aller Krankenhausfälle und tödliche Fehler mit einer Häufigkeit von rund einem Promille vor. Das sind derzeit pro Jahr rund 19 000 Todesfälle – mehr als Tote im Straßenverkehr.

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1 Kommentar zu AOK Krankenhaus-Report 2014: 19.000 Tote jährlich durch Fehler und Schlampigkeit im Krankenhaus

  • An der Statistik der AOK ist natürlich - wie beim ADAC - zu bemängeln, daß die Daten der anderen Institutionen nicht eingeflossen sind. ;-)

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