Autoversicherung: Welchen Schutz Autofahrer wirklich brauchen

Autoversicherung: Welchen Schutz Autofahrer wirklich brauchen

, aktualisiert 16. November 2011, 11:18 Uhr
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Mitteilung des Autoversicherers: Die Prämien steigen. Bis Ende November können Autofahrer ihren Versicherer kündigen.

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

Noch bis Ende des Monats können Autofahrer den Versicherer wechseln. Die Anbieter locken mit skurrilen Leistungen, etwa bei Seenotrettung auf der Fähre. Welchen Schutz Kunden wirklich brauchen und wie sie Prämien sparen.

In Ausnahmesituationen haben sogar Verbraucherschützer Mitleid mit Versicherern. Die neuerlichen Preiserhöhungen findet jetzt Beifall von ungeahnter Seite. „Die Kfz-Versicherer haben jahrelang einen ruinösen Wettbewerb betrieben“ sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten. Eine Gesellschaft hätte wegen finanzieller Schwierigkeiten ihr Geschäft im Vorjahr sogar einstellen müssen. „Das kann so nicht weiter gehen. Damit ist langfristig keinem Verbraucher geholfen“ sagt Kleinlein.

Im Schnitt um fünf Prozent gehen die Prämien der neuen Policen im nächsten Jahr rauf, wie eine Auswertung für Handelsblatt Online belegt. Einige Versicherer verteuern ihren Schutz sogar im zweistelligen Prozentbereich. Noch bis Ende des Monats können die meisten Versicherten kündigen und zum neuen Jahr zu einem anderen Anbieter wechseln.
Wenn sie schon mehr zahlen müssen, denken sich jetzt viele Autofahrer, dann möchten sie auch etwas bekommen für ihr Geld.

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„Seit Jahren verbessern sich die Leistungen der Tarife“, sagt Ivana Höltring, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Nafi. In der Haftpflicht bietet nach ihrer Analyse mittlerweile jeder zweite Tarif Deckungssummen bei Personenschäden von mehr als acht Millionen Euro. Fast jede Police erstattet Sachschäden von maximal 100 Millionen Euro.

Bei Kaskoschutz sollten Besitzer von hochwertigen Neuwagen auf eine Neupreisentschädigung achten. Bei Totalschaden, Diebstahl oder Brand ersetzen einige Versicherer nicht den niedrigeren Zeitwert des Fahrzeuges, sondern den Kaufpreis. 70 Prozent der Tarife leisten im ersten Jahr nach dem Kauf, 25 Prozent auch im zweiten Jahr.

Kundenfreundliche Versicherer verzichten in ihren Bedingungen auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Persönliche Nachlässigkeiten wie das Überfahren einer roten Ampel oder das Telefonieren am Steuer werden bei der Schadenregulierung dann nicht geprüft. 90 Prozent aller Tarife haben aktuell diesen Einschluss.

Oft entscheiden Spitzfindigkeiten im Regelwerk, ob der Versicherer zahlt oder nicht. Mehr als 90 Prozent der Tarife leistet etwa für Schäden bei einem Marderbiss. Jeder fünfte Tarif deckt aber keine Folgeschäden. Nicht nur bei kleinen Nagern zeigt die Branche Sinn fürs Detail. Während einige Gesellschaften pauschal alle Unfällen mit Tieren decken, leisten andere nur bei Zusammenstössen mit Wild- und Nutztieren oder Haarwild.


Lückenhafter Rundum-Schutz

Die Liste der Leistungen ist lang, für jeden Kunden ist etwas dabei. Einige Tarife verzichten auf einen Selbstbehalt bei Glasschäden und versichern das Autoradio zum Neupreis sowie eingeschlossene Mobiltelefone.

Viele solcher Leistungen sind für die meisten Kunden eher unwichtig und sollen nach Meinung mancher Verbraucherschützer vor allem dem Vertreter Argumente für den Abschluss liefern. Einige Policen ersetzen etwa Öl- und Schmierstoffe, nicht aber das Benzin im Tank. Oder das Havarie-Grosse-Risiko, nach dem die Gesellschaft Schäden bezahlt, die Hilfsteams bei der Rettung einer Fähre aus Seenot vorsätzlich verursachen. Selbst Zollkosten nach dem Rücktransport bei einem Schaden im Ausland oder zerstörte Autobahnvignetten beim Glasbruch können Autofahrer absichern.

Auf der Suche nach dem passendem Schutz können sich Kunden auf die Terminologie der Versicherer kaum verlassen. Fast alle Gesellschaften bieten inzwischen Tarife mit mindestens zwei Leistungskategorien an. Der Schutz verbessert sich vom „Basis-“ über den „Standard-“ zum leistungsstärksten „Premiumtarif“.

Das Problem: Der Leistungsumfang unterscheidet sich je nach Versicherer. So bietet beispielsweise der Basistarif der Huk-Coburg eine Deckungssumme bei Personenschäden in der Haftpflicht in Höhe von 12 Millionen Euro. Der Standardtarif „Plus“ der Asstel deckt dagegen solche Schäden nur bis zu einer Summe von acht Millionen Euro. Bei der Einstiegsvariante verzichtet die Huk bei der Schadenregulierung auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit und erstattet bei Ersatzteilen und Lack auf einen Abzug wegen der altersbedingten Abnutzung. Die Asstel verzichtet bei ihrem Plus-Tarif auf solche kundenfreundlichen Bedingungen. 63 Prozent aller Tarife bietet diesen Schutz.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte und nicht von den enorm hohen Prämien abgeschreckt wird, kann sein Fahrzeug für nahezu alle Fälle versichern. All-Risk-Policen decken alle Schäden, die nicht schon in der Vollkasko abgedeckt sind. Interessenten sollten sich trotzdem nicht in falscher Sicherheit wiegen. „Auch hier gibt es Deckungslücken“, sagt Höltring.

Der Komfort-Tarif der Axa - kann wie bei anderen KFZ-Tarifen üblich - etwa die Erstattung von Schäden wegen Trunkenheit oder grob fahrlässiger Herbeiführung eines Diebstahls reduzieren. Das gilt ebenfalls bei Rennen, Kriegsereignissen, Kernenergie-Unfällen sowie Rost und Abnutzung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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