BaFin: Lebensversicherer sind für neue EU-Regelungen gerüstet

BaFin: Lebensversicherer sind für neue EU-Regelungen gerüstet

Trotz gesunkener Zinsen ist die Lebensversicherer-Branche offenbar gut gerüstet. Die Versicherer könnten die Umstellung auf die neuen Kapitalanforderungen "bewältigen", erklärte die Finanzaufsicht BaFin am Mittwoch.

Vielen deutschen Lebensversicherern fällt die Umstellung auf die neuen verschärften Kapitalanforderungen in Europa schwer. Nach einer Erhebung der Finanzaufsicht BaFin wären fast die Hälfte der 87 Unternehmen der Branche Ende vergangenen Jahres an den ab 2016 geltenden Vorschriften gescheitert, wenn es keine langen Übergangsfristen dafür gäbe, erklärte die Behörde am Mittwoch in Bonn.

Die deutschen Lebensversicherer haben 16 Jahre Zeit, ihre Kapitalanlagen nach und nach an die neuen Regeln anzupassen. Vor einem Jahr hatte ein Viertel der Versicherer die Latte gerissen. Doch dann waren die Zinsen am Kapitalmrkt weiter gesunken, und die BaFin hatte die Branche nochmals unter die Lupe genommen.

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Tipps: Die richtige Police finden

  • Beitrag jährlich zahlen

    Versicherte zahlen Beiträge oft monatlich. Dafür fallen Zuschläge an. Wer pro Jahr zahlt, profitiert. Auf 20 Jahre bringt das schnell 1000 Euro mehr.

  • Dynamik selten sinnvoll

    Automatische jährliche Beitragssteigerungen sollen die Inflation abfedern. Nachteil: Es fallen jedes Jahr neue Abschlusskosten an. Kunden können die Dynamik aussetzen. Sinnvoll ist der Automatismus höchstens bei integriertem Risikoschutz und bei steuerfreien Policen von vor 2005, da die alten Vorteile (früherer Gesundheitszustand, alte Steuerregeln) dank Dynamik auch für höhere Leistungen gelten.

  • Risikoschutz separat

    Anlage und Risikoschutz mit separaten Policen abdecken. Versicherte können die Lebenspolice sonst kaum kündigen oder beitragsfrei stellen, da der Risikoschutz gefährdet wäre.

  • Förderung bringt wenig

    Staatliche Förderung, etwa Riesteroder Rürup-Policen, beschert meist kein geschenktes Geld – trotz anderslautender Werbung. Das liegt vor allem an Steuereffekten. Vorteile gibt es meist nur, wenn die Steuersätze im Alter viel niedriger als vorher sind.

  • Rentenzahlung vorziehen

    Bei Neuabschluss sind für die reine Sparanlage, also bei Policen mit Einmalauszahlung, allenfalls Top-Versicherer interessant. Immerhin bestehen hier selbst bei neuen Verträgen noch kleinere Steuervorteile. Für die Altersvorsorge hingegen ist die Auszahlung als monatliche Rente besser. Versicherer setzen allerdings teils über 100 Jahre Lebenserwartung an. Entsprechend niedrig sind die Renten. Die Rentenpolicen sind nur Absicherung, kein Renditebringer.

"Die Unternehmen werden sich sehr anstrengen müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken, auch wenn die Zinsen seit Ende 2014 leicht gestiegen sind", sagte BaFin-Chef Felix Hufeld. In der Summe fehlten ihnen zwölf Milliarden Euro an Eigenmitteln. Im Herbst hatte die BaFin die Lücke noch auf rund 15 Milliarden beziffert. Trotz der Übergangsfristen gibt es einige Lebensversicherer, die die ab 2016 geltenden "Solvency II"-Regeln nicht erfüllen könnten - sie haben allerdings einen verschwindenden Marktanteil. Die BaFin will sie Hufeld zufolge nun in enge Manndeckung nehmen.

Solvency II orientiert sich stärker als das bisherige Regelwerk daran, mit welchen Risiken die Kapitalanlagen der Versicherer verbunden sind. Je größer das Risiko, desto mehr Eigenkapital müssen sie dafür hinterlegen. Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Alexander Erdland, räumte ein: "Weitere Anstrengungen sind nötig, um den Herausforderungen einer lang andauernden Niedrigzinsphase Rechnung zu tragen." Die Bundesregierung sieht aber nach Angaben des Finanzministeriums keinen akuten Handlungsbedarf, um die deutschen Lebensversicherer krisenfester zu machen.

Probleme durch Niedrigzinsen "Lebensversicherer müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen"

Die Pleite des Schweizer Lebensversicherers Zenith schürt auch Ängste um deutsche Versicherer. Sind die Sorgen berechtigt?

Angst um Deutsche Versicherer Quelle: Getty Images, pr, Montage

Der BaFin sind vor allem die lebenslangen Garantien ein Dorn im Auge, die die deutschen Versicherer ihren Kunden traditionell geben. Mit Solvency II würden die Risiken sichtbar, die diese Garantien mit sich bringen, erklärte die Aufsicht. Bis in die 1990er Jahre hinein garantierten die Lebensversicherer bis zu vier Prozent Zinsen im Jahr, im Durchschnitt liegen die Garantien der lang laufenden Verträge im Bestand immer noch bei mehr als drei Prozent. Das lässt sich mit sicheren Kapitalanlagen nur schwer erwirtschaften.

Immer mehr Lebensversicherer wenden sich daher vom Geschäft mit klassischen Verträgen mit langfristigen Zinsgarantien völlig ab. Talanx, mit Marken wie Neue Leben, Targo Leben und HDI Leben einer der fünf größten deutschen Lebensversicherer, hatte am Dienstag die Umstellung seiner Produktpalette bis 2017 angekündigt.

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Spätestens dann sollen nur noch "kapitaleffiziente" Policen verkauft werden, die nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge versprechen. "Je höher die Garantie, desto geringer ist die Chance, höhere Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften", sagte Versicherungsexperte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata.

Die Generali (AachenMünchener, Cosmos Direkt) hatte im Mai einen ähnlichen Schritt vollzogen wie Talanx jetzt, beim Marktführer Allianz machen die klassischen Produkte nur noch ein Fünftel des Neugeschäfts aus. R+V Leben, Nummer zwei der Branche, hält dagegen an den traditionellen Produkten fest. Garantien seien für die meisten Kunden wichtig, sagte ihr Chef Frank-Henning Florian zu Reuters. "R+V bietet daher die gesamte Produktpalette an und wird dies auch weiterhin tun."

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