Banken, Schufa und die Bonität: Der Kampf gegen den falschen Schufa-Eintrag

Banken, Schufa und die Bonität: Der Kampf gegen den falschen Schufa-Eintrag

, aktualisiert 15. Juni 2015, 14:56 Uhr
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Wenn Banken, Händler oder Telekomanbieter falsche Angaben machen, ist die Kreditwürdigkeit der in Gefahr.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Schufa sammelt Daten über Verbraucher und deren Zahlungskraft. Was aber, wenn ein Irrtum einer Bank die eigene Kreditwürdigkeit gefährdet? Ein Fall zeigt, was passiert, wenn jemand in die Bonitätsfalle tappt.

Bei dem bekannten Brettspiel „Monopoly“ gibt es eine Karte, die lautet „Bankirrtum zu Ihren Gunsten“. Der Spieler bekommt dann Geld von der Bank. In der Realität wird diese Karte jedoch nur spärlich ausgespielt, der Kunde profitiert von Bankirrtümern sehr selten.

Öfter kommt es zu Bankirrtümern zu Ungunsten der Kunden. Diese Erfahrung machte Erik W., der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. Seine Vermutung: Weil die Hausbank eine längst abgelöste Bürgschaft seiner Frau nicht löschte, sank sein Schufa-Score. So heißt der Wert, in dem das Auskunftsunternehmen Schufa die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers zusammenfasst.

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Ohne diese testierte Kreditwürdigkeit gab es für W. bei anderen Banken keinen Kredit mehr. Erik W. verlor seine finanzielle Existenz. Ob tatsächlich der Schufa-Score auf falscher Basis zu den Geldnöten führte, lässt sich zwar nicht beweisen. Der Fall zeigt aber ein Dilemma, in das viele Schuldner in Deutschland geraten können.

Wie Sie herausfinden, was Auskunfteien über Sie speichern

  • Hinweis- und Informationssystem der Versicherer (HIS)

    Verbraucher rufen die Seite des Betreibers informa risk & fraud prevention (www.informa-irfp.de) auf, auf der sie in der Rubrik „Selbstauskunft und Datenschutz“ ein Formular herunterladen können. Dann müssen sie Namen, Adresse und Geburtsdatum eintragen und das Formular per Post an informa schicken – samt Kopie des Personalausweises (Vorder- und Rückseite).

    Entdecken sie Fehler in der Selbstauskunft, können sich Betroffene entweder an informa oder an den Versicherer wenden, der den Eintrag gemeldet hat. Das gilt auch, wenn Einträge korrekt sind, aber bereits gelöscht sein müssten.

  • Schufa

    Auf www.meineschufa.de können Interessierte ein Bestellformular für eine „Datenübersicht“ herunterladen, ausfüllen und per Post an die Schufa schicken. Auch hier ist wieder eine Ausweiskopie nötig.

    Alternativ ist ein ständiger Online-Zugriff auf die eigenen Schufa-Daten möglich – inklusive sofortiger Info über Neues, etwa Änderungen der Bonität. Das kostet je nachdem, ob es sich um die Service-Varianten Kompakt, Plus oder Premium handelt, zwischen 3,95 und 9,95 Euro pro Monat. Die Registrierung schlägt mit einmalig 9,95 Euro zu Buche.

    Die Schufa verspricht, unvollständige, unzutreffende oder veraltete Angaben „kostenlos und umgehend“ zu korrigieren. Dazu sollen sich Verbraucher ans Privatkunden Service Center (Postfach 10 34 41, 50474 Köln) wenden und ihr Anliegen „kurz schriftlich darstellen“, am besten mit Belegen. Die Schufa hakt nach eigenen Angaben meist noch am selben Tag beim Vertragspartner nach, der den Eintrag gemeldet hat.

Die Welt war für W. 2006 noch mehr als in Ordnung. Seine Druckerei warf gute Erträge ab, mit seiner Frau und den beiden Kindern lebte er in einem eigenen Haus. Auch der Unterhalt von zwei Autos stellte kein Problem dar. Die Aussicht auf einen finanziell gut ausgestatteten Ruhestand sorgte für Behaglichkeit. Neun Jahre später sieht Lage der Familie anders aus. Die Firma ist insolvent, das Haus musste versteigert werden. Wie konnte es so weit kommen?

Der Unternehmer beschloss Anfang des Jahres 2006, einen Kredit seiner Volksbank auf ein anderes Kreditinstitut zu übertragen. Die neue Bank bot ihm bessere Konditionen. Die Ablösung des Darlehens verlief zunächst ohne Probleme. Die Volksbank bestätigte die Ablösung in einem Schreiben vom 26. Januar 2006: „Das rückständige Darlehen wurde aufgelöst.“

Schufa-Ranking der Bundesländer (Stand: April 2013)

  • Deutschland gesamt

    Anteil der Erwachsenen mit mindestens einem negativen Schufa-Eintrag.

    Gesamt: 8,8 %

    Junge Erwachsene (18-24): 6,6 %

  • Berlin

    Gesamt: 12,3 %

    Junge Erwachsene: 7,9 %

  • Bremen

    Gesamt: 12 %

    Junge Erwachsene: 8,4 %

  • NRW

    Gesamt: 10,5 %

    Junge Erwachsene: 7,5 %

  • Sachsen-Anhalt

    Gesamt: 10,3 %

    Junge Erwachsene: 9,3 %

  • Meck-Pomm

    Gesamt: 9,9 %

    Junge Erwachsene: 8,8 %

  • Hamburg

    Gesamt: 9,8 %

    Junge Erwachsene: 6,8 %

  • Saarland

    Gesamt: 9,6 %

    Junge Erwachsene: 7,3 %

  • Schleswig-Holstein

    Gesamt: 9,4 %

    Junge Erwachsene: 7,3 %

  • Brandenburg

    Gesamt: 9,1 %

    Junge Erwachsene: 7,7 %

  • Niedersachsen

    Gesamt: 8,9%

    Junge Erwachsene: 6,9 %

  • Rheinland-Pfalz

    Gesamt: 8,8 %

    Junge Erwachsene: 6,8 %

  • Hessen

    Gesamt: 8,6%

    Junge Erwachsene: 6,3 %

  • Thüringen

    Gesamt: 8,3 %

    Junge Erwachsene: 7,6 %

  • Sachsen

    Gesamt: 7,9 %

    Junge Erwachsene: 6,9 %

  • Baden-Württemberg

    Gesamt: 6,9%

    Junge Erwachsene: 4,9 %

  • Bayern

    Gesamt: 6,5 %

    Junge Erwachsene: 4,9 %

Auch die Bürgschaft seiner Frau über mehr als 100.000 Euro sei nun „gegenstandslos geworden“. Die Gattin hatte ihre Lebenpolice für den Kredit als Sicherheit verpfändet. Für die Eheleute war die Sache damit erledigt.

Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und das mittelständische Unternehmen brauchte einen neuen Kredit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma solide gewirtschaftet, die Familie konnte von den Einnahmen ihren Unterhalt bestreiten. Das vorläufige Betriebsergebnis für 2007 beträgt 80.000 Euro.

Den Kredit für seine Firma beantragte der Unternehmer im August 2009 auf einem Internetportal. Die Anfrage wurde abgelehnt. Aus einer von W. angeforderten Schufa-Auskunft aus dem Jahr 2010 geht hervor, dass sein Basisscore noch bei 97 Prozent lag, zwar kein Top-Wert, aber auch kein Score, der es unmöglich macht, bei einer Bank einen Kredit zu bekommen.

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